Ein historisches Foto des VfL Wolfsburg Spielers Heil.
26.07.2021
Geschichte

Künstler am Ball

Als Maler hat sich Joschi Heil in der Region einen Namen gemacht. Vormals war er sowohl für Volkswagen als auch für die Wölfe aktiv.

Ein historisches Foto des VfL Wolfsburg Spielers Heil.

Eine seiner Lieblings-VfL-Geschichten ist die vom Spiel ohne Trainer: Als die Wölfe in der Amateur-Oberliga Niedersachsen Ost einmal bei der SpVgg Preußen 07 Hameln gastierten, war Coach Georg Reichert nicht auffindbar. „Da hat einfach jeder ein Trikot aus dem Koffer genommen und gespielt, was er wollte. Wir haben sang- und klanglos mit 0:6 verloren“, lacht Josef Heil. „Trotzdem ist es eine riesige Gaudi gewesen.“ Und wo war der vermisste Reichert nun geblieben? Den traf man nach Heils Erinnerung hinterher in der VfL-Vereinsgaststätte wieder. „Das war ihm natürlich sehr unangenehm. Er hatte wohl angenommen, dass wir zu Hause spielen würden.“

Brief von den Wölfen

Mit seinem Trainer, die Anekdote deutet es an, kam er nicht immer gut klar. Aus seiner Zeit im VfL-Trikot berichtet Heil aber ganz bewusst mit einem Augenzwinkern. Denn nicht nur sportlich waren es für ihn Jahre der Improvisation; sich neuen Lebenslagen anzupassen, das war er ohnehin gewohnt. Seine Kindheit und Jugend verbrachte Heil – geboren in Fünfkirchen, dem heutigen Pecs – in Ungarn. Auf der Flucht vor den politischen Unruhen in seiner Heimat landete er Ende der 50er Jahre in Essen. „Durch Zufall bin ich dann zu Rot-Weiss Essen gekommen. Weil ich als Flüchtling gesperrt war, habe ich ein halbes Jahr mit falschem Pass in der Reserve gespielt.“ Über Essen ging es weiter nach Detmold. Heil, in der Jugend schon als Großtalent aufgefallen, begann eine Maurerlehre und spielte in der obersten Amateurliga für den örtlichen TSV. Dann kam überraschende Post. „Der VfL Wolfsburg fragte an, ob ich einmal vorbeischauen möchte. Nach dem Oberliga-Abstieg suchte man Leute. Da ich ohnehin Deutschland besser kennenlernen wollte, habe ich gern zugesagt.“

Aus Versehen Wurzeln geschlagen

Ein paar Jahre bleiben und dann weiter in den Süden zu seiner Verwandtschaft ziehen, so Heils Plan. Dass er bis heute blieb, lag an seinem Arbeitgeber. „Wolfsburg war eine aufstrebende Stadt. Was ich im Werk gefunden habe, die Sicherheit und die soziale Anbindung, das war einmalig in der Welt.“ Fast 30 Jahre arbeitete Heil als Betriebsmaurer bei Volkswagen, kümmerte sich überall auf dem Gelände um Reparaturen, ehe ein Dienstunfall ihn zwang, etwas kürzerzutreten. Bis zum Ruhestand 1990 arbeitete Heil im Postbüro der BKK – und wandte sich anschließend vollumfänglich seiner großen Leidenshaft zu. „Mit dem Malen habe ich ganz bewusst erst nach dem Fußball losgelegt. Sonst hätte es noch geheißen „Sieh mal an, da kommt unser Picasso“, lacht der 79-Jährige, der seine vielfältigen Acryl- und Aquarellwerke regelmäßig in Ausstellungen präsentiert.

Der ehemalige VfL Wolfsburg Spieler Josef Heil.

Berechenbarer Speiseplan

In der Öffentlichkeit zu stehen, war Heil, überall nur „Joschi“ genannt, schon gewohnt: Lange Jahre trainierte er nach Ende seiner aktiven Laufbahn den Stadtkonkurrenten 1. FC. Im Wölfe-Trikot, das er von Sommer 1960 bis Ende 1962 trug, gefiel der Rechtsverteidiger durch Zweikampfstärke, Disziplin und vor allem hohe Passgenauigkeit. „Ich war kein bisschen torgefährlich, aber meine Bälle kamen immer beim Mitspieler an.“ Trophäen zu gewinnen gab es in seinen rund 30 VfL-Partien keine, auch beim legendären Pele-Spiel am Elsterweg, das genau in diese Zeit fiel, war er wegen eines Disputs mit Reichert nicht dabei. Was er dafür erlebte, war ein kulinarisches Jubiläum. „Jeden Donnerstag, und zwar wirklich jeden, gab es in der VfL-Gaststätte Bouletten mit Mischgemüse. Als einmal die Bedienung wieder mit dem Tablett um die vollbesetzten Tische jonglierte, sprang mein Mitspieler Hans Legat auf und schrie durch den Saal: „Hurra, die tausendste Boulette!“    

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 14. Mai 2016.


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