In der Jugend war er schon einmal fremdgegangen. Seit dem achten Lebensjahr spielte Waldemar Josef für die Grün-Weißen. Im ersten A-Junioren-Jahr aber brach er kurzzeitig aus, wechselte für eine Saison zum Lokalrivalen 1. FC. „Irgendetwas hatte uns geärgert, deswegen sind Siggi Reich und ich zur Konkurrenz gegangen“, erinnert er sich. Sowohl der Nachwuchskeeper als auch Reich kamen zurück, was nicht ihre einzige Gemeinsamkeit ist. Denn kurz nach der späteren VfL-Torfabrik gelang auch Josef bald der Sprung in den Profibereich. Als damit erst zweitem Spieler in der Klubhistorie.
Mit 19 Jahren Kapitän
Strenggenommen hatte Josef somit drei Amtszeiten beim VfL. Zu Beginn startete er regelrecht durch, landete viel schneller als gedacht im Tor der Ersten. „Es gab ein Auswärtsspiel bei Atlas Delmenhorst, Joachim Diehl und Frank Kloppstein waren verletzt. Da hat Imre Farkaszinski mir die Chance gegeben, und die habe ich anscheinend genutzt.“ Gerade 17 Jahre war Josef zu dieser Zeit alt. Doch die Maßnahme des alten Trainerfuchses wirkte. Mit seiner Ruhe und Zuverlässigkeit wurde „Waldi“ im Team hochgeschätzt, zwei Jahre später wählten ihn die Kollegen sogar zum Kapitän. Es war ein Riesentalent, das da beim VfL Wolfsburg heranwuchs. Und so dauerte es nicht lang, bis auch die Bundesliga auf den Mann aus Zellin in Oberschlesien aufmerksam wurde. „Es tat weh, den VfL zu verlassen. Meine sichere Arbeit bei Volkswagen musste ich aufgeben. Aber die Chance, Profi zu werden, wollte ich unbedingt nutzen“, erklärt er. 1982 wechselte Josef nach Braunschweig.
Schwerer Stand beim Kopfballungeheuer
Bei den Löwen folgten durchwachsene Jahre. Nur 19 Mal kam Josef im Oberhaus zum Zug, ehe er 1986 mit den Blau-Gelben abstieg. Wenig später spielte er wieder für seinen Stammklub. „Wölfi Krause fragte bei mir an. Da ich auch wieder bei Volkswagen arbeiten konnte, fiel mir die Entscheidung sehr leicht. Schließlich ist der VfL mein Verein“, so der 52-Jährige. Noch zwei Saisons hielt Josef die Bälle in der Amateur-Oberliga Nord, schlug heiße Pokalschlachten mit den Grün-Weißen, unvergessen auch die Aufstiegsrunde 1988. Gleich danach war dann plötzlich Schluss. „Ich war erst 28, aber irgendwie fußballmüde. Als der neue Trainer Horst Hrubesch mich auf die Bank setzen wollte, habe ich lieber gleich aufgehört und mich auf den Beruf konzentriert.“