Jürgen Speh beim Schuss gegen Hannover96.
31.10.2021
Geschichte

2. Liga nach Feierabend

Jürgen Speh erlebte in Wolfsburg die Anfänge des Profifußballs. Unter noch amateurhaften Rahmenbedingungen.

Jürgen Speh beim Schuss gegen Hannover96.

Ein unfairer Spieler war er trotz seiner Vorliebe nicht. Jürgen Speh spielte meist mit langen Alustollen, „weil man damit besseren Halt hatte und sich auch schon mal Respekt verschaffen konnte“, grinst er. Versteckte Fouls waren zu seiner Zeit sicherlich verbreiteter als heute. Wenn er sich mit ausgebufften Stürmern wie Gerd-Volker Schock oder Franz Gerber beharkte, ging es hoch her. In seinen fünf Jahren als VfL-Stammspieler flog der Vorstopper indes kein Mal vom Platz. Mit der einzigen Ausnahme eines Spiels bei Werder Bremen. „Und das auch nur wegen Reklamierens.“

Prominente Fast-Mitspieler

Speh im VfL-Trikot – das gab es gleich doppelt. Zeitweise stand Jürgen Speh gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Ralph auf dem Platz. Jürgen, eine Viertelstunde jünger, jubelte schon in den 60ern am Elsterweg VfL-Größen wie Wilfried Kemmer zu. Anders als sein Bruder reifte er in der Wölfe-Jugend aber zu einem robusten Defensivspieler heran, der ab 1975, als Paul Kietzmann ihn hochzog, in der Ersten gesetzt war und zeitweise gar die Kapitänsbinde trug. Toni Matz, Ingo Eismann und Siegfried Otte sowie Michael Maaß im Tor – Speh war Bestandteil einer namhaften Verteidigung. Zugleich pendelte der VfL in jenen Jahren aber auch zwischen 2. Liga und Regionalliga Nord hin und her. „Nach dem ersten Abstieg haben gute Spieler aufgehört. Leider wurde der Kader nur unzureichend aufgefüllt“, weiß er noch. „Wir hätten Leute wie Uli Stein, Dieter Schatzschneider oder Johnny Otten bekommen können, aber das hat nicht geklappt. So wurde es dann halt sehr schwer.“

Nach der Schicht auf Auswärtstour

Zweimal stieg der gebürtige Lüneburger mit Grün-Weiß auf und gleich wieder ab, es war die wechselhafteste Phase in der Vereinshistorie. Der Profifußball, so die Lehre aus diesen Fahrstuhljahren, kam für den VfL Wolfsburg zu früh. „Während es anderswo schon Berufsfußballer gab, hatten wir alle noch andere Berufe“, erklärt Speh. „Zweimal pro Woche haben wir nach Feierabend trainiert. Einmal haben wir sogar bis mittags gearbeitet und sind dann nach Köln gefahren, wo wir abends ein Auswärtsspiel hatten“, lacht der 65-Jährige, der um die 140 Spiele im VfL-Trikot bestritt und in besonderen Momenten auch schon mal ein Tor besteuerte. Sein 35-Meter-Pfund im Heimspiel gegen Eintracht Nordhorn, Endstand 3:0, kommt ihm da zuerst in den Sinn.

Wie Jürgen Speh heute aussieht.

Den Horizont ständig erweitert

Aber der Fußball blieb eben nur Hobby. Seine berufliche Mitte fand Speh wie schon sein Vater, mit dem er Anfang der 50er nach Wolfsburg gekommen war, im Werk. Mit einer Lehre zum Werkzeugmacher ging es 1966 bei Volkswagen los. Nach ein paar Jahren in der FE und dann in der Qualitätssicherung wechselte Speh das Handwerk, bildete sich weiter zum Informatiker und kannte sich fortan mit Programmiersprachen aus. Als Systemanalytiker schrieb er ab 1980 Programme für Großrechner, um nach einer Zusatzschulung zum Grafiker 1990 wieder in die FE zu gehen und dort Präsentationsgrafiken zu erstellen. Als Systemanalytiker – zurück in der Qualitätssicherung – schloss sich der Kreis, hier blieb Speh bis zu seiner passiven Altersteilzeit 1998. „Meine Arbeit, gerade weil sie so verschieden war, hat mir immer Freude gemacht“, so sein Fazit. „Lebenslanges Lernen kann nicht schaden, deshalb habe ich diesen Weg ganz bewusst so gewählt.“

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 23. April 2016.


Funktionen

Teilen

 
Einmal registrieren, Alles nutzen.

Registriere dich nur einmal und nutze alle VfL-Dienste, wie z.B. das VfL Tippspiel sowie den VfL-Online- und Ticket-Shop.

Registrierung
Noch keinen Account?
Jetzt registrieren