Geschichte

Heimkehr für den Aufstieg

VfL-Idol Siggi Reich machte außerhalb Wolfsburgs große Karriere. Im Kampf um den Zweitligaeinzug 1992 war seine Rückkehr der entscheidende Trumpf.

Siegfried Reich vom VfL Wolfsburg auf dem Spielfeld in einem Zweokampf.

Es gibt wenige Menschen, die man am Mittellandkanal niemandem vorstellen muss. Dieser Mann zählt ohne Frage dazu: Siegfried, genannt „Siggi“, Reich war in den 80er Jahren der spannendste Wolfsburger Fußballexport. Gladbach, Dortmund, Bielefeld und Hannover hießen in der Bundesliga seine Stationen. Er stellte Rekorde auf, holte sich Torjägerkronen, schoss für die Roten gar ein „Tor des Monats“. Trotz seiner 176 Erstligaspiele mit 65 Treffern für andere Klubs brachte er es aber obendrein noch fertig, zu einem Idol des VfL Wolfsburg zu werden: Weil er im Herbst seiner Laufbahn zurückkam, um die Wölfe in den Profifußball zu führen. „Eigentlich wollte ich nur noch zwei Saisons spielen“, sagt er. „Stattdessen hatte ich beim VfL aber noch fünf überragende Jahre.“   

Kurzer Weg zum VfL-Stadion

Dort, wo Reich seine Karriere schließlich krönte, fing alles auch an. Im Kiebitzweg, keine 500 Meter vom Elsterweg entfernt, wuchs er auf. Der Weg zu den Wölfen lag buchstäblich nah. „Ein Klassenkamerad fragte, ob ich mit zum Training kommen will. In der vierten D-Jugend ging es dann beim VfL für mich los.“ Mit Ausnahme zweier B-Jugend-Jahre im Trikot des Stadtrivalen 1. FC spielte Reich die komplette Jugend in Grün-Weiß. Seine weitere Vita lässt vermuten, dass er anschließend bald zu gut wurde, um gehalten werden zu können. „Ehrlich gesagt habe ich nach der A-Jugend zuerst aber in der Zweiten gespielt. Imre Farkaszinski stand nicht so auf mich.“ Erst unter Wilfried Kemmer legte Reich richtig los, gemeinsam mit Sturmpartner Klaus-Dieter Schäfer schoss er zwischen 1979 und 1981 VfL-Tore um die Wette, was die Fohlen auf den Plan rief. Nach einer Woche Probetraining am Niederrhein ging es unter Jupp Heynckes für Reich in der Bundesliga los.

Spuren auch im Werk hinterlassen

Für seine elfjährige Profikarriere unterbrach der Torjäger auch seine Laufbahn im Werk. Seit 1977 hatte er bei Volkswagen als Werkstoffprüfer gearbeitet. Ursprünglich war Reich gelernter Gas- und Wasserinstallateur. Mit seiner Rückkehr zum Autobauer 1991 begann er aber in einem ganz anderen Bereich. Nach internen Schulungen fand er seinen Platz in der Abteilung Finanz, genauer gesagt der Systemanalyse. Als Programmierer saß er an Großrechnern, kümmerte sich um Themen wie Zoll und Debitoren. „Das war ein interessanter Bürojob, der mir Freude gemacht hat. Hätte es mit dem Sporthaus nicht funktioniert, dann hätte ich sicher bei Volkswagen meine Zukunft gesehen“, sagt der 58-Jährige, der mit dem Zweitligaaufstieg 1992 ohnehin beruflich bald kürzertrat und ein paar Monate später ganz ausschied. Denn beim VfL Wolfsburg begann nun das Zeitalter des Profifußballs.
 

Bis ins hohe Fußballalter geknipst

Von Bayer Uerdingen lotsten Peter Pander und Manfred Aschenbrenner, gerade frisch im Amt, den verlorenen Sohn 1991 zurück. Im verschlafenen Fußball-Wolfsburg sorgte allein das schon für eine lang nicht erlebte Euphorie. „Auch für mich war es eine Riesengeschichte. Nach Hause zu kommen, zur Familie und den alten Freunden, das war schon toll.“ Sportlich wurde Reich in einer ohnehin namhaften Truppe der entscheidende Trumpf. „Olaf Ansorge, Frank Plagge, Michael Geiger – die Mannschaft war richtig stark besetzt. Alle wollten unbedingt aufsteigen, das hat man sofort gespürt.“ Wie im Vorjahr wurden die Grün-Weißen in der Amateur-Oberliga Meister – und setzten sich diesmal in der Aufstiegsrunde durch. Am ersehnten Aufstieg nach 15 Jahren Drittklassigkeit  hatte Reich nicht nur entscheidenden Anteil, sondern knipste auch danach noch jahrelang weiter. Als er mit 36 aufhörte, um das Sportgeschäft seines Vaters in Fallersleben weiterzuführen, hatte er noch unglaubliche 144 Treffer in 240 Spielen zusammenbekommen. Allein für den VfL Wolfsburg.     

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 3. Dezember 2017.

Bisher erschienene Porträts in „Mein Werk. Mein Verein. Eine Geschichte“:

 

Hans-Georg Addicks

Wilfried Ahnefeld

Peter Ament

Uwe Beese

Rainer Behrends

Hermann-Dieter Bellut

Günther Blech

Helmut Bräutigam

Karl-Heinz Borutta

Holger Busse

Karl-Heinz Dickkopf

Werner Eichhorn

 

Ingo Eismann

Rudi Engelhardt

Hans-Georg Felleckner

Fred Fensch

Heinz Fischer

Marian Foitzik

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Uwe Funke

Guido Gehrmann

Dirk Geger

Michael Geiger

Willi Giesemann

Friedhelm Goertner

 

Dieter Gresens

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Joschi Heil

Heinz Herrmann

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Jörg Hoßbach

Bernd Idziak

Waldemar Josef

Klaus Jura

 

Ralf Kammel

Burkhard Kick

Ralf Kirchoff

Friedhelm Klein

Georg Klitzke

Heinz Knopp

Dietmar Koch

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Gerd Kuhlmeyer

Dieter Kulhanek

Bernhard Kulla

 

Markus Kullig

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Gianni Lazzara

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Günther Litzenberg

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Frank Ockert

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Uwe Piep

Lothar Pospich

Wilfried Reckel

 

Siggi Reich

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Gerald Schröder

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Wolfgang Simon

Jürgen Speh

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Wolfgang Wallek

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Manfred Wuttich

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