Der ehemalige VfL Wolfsburg Spieler Silviu Vuia in einer Spielszene.
10.01.2021
Mein Werk. Mein Verein. Eine Geschichte.

Mannschaft sammelte für Küche

Als Flüchtling kam Silviu Vuia nach Wolfsburg. Dank Volkswagen und seiner VfL-Mitspieler wollte er nie wieder weg.

Der ehemalige VfL Wolfsburg Spieler Silviu Vuia in einer Spielszene.

Was momentan in der Welt passiert, das kann Silviu Vuia sehr gut nachempfinden. In seiner Heimatstadt Arad hatte der Rumäne keine Perspektive gesehen. Im Spätsommer 1989, als der Eiserne Vorhang noch existierte, wagten er und ein Freund deswegen die Flucht. „Acht Tage waren wir unterwegs, zum großen Teil zu Fuß. Und das unter der ständigen Angst, erwischt zu werden“, berichtet er. „Doch es hat sich vollauf gelohnt.“ Denn Vuia, dessen Bruder bereits in Wolfsburg lebte, fand nicht nur bei Volkswagen Arbeit. Er bekam sogar die Chance, wieder Fußball zu spielen. Beim VfL machte er sich sofort einen Namen wurde zum wichtigen Baustein des Zweitliga-Aufstiegs.

Zweite Chance beim Kopfballungeheuer

Genau wie sein Kumpel war Vuia zu Hause bereits ein bekannter Spieler gewesen. Sein erstes Probetraining unter Horst Hrubesch kam jedoch zu früh. „Ich konnte kaum gehen, so erschöpft war ich noch von der Flucht. Ich habe dann aber privat – im Wald und im Kraftraum – weitertrainiert und durfte anschließend wiederkommen. Diesmal hat es geklappt.“ Vuia schlug ein wie der Blitz: Mit zwei Traumtoren in einem Testspiel sicherte er sich seinen ersten Vertrag. Im Januar 1990 ging es beim VfL los. Auf Hrubesch folgte Ernst Menzel, den Uwe Erkenbrecher ersetzte. Der zentrale Mittelfeldspieler Vuia, Spezialist für Weitschüsse und Standards, zählte fast immer zum Stamm.   

Ein aktuelles Porättfoto von dem ehemaligen VfL Spieler Silviu Vuia.

Kindermöbel vom Trainer

Es waren turbulente VfL-Jahre, die der Rumäne mit 14 Treffern in knapp 100 Spielen mitprägte. Als 1992 die lang ersehnte Rückkehr in die zweite Liga gelang, fuhr die Mannschaft in offenen Cabrios durch die Stadt. Für Vuia ein unvergesslicher Anblick. „Einfach fantastisch, eine solche Euphorie hatte ich noch niemals erlebt.“ Was er aber noch mehr herausstellt, das ist das Miteinander mit den Kollegen, die ihn mit derart offenen Armen empfingen, dass es den 52-Jährigen heute noch rührt. „Alle waren so unglaublich hilfsbereit. Ich weiß noch, dass Ernst Menzel mit seinem Auto vorfuhr, um Möbel fürs Kinderzimmer zu bringen. Und als wir umzogen sind, hat das ganze Team zusammengelegt und eine Küche spendiert.“

Volltreffer Volkswagen

In der zweiten Liga sollte Vuia keine große Rolle mehr spielen. Dafür hatte er einen weiteren Traum inzwischen verwirklicht. „Ein besonders schöner Tag in meinem Leben war der 25. Februar 1992, denn da bekam ich eine feste Stelle im Werk.“ In der Volkswagen Fleischerei fing er an. Es war harte Arbeit, die im Kühlraum anfiel. Aber das machte Vuia nichts aus. Er nutzte sie als Sprungbrett für einen Wechsel in die FE, ehe er 1994 seinen heutigen Dienstort erreichte. Anfangs als Fahrer, inzwischen als Angestellter in der Fahrzeugauslieferung kümmert sich Vuia in Halle 52 um Leasing-, Gebraucht- und Dienstfahrzeuge. Verwaltung, Telefonate, Aushändigung und Einweisungen – speziell der tägliche Kundenkontakt macht ihm sehr großen Spaß. Und natürlich hat er nie vergessen, woher er kommt. „Die Motivation meiner Flucht war es damals, Arbeit zu finden, um meinen Kindern eine Perspektive bieten zu können. Dass ich es so toll getroffen habe, dafür bin ich jeden Tag dankbar“, sagt Silviu Vuia. „Meine Anstellung bei Volkswagen ist das Beste, was mir passieren konnte.“

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 17. Oktober 2015.
 


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