Eine Porträtaufnahme von Dirk Greger, einem ehemaligen VfL Wolfsburg Spieler.
02.05.2021
Mein Werk. Mein Verein. Eine Geschichte.

Fünfkampf vor dem Training

Als Offensivtalent aus der Region hatte Dirk Geger beim VfL durchstarten sollen. Dann zog ihn im dümmsten Moment die Bundeswehr ein.

Eine Porträtaufnahme von Dirk Greger, einem ehemaligen VfL Wolfsburg Spieler.

Als er gerade seine Tasche packte, klingelte es an der Tür. „Bist du der Dirk? Ich will dich zum Training abholen.“ Seinen Chauffeur Manfred Wuttich hatte Dirk Geger bis dahin allenfalls aus der Ferne gekannt. Nun stand der VfL-Toptorjäger plötzlich unangekündigt im Hausflur, um den Neuen mit nach Wolfsburg zu nehmen. „Das war natürlich ein sanfter Einstieg für mich. Dass der Trainer mich gleich zum ersten Training extra von zu Hause abholen lässt, darüber habe ich mächtig gestaunt“, erinnert sich der 71-Jährige, der zum Trainingsauftakt 1966/1967 am Elsterweg vorstellig wurde. In diesem Moment aber war ihm schon klar, dass er sportlich einen schweren Stand haben dürfte.

Zwölfmal von Farka beobachtet

Schon der Zwei-Klassen-Sprung aus der Verbandsliga von Rot-Weiß Braunschweig zu den Grün-Weißen, zu dieser Zeit ein Regionalliga-Spitzenteam, schien ambitioniert. Doch Chefcoach Imre Farkaszinski hielt große Stücke auf Geger. „Er hatte mich in acht Auswärtsspielen und vier Heimspielen beobachtet, wie er mir später mal erzählte. Weil er darauf Wert legte, dass man sich nicht nur vor heimischem Publikum behaupten kann.“ Mit dem schärferen Training kam der Braunschweiger sogar noch gut klar, doch drillte ihn in dieser Phase nicht nur der Ungar. „Kurz vor meinem Start beim VfL erhielt ich überraschend meinen Einberufungsbescheid. Günther Brockmeyer versuchte noch, mich zurückstellen zu lassen. Aber leider vergebens.“
 

Eine Spielszene mit Dirk Greger.

Erster Einwechselkandidat

Wieder begann eine Zeit des Pendelns, diesmal im Gespann mit Fredi Rotermund, der ebenfalls in Braunschweig stationiert war. „Das war eine riesige Hilfe, zumal ich kein eigenes Auto hatte.“ Speziell die vorherige Grundausbildung in Wolfenbüttel setzte Geger erwartungsgemäß zu. „Ich habe oft gefehlt oder kam abgehetzt und erschöpft am Elsterweg an. Einmal haben wir beim Bund einen Fünfkampf absolviert mit 5.000-Meter-Lauf, Weitsprung und allem Drum und Dran. Direkt danach ging es nach Wolfsburg zum Training.“ Sich für die Startelf zu empfehlen, zumal die erste Garnitur bärenstark aufspielte in dieser Saison, fiel dem gelernten Mittelstürmer schwer. Sieben Einsätze als Rechtsaußen kamen trotzdem zusammen, beim 1:0-Sieg in Bergedorf gelang ihm gar das Goldene Tor. Die übrige Zeit aber verbrachte er auf der Tribüne. „Auswechseln durfte man ja noch nicht. Deshalb fuhren als Not-Reserve für mögliche Verletzungen vor Anpfiff immer ein Torwart, ein Abwehrspieler und ein Offensiver mit zu den Spielen. Der Offensive war meistens ich.“     

Lehrer der Meister

Nach der Saison zog es Geger zurück zu Rot-Weiß sowie ein Jahr später zum 1. FC Wolfsburg, was sich beides besser mit seiner Arbeit vertrug. Im Werk arbeitete er nach Ende seiner 1960 startenden Lehre in der Dreherei lange in Früh- und Spätschicht. Die innerbetriebliche Meisterschule ermöglichte ihm 1972 den Wechsel in die Standardabteilung und dort in den Bereich Arbeitsstudien. Als Volkswagen Ende der Dekade dein neues Verfahren namens Methodenzeitmessung einführte, kniete sich Geger so tief in die Materie, dass er bald Meister und Unterabteilungsleiter darin schulte. Nach 43 Jahren im Haus verabschiedete er sich zufrieden 2003 in den Vorruhestand. „Meine Zeit bei Volkswagen ist optimal verlaufen. Mit dem Fußball kürzerzutreten, hatte sich vollauf gelohnt.“

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 9. September 2017.


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