Der ehemalige VfL Wolfsburg-Torwart Joachim Wawrzik läuft zum Ball.
05.04.2021
Geschichte

Im Tor oder dahinter

Ohne Jugendausbildung schaffte es Joachim Wawrzik beim VfL Wolfsburg nach oben. Seine Mitspieler versorgte er mit eigenen Fotos.

Der ehemalige VfL Wolfsburg-Torwart Joachim Wawrzik läuft zum Ball.

Ein anderer Werdegang hätte überrascht. Denn das erste, was er im Leben erblickte, war direkt ein Grün-Weißer: „Mein späterer Mannschaftsarzt Willi Wolf hat mich auf die Welt gebracht. Insofern war natürlich klar, dass ich beim VfL landen würde“, lacht Joachim Wawrzik. Auf diese Vorsehung schien er sich ein Stück weit zu verlassen. Denn der Wolfburger war bereits 16, als er aus einer Laune heraus das erste Mal zum Mannschaftstraining stieß. „Mein Vater hat mich einfach mal hingeschickt, bis dahin hatte ich nur auf der Straße gebolzt.“ Ein paar Jahre später stand Wawrzik am Elsterweg im Tor – im selben Strafraum, den er schon aus anderer Perspektive hervorragend kannte.

Mit der Kamera auf der Tartanbahn

Bereits als Kind nämlich war Wawrzik ein passionierter Fotograf. Vor allem der Fußball und hier speziell die Strafraum- und Torhüterszenen hatten es ihm angetan. „Zuerst bin ich mit der Kamera meines Vaters durchs Stadion geflitzt, das war damals noch möglich. Später hatte ich meine eigene Ausrüstung“, berichtet Wawrzik, der auch als Aktiver viel im Mannschaftskreis knipste und dort häufig begeisterte Abnehmer fand. Einige seiner Aufnahmen hängen heute in der VfL-FußballWelt.

Lohnende Volkswagen-Pause

Beides, der Fußball wie das Fotografieren, blieb reines Hobby. Beruflich beschritt Wawrzik seit seiner Lehre zum Werkzeugmacher, die er 1969 im Werk startete, andere Wege. Nach einem Jahr im Induktorenbau schied er 1975 bei Volkswagen aus, bildete sich extern zum Maschinenbautechniker weiter und kehrte drei Jahre später zum Autobauer zurück. Die Abteilung Technische Betriebswirtschaft, später in Finanzcontrolling Entwicklung umbenannt, wurde sein Zuhause. Als Baugruppencontroller steuerte Wawrzik Fahrzeugprojekte in ihrer Entwicklungsphase hinsichtlich ihrer Rendite. 2011 ging er in den Vorruhestand. „Die Weiterbildung hatte sich damit gelohnt“, so der 64-Jährige, der wohl auch seine Arbeit meint, wenn er bilanziert: „Ich bin immer ein extrem Spätberufener gewesen.“

Der ehemalige VfL Wolfsburg-Torwart Joachim Wawrzik steht im Tor.

Plötzlich im Kasten der Ersten

Denn auch als Fußballer ging es nicht immer geradeaus. Seinem ersten Training („auf Asche“), folgte zwar die überraschende Berufung zu den grün-weißen A-Junioren. Beim VfL pendelte Wawrzik danach, speziell in der fußballfeindlichen Bundeswehr-Zeit, aber meist zwischen der Zweiten und Dritten, weshalb er ab 1975 für vier Jahre zum 1. FC ging. Plötzlich klopfte dann Wilfried Kemmer an und wollte ihn zurück. „Das kam völlig unverhofft. Ich musste sogar erst überlegen, ob das mit dem Beruf noch in Einklang zu bringen war. Aber tatsächlich begann dann die schönste Zeit.“

Lieber auswärts als zu Hause

Mit 28 Jahren griff er noch einmal an, zunächst als Nummer zwei hinter Waldemar Josef, mit dem er sich blendend verstand. Als Josef den VfL dann verließ, hatte Wawrzik es tatsächlich geschafft, war erster Keeper bei seinem Herzensverein. „Das als gebürtiger Wolfsburger zu erleben, war schon etwas Besonderes“, sagt Wawrzik, der es in vier VfL-Saisons noch auf 33 Einsätze brachte. Seine Selbstkritik klingt erfrischend ehrlich. „Ich war gut auf der Linie, beim Herauslaufen weniger. Oft hatte ich auch ein Nervenproblem. Wenn es hektisch wurde und die eigenen Fans moserten, kam ich damit nicht gut zurecht. Deshalb habe ich tatsächlich lieber auswärts gespielt als am Elsterweg“, gesteht er. „Ich war insofern kein Großer, bin mit dem, was herauskam, aber vollauf zufrieden.“

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 17. Dezember 2016


Funktionen

Teilen

 
Einmal registrieren, Alles nutzen.

Registriere dich nur einmal und nutze alle VfL-Dienste, wie z.B. das VfL Tippspiel sowie den VfL-Online- und Ticket-Shop.

Registrierung
Noch keinen Account?
Jetzt registrieren