14.12.2020
Geschichte

Handschlag durch den Kasernenzaun

Mit dem VfL spielte Fredi Rotermund im größten Stadion der Welt. Bei Volkswagen kümmerte er sich gewissenhaft auch um die kleinste Abrechnung.

„Legendär waren die Fahrten nach Saisonende“, erinnert sich Fredi Rotermund. Meist kurz nach dem letzten Punktspiel ging es für die VfL-Spieler in den 60er und 70er Jahren auf große Fahrt. „Anfangs waren meist unterklassige Teams die Gegner. Später trafen wir aber auch auf den Karlsruher SC und den SC Freiburg.“ Hunderte Kilometer durch ganz Deutschland – und das alles in zwei kleinen Bussen, bereitgestellt von Volkswagen.

International unterwegs

Der Höhepunkt kam 1974. Über den Autobauer wurde eine Reise nach Mexiko organisiert. Dort durften die VfL-Kicker die ganz große Fußballluft schnuppern. Gespielt wurde in den WM-Stadien von Guadalajara, Puebla und sogar in der größten Fußballarena der Welt: dem Aztekenstadion in Mexiko-Stadt. Einheimische Mannschaften und eine Werksauswahl aus Puebla waren die Gegner. Mit der Reise nach Mexiko begann zugleich ein weiteres Abenteuer, denn im selben Jahr wurde in Deutschland die neue zweigleisige zweite Liga gegründet. Der VfL Wolfsburg hatte sich qualifiziert, und auch Routinier Fredi Rotermund wurde mit seinen Fähigkeiten gebraucht. Markenzeichen des heute 68-Jährigen waren sein ausgeprägter Hang zum Dribbling und die heruntergelassenen Stutzen.

Kein Vertrag ohne den Vater

Auf Torejagd für die „Wölfe“ ging der Linksaußen ab 1966. Als ambitionierte Nachwuchskraft vom VfB Peine geholt, gehörte Rotermund unter Trainer Imre Farkaszinski vom ersten Spiel an zum Stammpersonal. Seinen ersten Vertrag durfte der damals 20-Jährige jedoch nicht selbst unterzeichnen. „Ich war zu jung, also musste mein Vater unterschreiben.“ Selbst die Abmachung über den Wechsel war alles andere als gewöhnlich. „Ich war damals bei der Bundeswehr. Imre wollte mich in der Kaserne besuchen, durfte als Ungar aber nicht auf das Gelände.“ So besiegelten die beiden Männer den Wechsel per Handschlag durch den Zaun. In den folgenden Jahren hatte Rotermund entscheidenden Anteil am Höhenflug des VfL in der Regionalliga Nord bis hin zum Aufstieg in die zweite Liga.

Im Hauptberuf am Schreibtisch

Nach dem Ende seiner Bundeswehrzeit wechselte er nahtlos zu Volkswagen. „Ich wurde von den Kollegen sehr gut aufgenommen. Obwohl ich manchmal für den Fußball freigestellt wurde, gab es nie Neid. Viele waren, denke ich, stolz darauf, dass einer der VfL-Fußballer in ihrer Abteilung arbeitete.“ Ab 1967 war der gelernte Industriekaufmann in der Lohnbuchhaltung von Volkswagen tätig, die 1984 in Lohn- und Gehaltsabrechnung umbenannt wurde. „Wir waren für alle Mitarbeiter zuständig und haben den Prozess zusammen mit der EDV gesteuert“, erinnert sich Rotermund. 2003 stieg der gebürtige Peiner zum Unterabteilungsleiter auf und führte ein kleines Team, das sich mit der Zeit-und Entgeltabrechnung beschäftigte. Bis 2007 blieb er im Werk und genoss danach die Altersteilzeit. Sein Fazit nach rund vier Jahrzehnten bei Volkswagen fällt rundum positiv aus: „Ich habe all die Jahre sehr gern für Volkswagen gearbeitet. Das Arbeitsklima war immer hervorragend.“

Der ehmalige VfL-Spieler Fredi Rotermund.

Immer grün-weiß geblieben

Das gute Klima war für Rotermund auch ein Grund dafür, warum der VfL in seiner Zeit so erfolgreich spielte. „Damals hat nahezu alles gestimmt. Wir hatten ein gutes Umfeld und vielSpaß mit der Truppe. Nur so kann man die optimale Leistung herausholen.“ Bis 1976 spielte Rotermund für die Wölfe, doch nach mehreren Kreuzband- und Meniskusoperationen war das Karriereende vorprogrammiert. Am Ende standen trotzdem mehr als 250 Spiele und 47 Tore für den trickreichen Offensivmann zu Buche, für den das Kapitel VfL damit aber längst nicht abgeschlossen war. So trainierte er Anfang der 80er Jahre die VfL-Zweite. Und heute ist er regelmäßiger Besucher der Partien der Bundesliga-Profis und der A- und B-Junioren.

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 14. Dezember 2014.


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