20.06.2021
Geschichte

Hüpfen und singen

Seit 40 Jahren arbeitet Messtechniker Friedhelm Goertner im Werk. Aus seiner Zeit als VfL-Spieler berichtet er von ungewöhnlichen Trainingsmethoden.

Luftduell beim Nachbarn: Friedhelm Goertner (Mitte) verliert mit dem VfL das Auswärtsspiel der Oberliga Nord beim MTV Gifhorn am 1. März 1984 mit 2:3. Hinten zu sehen ist noch Matthias Fiebich, links am Rand Richard Perzak.

Von einem Einstand nach Maß würde man nicht gerade sprechen. „Der FC St. Pauli kam und kam nicht, weil er im Stau stand. Als es mit einer Dreiviertelstunde Verspätung dann losging“, erzählt Friedhelm Goertner, „sind die Spieler kurz aus dem Bus gesprungen und haben uns locker mit 5:2 plattgemacht.“ Auf diese Abreibung im ersten Heimspiel der Saison 1983/1984 hätte der Heiligendorfer, obwohl er gleich ins Tor traf, gern verzichtet. Seine erste von zwei Saisons im VfL-Trikot nahm – zumindest für ihn persönlich – trotzdem einen guten Verlauf. Einen besseren gar, als er es sich anfangs ausgemalt hatte.

Namhafte Konkurrenten im Wölfe-Team

Den Wechsel aus Salzgitter empfand er mit 23 Jahren als große Herausforderung. Dabei spielte auch Union in der Amateur-Oberliga Nord. „Der VfL hatte eine sehr gestandene Mannschaft. Gegen solche Haudegen wie Peter Ament, Rainer Prieß oder Siegfried Schanda musste ich mich erst mal beweisen. Deshalb war ich stolz, im ersten Spiel in der Startelf zu stehen.“ Von Goertner bekamen die Wölfe das, was sie sich von seiner Verpflichtung versprochen hatten. Im linken Mittelfeld kurbelte der Linksfuß die Offensive mit an, bewies ein gutes Auge für die Mitspieler und traf bei 31 Ligaeinsätzen acht Mal ins Netz. Goertners Pech allerdings: Als Ganzes funktionierte die Mannschaft weniger gut. „Der Aufstieg war das Ziel gewesen, stattdessen hingen wir im Keller“. Was folgte, war ein Aufbegehren gegen Trainer Wilfried Kemmer, dem bald sein alter Ziehvater Imre Farkaszinski ins Amt folgen sollte. „Auch unter ihm habe ich weiter gespielt, doch er blieb nur für den Rest der Saison.“

Hochzufrieden im Job

Beruflich stellte Goertner zu dieser Zeit seine Weichen. Seiner Lehre zum Maschinenschlosser setzte er einen Industriemeister drauf. In der Volkswagen Qualitätssicherung, wo er 1982 startete, arbeitet der 56-Jährige bis heute. Nur die Aufgaben haben sich verfeinert, wie er erklärt. „Anfangs haben wir noch mit Messschiebern und Höhenreißern gearbeitet, inzwischen werden die Teile nicht mehr angefasst, sondern gescannt.“ Die optische Messtechnik ist mittlerweile Goertners Schwerpunkt. In einem Team von 15 Kollegen betreut er sämtliche Kaufteile für alle in Wolfsburg produzierten Fahrzeug-Modelle. Dabei hat er Kontakt sowohl zur Materie als auch zum Kunden. „Es ist eine schöne Mischung aus Handwerk und Kaufmännischem. Genauso macht es mir Spaß“, schwärmt Goertner, der inklusive Lehre und Bundeswehrzeit seit stolzen 40 Jahren im Werk tätig ist.
 

Vor dem Training: Nagelkontrolle

Vergleichsweise schnell war demgegenüber seine VfL-Zeit vorbei. Unter Wölfi Krause, der im Sommer 1984 Farkaszinski beerbte, kam er seltener zum Zug, wechselte deshalb zu seinem Jugendklub TSV Heiligendorf zurück. Intensiver sind folglich die Erinnerungen an seine Einstiegssaison. Etwa an ein Testspiel gegen den HSV mit Felix Magath, Manfred Kaltz und Uli Stein. Oder an manche Einheit unter dem Ungarn, der seine Mannschaft im Training gern überraschte. „Es konnte passieren, dass man sich im Kreis aufstellen und hüpfen oder auch ein Lied singen musste“, lacht Goertner. „Einmal kam ‚Farka‘ auch in die Kabine und sagte: ‚Alle Mann Schuhe und Strümpfe ausziehen!‘ Tatsächlich ging er daraufhin durch die Reihen, um unsere Fußnägel zu inspizieren.“ 

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 19. November 2016.


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