11.11.2020
Geschichte

Kuchen ohne Sahne

Karl-Heinz Borutta war in den 70ern VfL-Stammkraft. Dabei hatte er es anfangs nicht leicht.

Kaum, dass er da war, reichte es fast schon zum ganz großen Wurf. So laut wie nie zuvor klopfte der VfL Wolfsburg im Sommer 1970 ans Bundesliga-Tor. Karl-Heinz Borutta spielte in der Aufstiegsrunde eine tragende Rolle, im Gruppenspiel gegen Hertha Zehlendorf traf er zweimal ins Netz. Mit dem Aufstieg sollte es für den Vize-Meister der Regionalliga Nord am Ende dann zwar nichts werden. Zumindest für Borutta aber war es Durchbruch: Für die nächsten acht Jahre war der schnelle und technisch starke Außenstürmer im Team von Imre Farkaszinski gesetzt. „Anfangs war ich mit dem Trainer gar nicht gut klar gekommen. Irgendwann fand er aber keinen Grund mehr, mich draußen zu lassen“, erinnert er sich. „Und am Ende war ich für ihn wie sein eigener Sohn.“      

Knausriger Fußballchef

Gut 300 Spiele absolvierte Borutta bis 1978 für Grün-Weiß, schoss mehrere Dutzend Tore und erlebte mit dem VfL zwei kurze Stippvisiten in Liga zwei. Als Kind hatte er für die Sportfreunde Ricklingen gespielt, ab dem zehnten Lebensjahr dann für Arminia Hannover, die mit dem seinerzeit 19-jährigen Angreifer 1969 ihr größtes Talent verlor. „Trotzdem musste ich mich in Wolfsburg erst mal beweisen. Mit Fredi Rotermund hatte ich auf meiner Position sehr starke Konkurrenz, zumal Farkaszinski sehr viel von ihm hielt“, so der heute 64-Jährige, der anfangs zwar wenig Einsätze, dafür vom Trainer aber direkt einen Spitznamen verpasst bekam. „Er hat mich Kalla getauft, was nicht einmal Absicht war, denn er hatte mich einfach falsch verstanden“, lacht der gebürtige Hannoveraner. Als er sich mit 29 Jahren dem TSV Burgdorf anschloss, hatte Borutta im VfL-Trikot eine Menge erlebt. In Erinnerung hat er Zeiten, die mit den heutigen nicht mehr vergleichbar sind, was er mit manch schöner Anekdote unterlegt. „Vor einem Spiel bei TeBe Berlin gab es für die Mannschaft einmal Kaffee und Kuchen. Kurz vorher baute sich aber unser Spartenleiter Günter Brockmeyer vor uns auf und sagte: ‚Meine Herren, die Sahne zum Kuchen zahlen Sie aber selbst!‘“

Fortschrittliches Arbeiten

Die meiste Zeit seines Berufslebens verbrachte Borutta bei Volkswagen im Werk. Parallel zu seinem Wechsel zum VfL begann der gelernte Kfz-Mechaniker 1969 für zunächst zwei Jahre in der Forschung und Entwicklung, ehe ihn die Bundeswehr rief. Direkt danach kehrte er zu Volkswagen zurück und arbeitete erneut in der Forschung, wo er beispielsweise Versuche mit Solarzellen unternahm, Lehrgänge für Abgasmesstechnik betreute und auch an der Entwicklung eines stufenlosen Getriebes beteiligt war. Nach 22 Jahren bei Volkswagen machte er sich selbstständig. „Zuletzt habe ich in einer 50-Personen-Abteilung eng mit drei Ingenieuren zusammengearbeitet. Das war insgesamt eine spannende und hochinteressante Zeit“, erinnert sich Borutta gerne zurück.

Immer neugierig auf Neues

Bis zur Rente im Jahr 2011 vertrieb er Solaranlagen, war darüber hinaus im Immobiliengewerbe tätig und betrieb gemeinsam mit seiner Frau einige Jahre lang ein Hotel samt Gaststätte. Und nicht zu vergessen, die acht Jahre, die er zudem bei Audi im Verkauf arbeitete. 

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 5. Oktober 2013


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