08.08.2017
Fans

Vom Training verdrückt

Willi Marx betreute bei Volkswagen große Projekte. Türöffner war sein fußballerisches Talent.

Die Referenzen sprangen sofort ins Auge. SC Freiburg, Bayer Leverkusen, 1. FC Kaiserslautern: Als Willi Marx sich 1959 im Werk vorstellte, trug er ganz frech die Wappen seiner Ex-Klubs am Revers. „Da ist natürlich schnell das Gespräch auf den Fußball gekommen“, erinnert er sich. „Personalchef Hugo Dreyer war von meiner Vorgeschichte derart begeistert, dass er mich sofort zum VfL geschickt hat.“ Die vielen Umwege, die Marx bis hierhin genommen hatte, zahlten sich an dieser Stelle endlich aus. Denn bei allen Vereinswechseln war es ihm stets nur darum gegangen, sich eine berufliche Existenz aufzubauen. Der Schritt zu Volkswagen war nun sein Durchbruch.

In der Modelltischlerei arbeitete Marx zunächst in seinem erlernten Handwerk. Schnell aber wollte er höher hinaus. Zwischen Werkbank und Rasen büffelte er häufig in Fortbildungen, holte eine kaufmännische Ausbildung nach und ließ sich anschließend zum EDV-Fachmann schulen. „Um pünktlich in der Schule zu sein, haben Marian Foitzik und ich uns schon mal vom Training weggestohlen. Da gab es klare Prioritäten.“ Der Aufwand lohnte. Über die Lohnbuchhaltung wechselte Marx ins Rechenzentrum, dann für zwölf Jahre in die Systemanalyse Vertrieb, wo er die neu entstehende Verschiffung koordinierte. Weitere Großprojekte vertraute sein Arbeitgeber ihm mit der Gemeinkostenwertanalyse oder auch der Umsetzung des neuen Bundesdatenschutzgesetzes an. Spannende Aufgaben, denen der vierfache Familienvater sich mit vollem Einsatz widmete. Als er 1990 in den Ruhestand ging, lag hinter ihm eine erfüllte berufliche Laufbahn.

Willi Marx schaut sich alte Zeitungsauschnitte an.Im Fußball demgegenüber sah er niemals mehr als einen vergnüglichen Freizeitausgleich. „Ich liebte es, Sport zu treiben und brachte durchaus auch den nötigen Siegeswillen mit. Aber alles auf eine Karte setzen und Vertragsspieler werden, das habe ich niemals gewollt.“ Umso beachtlicher die sportliche Vita. Denn Marx, beschlagen mit großem Talent, spielte zeitweise mit Deutschlands Allerbesten zusammen. FC Homburg, 1. FC St. Wendel und SC Freiburg hießen bereits die Stationen, als der 1,87-Meter-Hüne 1955 – ein Jahr nach dem Wunder von Bern – zum 1. FC Kaiserslautern ging, dem Arbeitgeber von Stars wie Werner Liebrich, Horst Eckel und den Brüdern Fritz und Ottmar Walter. „Es war eine spannende Zeit, auch wenn ich nie recht zum Zug kam. Der ganze Drill aber war überhaupt nichts für mich. Das hat mich immer am Fußball gestört“, sagt Marx und schiebt lachend hinterher. „Eigenartig insofern, dass ich mit Imre Farkaszinski so gut ausgekommen bin.“

Der autoritäre Ungar war im Winter 1959, als Marx zum VfL-Kader stieß, bei den Wölfen am Ruder. „Sein langgezogenes ‚WILLIIIII‘ von der Seitenlinie habe ich noch immer ihm Ohr. Überhaupt habe ich mich sehr wohlgefühlt in dieser Mannschaft. Da stimmte alles.“ Die Grün-Weißen, die nach dem Ende der Oberliga-Ära ihre Ambitionen neu ausloteten, blieben trotzdem nicht die letzte Station. Anfang der 60er Jahre folgte der vielseitig einsetzbare Läufer seinem Coach zum Lokalrivalen 1. FC, um später als Trainer der zweiten Mannschaft zum VfL zurückzukehren. Dass der Fußball ihm half, seine Ziele zu verwirklichen, dafür ist Willi Marx dankbar. Ganz allein ausschlaggebend war sein Talent jedoch nicht. „Zwischen Lautern und Wolfsburg habe ich noch ein Jahr für Bayer Leverkusen gespielt dort auch meine Frau kennengelernt. “ Diese stammte nicht nur aus Wolfsburg, sie arbeitete zudem auch im Werk. „Streng genommen“, lächelt der 79-Jährige, „hat sie mich sogar eingestellt.“

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 30. Januar 2015.

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