01.05.2020
Geschichte

Imres Peperoni

Beim VfL erlebte Wolfgang Simon eine heitere Zeit. Für Volkswagen war er lange im Ausland.

Wenn Wolfgang Simon nach Auswärtsspielen wieder nach Hause kam, dann konnte er schon mal in Erklärungsnot sein. Besonders wenn er mit Ingo Eismann gefahren war. „Auf den Rückfahrten in unseren VW-Bullis ist es oft sehr lustig zugegangen. Einmal kam ich fast ohne Klamotten in Wolfsburg an, weil Ingo sie nach und nach aus dem Fenster geschleudert hatte“, schüttelt er lachend den Kopf. „Da stand ich vor meiner Frau doch etwas dumm da. Zum Glück hat sie den Ingo aber gekannt und alles entsprechend einordnen können.“

Eigenes Fußballteam zu Hause

Beim VfL spielte Simon vor allem in den 70er Jahren. MTV Gamsen, MTV Gifhorn und Eintracht Braunschweig hießen bis dahin seine Stationen, als er zur Saison 1968/1969 vorgestellt wurde. Obwohl er als Deutscher Meister aus der Bundesliga kam, war Simon über das Angebot der Grün-Weißen heilfroh. „Ich hätte auch nach Bochum oder Köln wechseln können, aber es war mir wichtig, in der Region zu bleiben. Außerdem war ich vorher fast ein dreiviertel Jahr verletzt gewesen, sogar eine Sportinvalidität war im Gespräch. Da war der VfL eine tolle Chance“, so der 66-Jährige. Simon, der aus einer Großfamilie mit zehn Geschwistern aus Gamsen stammte, ließ sich diese Chance nicht entgehen. Mal Motor im Mittelfeld, mal Vorstopper oder auch Aushilfslibero – der kopfballstarke Defensivmann war unter Imre Farkaszinski immer gesetzt. Als nach sechs Jahren in der Spitzengruppe der Regionalliga Nord dann die neue 2. Liga kam, hörte er mit kaum 28 Jahren auf. „An dieser Stelle habe ich mich für den Beruf entscheiden müssen.“

Tolle Berufsjahre in der goldenen Stadt

Auch diesmal traf er die richtige Wahl, denn bei Volkswagen startete Simon richtig durch. Als ausgelernter Kfz-Mechaniker hatte er schon ab 1966 im Braunschweiger Werk gearbeitet. Zeitgleich zum Start beim VfL folgte zwei Jahre später der Wechsel ins Mutterhaus. In der Qualitätssicherung fing Simon an, schob dann aber noch ein Maschinenbau-Studium ein und kehrte 1972 als Ingenieur wieder zurück. Für Simon, bald darauf Unterabteilungsleiter, begann eine spannende Zeit. Er wechselte in die Produktion und wurde zuständig für die Nachreparatur. Besonders prägend sollten seine letzten elf Berufsjahre sein, die er von 1994 an als Chef einer 400-Mitarbeiter-Abteilung bei Skoda im tschechischen Mlada Boleslav verbrachte. „Mit der Familie in Prag zu leben, war eine wunderschöne Zeit – beruflich wie privat“, schwärmt er.

Scharfes Ritual im Restaurant

Für die Jahre im VfL-Trikot gilt genau das gleiche. Wolfgang Simon spielte an der Seite von Kalibern wie Dieter Thun, Wölfi Krause oder Wilfried Kemmer in einem Spitzenteam der Regionalliga Nord. Noch lebhaft vor Augen hat er ein Tor, das er aus 20 Metern im Heimspiel gegen Göttingen erzielte. „Das allein war schon selten, und dann noch mit meinem schwachen rechten Fuß!“ Ein eher schwieriger Moment war dagegen der Tag seines Einstands. „Unter Farkaszinski war es Sitte, dass alle neuen Spieler in ein ungarisches Restaurant zitiert wurden. Dort bekam man einen Teller mit Peperoni vorgesetzt, die man unter dem Gejohle der anderen verdrücken musste“, erinnert er sich und verzieht noch heute bei dem Gedanken sein Gesicht. „Diese Dinger waren so unglaublich scharf, mit den Nachwirkungen hatte man noch mehrere Tage zu kämpfen.“
 
Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 15. März 2013.

>> mehr aus der Rubrik „Mein Werk. Mein Verein. Eine Geschichte.“

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