06.12.2017
Mein Werk. Mein Verein. Eine Geschichte.

Extra-Drill im Wald

Bei seinen Trainern hatte Jürgen Mosert keinen einfachen Stand. Im VfL-Team der späten 80er Jahre fand der Offensivspieler trotzdem seinen Platz.

Die Anfangszeit war am schlimmsten. Jürgen Mosert verzieht noch immer das Gesicht, wenn er an das Fitnessprogramm von Co-Trainer Achim Trienke denkt. „Der kam aus der Leichtathletik und hat uns Übungen machen lassen, von denen ich drei Tage lang Muskelkater hatte.“ Dass der VfL Wolfsburg unbedingt aufsteigen wollte, spürte Mosert auch sonst. Im prominent besetzten Wölfe-Team, das 1988 trotz überragender Saison die Zweitligarückkehr wieder nicht schaffte, wusste er sich zu behaupten. Obwohl ihm ein Ruf vorauseilte, gegen den er zeitweise schwer zu kämpfen hatte.

„Von Anfang an hieß es, ich hätte Übergewicht“, erinnert sich Mosert. In seinem Jugendverein TSV Friesen Hänigsen hatte er zuletzt eine Klasse tiefer als der VfL Wolfsburg gespielt – und dort jedes Jahr mehr als 20 Tore erzielt. Ihn für die Anforderungen der Oberliga zu trimmen, wo der VfL obendrein zu den Besten gehörte, hatte sich Coach Wölfi Krause offenbar zur Aufgabe gemacht. „In der Vorbereitung gab es Steigerungsläufe im Wald. Da wollten sie mich besonders rannehmen und haben mich nacheinander gegen Jörg Kretzschmar, Uwe Beese und Guido Gehrmann gestellt – unsere zähesten und ausdauerstärksten Typen“, lächelt Mosert. „Offen gestanden war ich wirklich etwas füllig, aber ich hatte auch den Willen und konnte alle Läufe gewinnen. Danach haben sie mich in Ruhe gelassen.“

Besonderer Biss war angesichts der Konkurrenzsituation auch nötig. Frank Plagge, Olaf Ansorge, Michael Geiger, Holger Fiebich – allein das Offensivpotenzial der Grün-Weißen suchte ligaweit seinesgleichen. Mosert, ein klassischer Zehner mit großen Vollstreckerqualitäten, steuerte zur 100-Tore-Saison 1987/1988 elf Treffer bei. Als nach dem Scheitern in der Aufstiegsrunde Horst Hrubesch übernahm, drehte er noch weiter auf, holte sich beinahe gar die Oberliga-Torjägerkrone. Trotz 33 Toren in71 Einsätzen kehrte der gebürtige Celler aber dann zu Friesen Hänigsen zurück. „Unter dem immer größeren Aufstiegsdruck hat es mir nicht mehr gefallen. Trotzdem war dieses Leben als Halbprofi mit dem Fußball auf hohem Niveau und dem Beruf als Absicherung eine tolle Erfahrung. Schon deshalb hatte sich der Schritt nach Wolfsburg gelohnt.“ 

Bei Volkswagen fing Mosert 1987 in der Finanzabteilung, genauer gesagt in der Hauptkasse an. Wenn Werksangehörige ihre Fahrzeuge abholten, prüfte der gelernte Sparkassen-Kaufmann die Bezahlung und erteilte die Freigabe. „Zur Wendezeit war das eine spannende Aufgabe, weil diese kaum gefahrenen Autos plötzlich gewaltig nachgefragt wurden.“ Mit ihrer Eröffnung zog Mosert in die Autostadt um, kümmerte sich mit Abnehmen des Bargeldflusses verstärkt um Abrechnungen von Scheck- und EC-Karten, auch Debitorenaufgaben kamen hinzu. Für anderthalb Jahre machte der mittlerweile 58-Jährige ab 2005 noch in der Kreditorenabteilung Station, dann nahm er das Angebot einer Vertragsauflösung an. Seit 2014 ist Jürgen Mosert in Rente und lebt heute in Laatzen.

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 5. November 2017.

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