Mannschaftsfoto des VfL-Teams aus den 80er-Jahren mit Georg Klitzke und allen Unterschriften.
30.01.2020
Geschichte

Gala zum Abschied

Sein bestes Spiel im VfL-Trikot hob sich Georg Klitzke bis zum Schluss auf. Heute betreibt er in Bremen ein Hotel.

Mannschaftsfoto des VfL-Teams aus den 80er-Jahren mit Georg Klitzke und allen Unterschriften.

Mit einer Bemerkung im Flachs hatte er sich aus Versehen ins Spiel gebracht. „Ihr habt es gut: immer nachmittags freimachen und dann in Ruhe zum Training fahren“, hatte Georg Klitzke gegenüber Peter Ament einmal bemerkt. Nicht ahnend, dass sein Mitspieler in der Niedersachsenauswahl nach der Kabinenplauderei direkt seinen Trainer einschalten würde. „Plötzlich meldete sich Wilfried Kemmer bei mir und hat mich schnell überzeugt, nach Wolfsburg zu kommen“, berichtet Klitzke, der als Neuzugang des Oberliga-Spitzenteams im Sommer 1980 am Elsterweg vorgestellt wurde.

Arbeit und Fußball gut abgestimmt

Die Eintrittskarte ins Werk war wie erhofft inklusive: Als Sachbearbeiter in der Lohnbuchhaltung fing der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann gleich nach seiner Ankunft bei Volkswagen an. Im Alltag berechnete er die Löhne der Angestellten oder stellte beispielsweise Bescheinigungen für Mehrarbeit aus. In seinem Team von etwa zwölf Kollegen war sein Arbeitsvolumen so abgestimmt, dass es sich mit dem Fußball vertrug. „Das hieß, dass ich weniger Konten zu bearbeiten hatte, damit ich rechtzeitig auf den Platz kommen konnte. Wenn wir nachmittags trainiert haben, dann hatte ich um 14 Uhr Feierabend“, erinnert sich der 60-Jährige. „Diese Kombination wusste ich zu schätzen. Deshalb ist es mir auch schwergefallen, nach einem Jahr bei Volkswagen wieder zu kündigen.“  

Lieber Wechsel als Heirat

Sportlich lief es für Klitzke, der aus dem Emsland stammt und zuvor bei den Werder-Amateuren und Atlas Delmenhorst gespielt hatte, gar nicht mal schlecht. Kemmer setzte den ausdauerstarken Techniker fast dauerhaft ein. Auf einer Achse mit Lockvogel Ament sowie Manni Mattes zog er im Mittelfeld die Fäden, während vorne Siggi Reich und Klaus-Dieter Schäfer (zusammen 51 Treffer in dieser Saison) Tore am Fließband produzierten. „Dass wir trotzdem nur Sechster wurden, war enttäuschend. Um aufzusteigen hatten wir aber zu viele Verletzte“, blickt Klitzke zurück. Dass er in der folgenden Spielzeit wieder für Atlas auflief, hatte aber noch einen anderen Grund. „Die Wohnung für meine Freundin und mich war viel zu klein. Um eine größere zu bekommen, hätten wir heiraten müssen, so lief das damals noch. Weil wir das nicht wollten, sind wir wieder nach Bremen gezogen.“

Georg Klitzke lächelnd in seinem Hotel in Bremen.

Jeden Tag Waldlauf

Eine Liga höher hätte sich Klitzke, nicht verwandt mit VfL-Legende Hans Klitzke übrigens, gern ausprobiert. „Allerdings wollte ich lieber ein guter Amateurspieler sein als ein schlechter Zweitligaspieler. Mit meiner Fußballkarriere bin ich deshalb völlig zufrieden.“ Was er aus seiner VfL-Zeit mitgenommen hat, das sind lebhafte Erinnerungen an die Einheiten unter Kemmer, der in der Sommervorbereitung täglich vor dem Frühstück zum Waldlauf bat. „Er war der härteste Trainer, den ich je hatte.“ Außerdem gelang Klitzke, der seit zehn Jahren mit seiner Frau in Bremen ein Hotel betreibt, ein stilvoller Abgang. Denn in seinem letzten Einsatz am Elsterweg, einem Pokalspiel gegen den SV Meppen, sind ihm seine einzigen beiden Tore gelungen. „Beim Gang in den Tunnel rief mir ein VfL-Fan noch zu, dass ich bitte nicht gehen solle. Mich so verabschieden zu können, war ein Traum.“ 

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 19. September 2017.

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