15.07.2021
Geschichte

Mit dem Fahrrad zum Heimspiel

Bereits in den 40er Jahren spielte Günther Blech für die Wölfe. Bei Volkswagen wäre er am liebsten noch heute.

Wer der Gegner war, das weiß er nicht mehr. Aber ansonsten sind ihm die Umstände noch in allerbester Erinnerung. „Eine direkt verwandelte Ecke – das ist mir nur einmal geglückt. Ein solches Tor vergisst man nicht.“ Günther Blech war beim VfL Wolfsburg ein Mann für die ruhenden Bälle. Und zwar zu einer Zeit, als die Vereinsgründung noch keine drei Jahre zurücklag. „Ich hatte sogar erst eine Saison beim 1. FC Wolfsburg gespielt. Dann aber hieß es: ‚Du bist so gut, komm doch zu uns.‘“ Ende 1947 schloss sich Blech den Grün-Weißen an und blieb bis 1956. Er erlebte somit hautnah die rasante Entwicklung von einer Dorfmannschaft zum im ganzen Norden geachteten Erstligateam.

Trikots zu Hause gewaschen

Hankensbüttel, Fallersleben, Wittingen – die ersten Auswärtsreisen im VfL-Trikot waren noch kurz. Zu Heimspielen ging es per Fahrrad oder zu Fuß. „Der Elsterweg war nur ein aufgeschütteter Wall. Wenn wir spielten, bestand das Publikum aus unseren Freunden und Angehörigen.“ Blech berichtet aus einer Zeit, als man sein Trikot zum Waschen selbst mit nach Hause nahm und nach dem Match statt unter die Dusche nacheinander in einen Kübel stieg. „Bei ‚Opa Wolter‘ stand immer eine Wanne für uns bereit. Und wenn wir alle durch waren, hat man zum Schluss in der Brühe noch seine Schuhe geputzt“, lacht der 86-Jährige und gerät trotzdem über seine aktive Zeit schnell ins Schwärmen. „Wir haben toll zusammengehalten und einfach nur Fußball gespielt. Eine wunderschöne Zeit.“

Seit 1987 in Rente

Nicht anders spricht Blech, geboren in Mahlwinkel, über seine Laufbahn im Werk. Nach externer Ausbildung zum Kfz-Schlosser baute er ab 1947 an der Drehbank Lenkstangenrohre. Um 1955 wechselte er zum Motorenprüfstand und machte dort, inzwischen in der FE, bald seinen Meister. Als Prüfstandfahrer nahm Blech herstellerübergreifende Vergleichsmessungen vor. Ehe er 1987 nach vier Dekaden im Betrieb in den Ruhestand ging, hatte er es zum Vorgesetzten von fast 40 Mitarbeitern gebracht. „Wenn Sie mich fragen, wie gern ich bei Volkswagen war, dann kann ich nur antworten, dass ich diese Arbeit am liebsten noch heute machen würde“, betont er. „Das sagt eigentlich alles.“

Der ehemalige VfL Wolfsburg-Spieler Günther Blech im Portrait.

Im Schatten der Oberliga-Stars

Mit 28 hörte Blech, übrigens Schwiegervater vom ehemaligen VfL-Abwehr-Ass Dirk Zehnpfund, infolge einer Fußverletzung auf. Die Wölfe, gespickt mit Spitzenkräften wie Alfred Heider, Günter Leich und Günther Litzenberg, spielten da bereits in der Oberliga Nord. Binnen neun Jahren waren sie von der Kreisliga Gifhorn bis in die höchste Klasse marschiert. Am Ende jedoch ohne Rechtsaußen Günther Blech. „Es waren Bessere gekommen, der Verein hatte sich inzwischen erheblich professionalisiert“, erklärt er. „Deshalb habe ich in meinen letzten Jahren in der Zweiten gespielt.“

Lieber bei Sonne gespielt

An Details wie Taktiken, Spielzüge und seine Mitspieler erinnert sich Blech beeindruckend gut. Günther Morawitz, Friedel Geduldig und Friedhelm Knieriem – so hieß die VfL-Offensive der späten 40er Jahre, die er selbst mit Flanken fütterte. Weitere Eckpfeiler waren Otto Brummer und Hans Müller. Eberhard Steinbach, später dann Lothar Täger, standen im Tor. Unvergesslich aber blieben ihm vor allem die Bälle. „Vor jedem Spiel musste man die Dinger aufpumpen und neu verschnüren. Und wenn es geregnet hat, dann sind sie so schwer gewesen, dass man sie kaum in den Strafraum geschossen bekam.“

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 16. Mai 2015.


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