Wilfried Ahnefeld während eines Zweikampfes.
02.05.2018
Mein Werk. Mein Verein. Eine Geschichte.

Nach Frühstück bei Muttern war der Vertrag perfekt

In siebter Generation bewirtschaftet Wilfried Ahnefeld heute einen Familienbetrieb. Als VfL-Spieler waren die VW-Fahrstühle sein Arbeitsgebiet.

Wilfried Ahnefeld während eines Zweikampfes.

Das Ritual war jedesmal gleich: Wenn es um Vertragsverhandlungen ging, dann baute Wilfried Ahnefeld voll auf seine Mutter. „Trainer und Manager sind zu uns raus auf den Hof gekommen. Und dann hat sie uns an diesem Tisch ein herrliches Frühstück serviert. So war es mit dem VfB Oldenburg, mit Hannover 96 und auch mit dem VfL.“ Für Imre Farkaszinski und Günther Brockmeyer sollte sich der Ausflug nach Niedernwöhren lohnen. Und das obwohl der Wechsel nach Wolfsburg 1971 von einem Missverständnis begleitet war. „‚Farka‘ hatte gedacht, dass ich eher ein Linksaußen wäre und musste das schnell überdenken. Auf rechts hat es dann aber umso besser geklappt.“  

Zu den Grün-Weißen stieß Ahnefeld als namhafter Spieler. Im 96-Trikot hatte er schon Einsätze in der Bundesliga sowie auch im Messepokal, einem Vorläufer-Wettbewerb des UEFA-Cups, verbucht. Am VfL-Paradeangriff Wilfried Kemmer und Wolfgang Wallek kam der gelernte Mittelstürmer trotzdem zwar nicht vorbei. Dafür zeigte er seine Schnelligkeit und Schussgewalt entweder auf dem Flügel. Oder er spielte mit Spezialauftrag. „Wenn ich eines gut konnte, dann laufen. Deshalb habe ich häufig den Spielmacher kaltgestellt. Einmal stand in der Zeitung: ‚Ahnefeld wie ein Käfer: Er läuft und läuft und läuft…‘“ Sternstunden, das waren Heimspiele gegen Braunschweig, eine Mexiko-Reise mit dem gesamten Team, als die Bullis mit Gießkannen getankt werden mussten. „Oder auch jede einzelne Spielersitzung mit ‚Farka‘. Er hat jedem von uns Spiel und Gegner bis ins letzte Detail erklärt“, schwärmt Ahnefeld, der während seiner vier VfL-Jahre im Hauptberuf bei Volkswagen arbeitete.

Als gelernter Maschinenschlosser kam er 1971 ins Werk und war in der Betriebsschlosserei zuständig für die Instandhaltung von Fahrstühlen. „Personen-, Lasten- oder auch Speiseaufzüge – das waren auf dem gesamten Gelände wesentlich mehr als man denkt. Die Wartung der Speiseaufzüge hat man natürlich gern in die Mittagszeit gelegt“, grinst Ahnefeld. Stahlseile aufziehen, in den Bürogängen ausrollen sowie alle denkbaren Reparaturen. Der Alltag des heute 67-Jährigen, der in seinem letzten Jahr in die FE wechselte und sich dort in einem Zweierteam um gut zwei Dutzend Aufzüge kümmerte, war häufig körperlich hart. Trotzdem hat er ihm Freude gemacht. „Die Arbeit war recht speziell und dadurch sehr interessant. Ich habe eine Menge mitnehmen können.“

Rund 100 Partien bestritt Ahnefeld für die Wölfe, ehe er Mitte der Siebziger wie von langer Hand geplant in die Heimat zurückging. Dort führt er heute ein spannendes Leben. In siebter Familien-Generation bewirtschaftet er den elterlichen Bauernhof, zehn Hektar groß, der seit 1811 existiert. „Eier-Willi“ wurde Ahnefeld deshalb schon als Spieler genannt. Durchaus liebevoll gemeint, da er seine Kameraden häufig mit Naturalien versorgte. Mitunter ging aber auch etwas schief. „Einmal hatte ich mehrere Paletten Eier für Peter Sert dabei, als ich im Rückspiegel ‚Farka‘ in seinem Käfer sah. Aus Spaß hab ich extra Gas gegeben. Es war aber gar nicht der Trainer, sondern in zivil die Polizei“, lacht Wilfried Ahnefeld. „Als ich angehalten wurde, hab ich die Eier ausgeladen. Und am Ende aus lauter Ärger über meine Strafe versehentlich die Paletten auch noch überfahren.“

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 31. Januar 2016.

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