Ein historisches Foto von VfL Wolfsburg Spieler Dittmar Schönbeck.
21.02.2021
Mein Werk. Mein Verein. Eine Geschichte.

Vorstopper im Feinmessbau

Den Start der 2. Liga erlebte Dittmar Schönbeck im VfL-Trikot. Daneben arbeitete er im Werk.

Ein historisches Foto von VfL Wolfsburg Spieler Dittmar Schönbeck.

Wenn nur jeder so gut mitgezählt hätte: Jedes einzelne Spiel für den VfL Wolfsburg hat Dittmar Schönbeck penibel protokolliert. Für die Frage nach seiner Einsatzzahl genügt deshalb ein kurzer Blick in sein Buch. „Genau 199 Einsätze sind es gewesen – Liga-, Pokal- und Freundschaftsspiele zusammen. Für eine rundere Zahl hat es leider nicht mehr gereicht.“ In seinen vier Jahren im Trikot der Wölfe, das hätte er auch so gewusst, zählte Schönbeck also meistens zum Stamm. Es waren erfolgreiche Jahre jener Elf, die es als Spitzenteam der Regionalliga Nord schon 1970 fast in die  Bundesliga geschafft hatte. Ein Jahr später kam der gebürtige Niedernwöhrener dazu und hatte fortan „eine herrliche Zeit in einer tollen Truppe, von der ich keinen Tag je missen möchte.“

Schuhe auf dem Balkon geputzt

Die frühen 70er Jahre, das war beim VfL die Ära des Imre Farkaszinski. Dieter Grünsch im Tor, als Libero Toni Matz zwischen den Manndeckern Siegfried Otte und Ingo Eismann, so sah die Standard-Verteidigung aus. Dazu zählte auch Vorstopper Schönbeck. „Für sein Spiel wollte ‚Farka‘ jemanden, der mit dem Ball umgehen kann und keinen reinen Zerstörer. Das kam mir entgegen.“ ‚Didi‘, wie er im Team genannt wurde, war kopfballstark und in der Spieleröffnung versiert. Erneut in die Bundesliga-Aufstiegsrunde schaffte es der Rechtsfuß mit den Wölfen zwar nicht. Was er dafür mitnahm, war die spannende Erfahrung der neuen zweiten Liga, 1974 mit dem VfL als Gründungsmitglied eingeführt. Gegner aus ganz Deutschland also statt nur mehr aus der Region. „Plötzlich in Dortmund oder Bielefeld zu spielen, das hat schon Spaß gemacht. Komfortabler wurden die Bedingungen dadurch aber nicht“, lacht Schönbeck. „Wir haben immer noch im Winter auf Asche trainiert. Und meine Schuhe habe weiterhin selbst auf dem Balkon putzen müssen.“

Der ehemalige VfL Spieler Dittmar Schoenbeck.

Generation Golf

Profifußballer zu werden, das passte mit Schönbecks Berufsvorstellungen ohnehin nicht überein. „Ich hatte immer im Hinterkopf, irgendwann zurück in die Heimat zu gehen. So kam es dann auch. Bis dahin hatte ich aber bei Volkswagen eine interessante und lehrreiche Zeit.“ Im Werk Hannover begann er 1965 schon vor seiner VfL-Zeit eine Lehre zum Werkzeugmacher, fing direkt danach im Schablonenbau an. 1971 folgte der Wechsel ins Mutterhaus. Im Feinmessbau prüfte er, unterbrochen von einer Weiterbildung zum Kunststofftechniker, angelieferte Fahrzeugteile, vor allem die des Golf 1. Einschneidend dann das Jahr 1975: Abstieg aus Liga zwei, gleichzeitig Kurzarbeit im Werk. Das Angebot eines Aufhebungsvertrages nahm Schönbeck an und orientierte sich um. Bis zur Rente arbeitete er als Bauleiter im Tief- und Straßenbau.  

Vormals sicher am Punkt

Arminia Hannover, Hannover 96, VfB Oldenburg hießen vor seinem Wechsel zu den Wölfen die Stationen. Was der heute 67-Jährige mitbrachte, war die Empfehlung eines vermeintlich sicheren Elfmeterschützen. „Sechs von sechs war in Oldenburg meine Quote gewesen. Als ich im ersten Testspiel auf dem Dorf an den Punkt trat, habe ich den Ball aber gleich schön an den Pfosten gesetzt“, lacht Schönbeck. Ob er anschließend je wieder einen Strafstoß übernahm, weiß er nicht so genau. Die mögliche Antwort gibt das Notizbuch: Ein Treffer im VfL-Trikot ist dort nirgends erwähnt. 

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 12. Dezember 2015.


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