05.07.2019
Geschichte

Fußball und Kunst

Hobby und Beruf ergaben in Siegfried Ottes Karriere eine spannende Mischung.

Der Spitzname sagt eigentlich alles. „Roadrunner“ nannten sie den Mann, der zwischen 1971 und 1978 auf der VfL-Außenbahn spielte. „In meinen besten Zeiten lief ich die 100 Meter in Elfkommanull“, sagt Siegfried Otte. Im Team der Grün-Weißen war er seinerzeit damit der Schnellste, doch setzte Imre Farkaszinski diese scharfe Waffe nicht im Angriffsspiel ein. Als Pendant zu Ingo Eismann auf der anderen Seite machte der Trainer den Mann mit der Drei stattdessen zum hochmodernen, offensivstarken Außenverteidiger. „‚Du bist noch ungeschliffen, aber aus dir mache ich ein Juwel‘, hat er einmal zu mir gesagt. Diesen Satz werde ich niemals vergessen.“

Kein Freund der Langstrecke

Tatsächlich ging es mit Ottes Fußballer-Laufbahn zu Anfang unheimlich schnell. Nach Jugendjahren beim MTV Isenbüttel stieß er mit 16 Jahren zum MTV Gifhorn und sorgte dort derart für Furore, dass der VfL früh auf ihn aufmerksam wurde. Wie unbekümmert er den Sprung aus der Verbandsliga zu einem Spitzenteam der Regionalliga Nord verkraftete, erstaunte ihn selbst. „Mit einem Platz im Kader wäre ich völlig zufrieden gewesen, aber gleich in der ersten Saison verpasste ich kein Spiel.“ Nicht nur von seiner Schnelligkeit, auch von seiner Statur profierte der beidfüßige Mann. Lange Jahre als Turner und Leichtathlet zahlten sich aus. Seinen Körper zu schinden, fiel ihm dabei nicht immer leicht. „Wenn ich an die 5.000-Meter-Läufe unter ‚Farka‘ denke, dann wird mir heute noch schlecht“, lacht der 65-Jährige. Ansonsten wünscht Otte sich seinen damaligen Alltag aber durchaus schon mal zurück. „Zwischen Dienstschluss und Trainingsbeginn haben wir oft auf dem Rasen mit dem Spiel ‚Fünf gegen Zwei‘ die Zeit überbrückt. In solchen Momenten habe ich den Fußball wirklich geliebt.“

Spannender Arbeitsalltag im Werk

Ein Beinbruch setzte Otte Ende 1973 für ein halbes Jahr außer Gefecht. Von dieser Zeit abgesehen, blieb er im VfL-Team gesetzt. Und erlebte, auch wenn es zum ganz großen Wurf mit den Grün-Weißen nie reichte, immerhin zwei Stippvisiten in Liga zwei. „Wir waren dort Amateure unter Profis, trotzdem waren das tolle Erfahrungen. Wichtiger war ohnehin der sichere Arbeitsplatz. Das war eine ganze Menge wert“, betont Otte, dessen Laufbahn im Werk sich keinen Deut weniger spannend gestaltete. Als gelernter Tischler fing er 1973 bei Volkswagen an. Aus der Abteilung Inspektion Messteile wechselte er zwei Jahre später in die Anlagen-Buchhaltung, schulte sich zum Industriekaufmann weiter und übernahm ab 1978, etwa zeitgleich zum Ende seiner VfL-Fußballerzeit, dann ein hochinteressantes Aufgabenfeld: In einem Team von etwa 20 Leuten kümmerte er sich um hausinterne Kunstgegenstände wie Gemälde, Skulpturen oder auch Teppiche, die damals im Besitz von Volkswagen waren. „Ich hätte sehr gern noch weitergearbeitet, so großen Spaß hat mir diese Arbeit gemacht“, sagt Siegfried Otte, der sich seit 2008 in den Ruhestand verabschiedete. 

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 25. Januar 2014. Anmerkung der Redaktion: Siegfried Otte ist am 19. Oktober 2018 im Alter von 69 Jahren verstorben.
 

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