MI .  4.  APR . 2018
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Volley in den Knick

Nur für eine Saison konnten die Grün-Weißen Hermann-Dieter Bellut am Elsterweg halten. Dann zog er weiter in die Bundesliga.

Schalke, der HSV oder Eintracht Frankfurt – am Ende konnte er sich fast aussuchen, wo er seine aktive Laufbahn fortsetzen wollte. „In diesem Jahr ist es ganz gut gelaufen bei mir. Ich hätte auch bleiben wollen, aber die höchste Spielklasse hat mich schon sehr gereizt“, sagt Hermann-Dieter Bellut. So blieb sein Gastspiel beim VfL Wolfsburg nur ein einjähriges. Nach der Saison 1966/1967, in der er 32 Pflichtspiele im Trikot der Wölfe bestritt, entschied er sich für die Hessen und behielt dort bis heute seinen Lebensmittelpunkt. Letztlich wurde ein gestandener Bundesligaspieler aus ihm.

Ohnehin kam Bellut als Fußballer ordentlich rum. Geboren in Dortmund, wurde sein erster Klub der VfB 05 Köln. Aus dem Rheinland ging er ins Emsland, spielte dort für den TuS Lingen, den SV Biene-Holthausen und den SV Meppen, wo VfL-Coach Imre Farkaszinski auf ihn aufmerksam wurde. Als einer von drei Neuzugängen neben Dirk Geger und Fredi Rotermund stieß Bellut im Sommer 1966 zum Team. „Meppen hatte eine Liga tiefer gespielt, trotzdem kam ich sehr gut zurecht.“ Im Gespann mit Dieter Thun, dem er den Rücken freihielt, zog Bellut in der Zentrale die Fäden. Was er fußballerisch mitbrachte, war eine damals seltene Kombination. Mit seinen gleichstarken Füßen konnte er viel mit dem Spielgerät anfangen, stand zugleich aber auch gegen den Ball für große Qualität. „Ich habe nicht so schnell zurückgezogen“, lacht der 74-Jährige, der heute in Rüsselsheim lebt und mit Respekt über seine Zeit am Elsterweg spricht. „Höchste Anerkennung vor dem, was Farkaszinski damals geleistet hat.“

Den größten Teil seines Lebensunterhalts verdiente Bellut während seiner zwölf VfL-Monate bei Volkswagen. Als kaufmännischer Angestellter befasste er sich im Alltag mit häufig großen, vor allem aber sehr vielen Zahlen. So war es eine seiner Aufgaben, die Produktionszahlen aller Volkswagen Werke zusammenzufassen und aufzulisten, um sie täglich der Direktion vorzulegen. „Da kamen jeden Tag 15 bis 20 Meter Additionsrollen zusammen. Das war ein richtiger Fulltimejob, abends war ich manchmal ziemlich gerädert.“ Ursprünglich hatte Bellut Dreher gelernt und auch schon in anderen Berufen gearbeitet. Das neue Arbeitsumfeld, das er beim Autobauer kennenlernte, beeindruckte ihn. „Das Werk war für damalige Verhältnisse schon hochmodern“, erinnert er sich.
In der Regionalliga reichte es mit den Wölfen am Ende zu Platz vier, was nicht genug war, um Bellut ein Bleiben schmackhaft zu machen. „Ich habe mich wirklich sehr wohlgefühlt, aber ich wollte damals unbedingt etwas von der Welt sehen. Und da Frankfurt gerade international spielte, habe ich nicht lange überlegt.“ Wie seine zwei VfL-Tore der Spielzeit 66/67 fielen, das bekommt er nicht mehr zusammen. Einen anderen Treffer für die Grün-Weißen zählt er aber zu den schönsten, die ihm jemals gelangen. „Das war ein Testspiel in der Vorbereitung: Dieter Thun hob den Ball über die Mauer, an der ich schnell vorbeilief, um ihn dann volley in den Winkel zu hauen. Diesen Freistoßtrick hatte Farkaszinski mit uns eingeübt. In der Liga hat er dann aber kein einziges Mal funktioniert.“

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 18. November 2017.

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