11.05.2021
Geschichte

Fernduell mit Schatz­schneider

Ralph Speh schoss als VfL-Stürmer zeitweilig alles kurz und klein. Sein Einsatzort im Werk war das Produktmanagement.

Dafür wird Paul Kietzmann zu Hause vermutlich Ärger bekommen haben. Vielleicht sucht er den Rollkragenpullover noch heute. „Wenn es auf den Rückfahrten in unseren Bullis lustig wurde, dann flog schon mal ein Kleidungsstück durchs Schiebedach“, erinnert sich Ralph Speh und denkt speziell an den damals „schönen neuen Pulli“ des Trainers. Viel zu lachen hatten die Wölfe auf ihren Zweitligatouren 1976/1977 dabei eigentlich nicht, denn unter dem jungen Coach stiegen sie sofort wieder ab. Trotzdem ist es diese Zeit, an die sich Speh am liebsten erinnert. „Auch, wenn es nicht schön zu Ende ging: Dieses spannende Jahr ragt aus meiner Fußballkarriere ganz klar heraus.“

Erst Lehre, dann Wanderschaft

Speh war nicht nur ein klassisches grün-weißes Eigengewächs, sondern auch ein Riesentalent. Mit den A-Junioren der Wölfe wurde der gebürtige Lüneburger, der als Kleinkind mit seiner Familie nach Wolfsburg gekommen war, 1969 Norddeutscher Meister. „Aus unserer Mannschaft wurde allerdings niemand hochgezogen, alle kamen zunächst in die Zweite“, berichtet er. In der zu dieser Zeit bärenstarken ersten Vertretung, die unter Imre Farkaszinski 1970 fast die Bundesliga einzog, trainierte Speh häufiger mit bewies sich unter VfL-Größen wie Fredi Rotermund und Ingo Eismann. Richtig in Fahrt kam er jedoch erst nach einem Umweg über Leu Braunschweig und den TuS Celle. 1976 holte der besagte Kietzmann den Vollblutstürmer zurück, der nun gemeinsam mit Wolfgang Wallek und später Bernd Krumbein am Elsterweg auf Torejagd ging.

International im Einsatz

In der zweiten Liga hatten die Wölfe sich 1974 schon erfolglos versucht – und mussten auch diesmal gleich wieder runter. Erneut die Farben zu wechseln, stand für Speh aber nie zur Diskussion. „Der VfL war nicht nur meine sportliche Heimat, ich hatte auch sehr gute Arbeit im Werk.“ Im Bereich Finanz, Abteilung Technische Betriebswirtschaft, kümmerte sich der gelernte Modelltischler und studierte Kunststofftechniker ab 1977 um Designbewertungen und Kalkulationen, ehe er Mitte der 90er ins Projektmanagement wechselte. In der Projektleitung für die Fabrikate Beetle, Beetle Cabrio und Touran kümmerte sich der ehemalige Stürmer der Wölfe unter anderem um die Gestaltung von Vorstandsvorlagen. Zudem standen häufige Arbeitsreisen ins Ausland, vor allem in Mexiko, in seinem Dienstkalender. „Die Aufgabe war fordernd, aber unheimlich spannend, weil wir damals ganz neue Wege gegangen sind“, sagt Speh, der 1997 ins Konzernmanagement aufstieg und 2008 in den Vorruhestand ging.

Bester Torjäger Norddeutschlands

Mit Speh, der zeitweise gemeinsam mit Zwillingsbruder Jürgen am Elsterweg spielte, pendelte der VfL in den späten 70ern zwischen zweiter Liga und Amateur-Oberliga Nord. Speziell die Zeit im Unterhaus beschreibt er als eisenharte Schule. „Früher gab es noch Vorstopper, die gern Maß genommen haben“, erinnert sich der 65-Jährige, der trotzdem sehr zuverlässig knipste. Eine Bombensaison legte er in seinem vorletzten VfL-Jahr 1977/1978 hin: Mit 23 erfolgreichen Torabschlüssen in 27 Spielen ließ er sogar Dieter Schatzschneider, damals für den OSV Hannover aktiv, hinter sich. „Wir kannten uns gut aus der Niedersachsen-Auswahl und haben uns über Wochen ein heißes Duell aus der Ferne geliefert“, lacht Speh, der in seinen fünf Spielzeiten für den VfL bis 1981 noch auf 136 Einsätze sowie 39 Treffer kam. 1978 holte der Angreifer die Torjägerkrone der Amateur-Oberliga Nord an den Mittellandkanal.

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 28. Januar 2017.


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