07.08.2019
Geschichte

Hitzeschlacht in Düsseldorf

Stammkeeper der Wölfe war Jörg Hoßbach fast nie. Trotzdem hat er beinahe 20 Jahre lang das Torwartspiel der Grün-Weißen geprägt.

Wer unter Eckhardt Krautzun gespielt hat, der hat viel zu erzählen. Für Jörg Hoßbachs Zeit beim VfL Wolfsburg ist eine Anekdote exemplarisch. „Bei seinem ersten Training fragte er mich, welche Rolle ich denn spiele. ‚Keine‘, sagte ich. ‚Ich bin hier die Nummer vier.‘ Ohne mich zu kennen, entgegnete Krautzun: ‚Am Sonntag sitzt du auf der Bank.‘“ Tribüne, Ersatz, dann wieder erster Mann: In seinen sieben aktiven VfL-Jahren pendelte Hoßbach häufig hin und her. Immerhin 78 Ligaspiele und zwei Aufstiege kamen trotzdem für den Keeper zusammen, der den Wölfen zudem auch nach Karriereschluss lange die Treue hielt. Noch bis 2008, als die erste Amtszeit Felix Magaths begann, arbeitete er als Torwarttrainer im Allerpark weiter.

Viele Spielklassen kennengelernt

Von der Amateur-Oberliga bis in die Bundesliga – dieses Kunststück gelang ansonsten nur Peter Kleeschätzky, der als einziger in allen drei Ligen für den VfL auf dem Platz stand. Nicht viel fehlte, und Hoßbach hätte es dem Abwehrrecken gleichgetan, denn in der Spielzeit 1997/1998 hielt er sich hinter Uwe Zimmermann und Holger Hiemann noch im Standby-Modus bereit. Ihren Anfang nahm seine lange VfL-Zeitreise 1990 unter Ernst Menzel. Etwas zu großspurig, wie er zugibt, fuhr er gleich mal im dicken Auto am VfL-Stadion vor. „Das hätte ich mir sparen können, den Ruf hatte ich erst mal weg“, lacht der 53-Jährige, der zuvor beim HSV unter Vertrag gestanden hatte und vormals für Eintracht Braunschweig drei Mal in der Bundesliga zum Einsatz gekommen war. Sportlich schien Wolfsburg also ein Rückschritt. Doch Hoßbach ging es auch darum, sich beruflich etwas aufzubauen. „Mit dem Profifußball hatte ich innerlich abgeschlossen, wichtiger war mir die Sicherheit im Beruflichen.“

Mehrfache Rückkehr ins Werk

In der Volkswagen Druckerei fing Hoßbach als Schriftsetzer an, um nach acht Jahren dann erneut vor der Entscheidung zu stehen: Fußball oder Beruf. „Das war schwierig, aber meinen Entschluss von damals bereue ich nicht. Mit der Zeit als VfL-Torwarttrainer verbinde ich viele tolle Momente“, so der gebürtige Braunschweiger, der 2009 ins Werk zurückkehrte. Er arbeitete zunächst im Vertrieb und ist heute in der Gastronomie tätig. Im Bestellwesen kümmert er sich um die Versorgung der Bistros, Küchen und Shops mit beispielsweise Süßwaren, Getränken oder Tiefkühlkost. Hoßbachs Meinung von seinem Arbeitgeber ist ausgesprochen hoch: „Volkswagen hat sich immer sehr sozial verhalten und mich unterstützt, zumal ich mich zwischenzeitlich noch zweimal für Torwarttrainerjobs in Saudi-Arabien habe freistellen lassen. Dass ich heute wieder hier arbeiten darf, darüber bin ich sehr froh.“  

Auch als zweiter Mann viel erlebt

Elf weitere Cheftrainer erlebte Hoßbach zwischen Menzel und Magath. Seine beste aktive Phase hatte er zu Beginn. Nach dem Zweitligaaufstieg kam er auf 14 Einstätze in der legendären Mammutsaison 1992/1993, die am 46. Spieltag (!) mit einem 2:1-Sieg nach Rückstand in Düsseldorf ein heldenhaftes Ende nahm. „Es war unfassbar heiß, gefühlt 40 Grad, und es ging um alles – ein sehr intensiver Moment. Wobei auch die beiden Aufstiege und genauso das Pokalfinale 1995 unvergessliche Erlebnisse waren.“ Dass „Hossi“ nicht öfter zum Zug kam, lag an teils schweren Verletzungen, speziell ein Bandscheibenvorfall 1991 warf ihn empfindlich zurück. Darüber hinaus erwies sich der Keeper nicht nur als zäh und geduldig, er blieb immer auch ehrlich zu sich selbst: „Mal war ich verletzt, mal fehlte das Vertrauen des Trainers oder ich hatte einfach Bessere vor mir. Im Grunde war ich nie konstant die Nummer eins. Trotzdem war es insgesamt eine fantastische Zeit.“

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 17. März 2018.
 

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