Wolfgang Wallek im Trikot des VfL Wolfsburg im Zweikampf mit einem Gegenspieler.
18.02.2020
Geschichte

Elektriker mit Torinstinkt

Acht Jahre stürmte Wolfgang Wallek für den VfL. Im Werk blieb er wesentlich länger.

Wolfgang Wallek im Trikot des VfL Wolfsburg im Zweikampf mit einem Gegenspieler.

Die 70er Jahre gelten gemeinhin als lockere Zeit. Fragt man VfL-Spieler von damals nach ihren Erlebnissen, dann klingt es manchmal anders. Auf dem Rasen führte Imre Farkaszinski ein hartes Regiment. Und wer tagsüber im Werk seine Brötchen verdiente, der bekam die sportliche Situation schon mal hautnah zu spüren: „Wie der VfL gespielt hatte, das war immer ein Thema. Wenn es schlecht lief, musste man sich von den Kollegen einiges anhören“, lacht Wolfgang Wallek. „Ich erinnere mich sehr gut an ein Erstrunden-Pokalaus. Da hat man sich dann gefreut, wenn man mal ein paar Tage krankmachen konnte.“ Der 62-Jährige war zwischen 1969 und 1977 Mittelstürmer bei den Grün-Weißen, stolze 108 Mal traf er ins Tor. Im Hauptberuf war Wallek wie die meisten seiner Mannschaftskollegen bei Volkswagen tätig. Beides unheimlich gern.

Malocher auch im Beruf

Eine Vorzugsbehandlung gab es für VfL-Spieler seinerzeit nicht. Und wenn, dann nur vorübergehend. „Als wir es in die zweite Liga schafften, wurde es zeitweise lockerer, da kam man freitags vielleicht mal etwas eher raus. Nach dem Abstieg hatte sich das aber schon wieder erledigt“, sagt er, ohne allerdings darüber zu klagen. Denn im Werk arbeiten zu können, darüber war Wallek unheimlich froh. Als 19-Jähriger war er aus Salzgitter gekommen. Mit den lockenden Aussichten, erstens beim VfL Fußball zu spielen und zweitens beruflich weiterzukommen. „Ich hatte auch andere Angebote, aber das hier hat einfach gepasst. Vorher hatte ich in der Stahlhütte gearbeitet, da war Volkswagen eine ganz andere Welt. Saubere Arbeit, das empfand ich schon als großes Glück, außerdem bot man mir Entwicklungschancen.“ In seinem erlernten Beruf als Starkstromelektriker fing Wallek an, ab 1973 wechselte er in den Kundendienst, genauer gesagt in die Gewährleistungsabteilung. Zu seinen Aufgaben zählte die Pflege des Bilanzkatalogs.

Der ehemalige VfL-Wolfsburg-Stürmer sitzt an einem Schreibtisch.

Vier Dekaden im Werk

Morgens zur Arbeit, abends zum Elsterweg – irgendwann war es damit vorbei. Seine Stelle bei Volkswagen aufzugeben, kam für Wallek allerdings nicht in Frage. Im Gegenteil: Ob und wo er weiter Fußball spielte, das knüpfte er an eine Bedingung. „Ich war hier längst sesshaft geworden, meine Arbeit wollte ich auf jeden Fall behalten. Deswegen bin ich zu Arminia Hannover gewechselt und noch einige Zeit gependelt.“ Weit über 40 Volkswagen Berufsjahre kamen schließlich zusammen, 2011 ging Wolfgang Wallek in Rente. Einen guten Namen hat er im Hause noch immer: „Meine Tochter arbeitet bei der AutoVision. Kürzlich hat sie einmal jemand gefragt, ob sie mit dem Wallek, der mal beim VfL gespielt hat, verwandt ist. Das hat mich wirklich gefreut.“

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 30. September 2012.

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