15.02.2020
Geschichte

Produktion gegen Verwaltung

Der Betriebsfußball hat bei Volkswagen Tradition. Auch VfLer mischten mit.

Manchmal hört man eine Geschichte und weiß nicht, ob man sie lustig oder traurig finden soll. Bis der Erzähler die Auflösung liefert. „Als Kind habe ich zu Ostern immer einen Gummiball bekommen. Leider war an den Zäunen damals noch Stacheldraht gespannt. Spätestens Ostermontag war der Ball deshalb wieder kaputt“, meint Günther Litzenberg und lacht. Der langjährige VfL-Defensivspieler stammt gebürtig aus Tülau. Und hat es trotz zeitweiser Ballnot zu einem hoch angesehenen Spieler gebracht. Noch heute muss man ihn in Wolfsburg fast niemandem vorstellen.

Duelle mit Weltstars

Zwölf Jahre schnürte Litzenberg von 1951 an für den VfL die Stiefel. Nach einem Pokalspiel gegen seine Tülauer, das der Dorfverein sensationell mit 4:2 gewann, hatte man ihn vom Fleck weg verpflichtet. Litzenberg hatte dabei nicht nur zwei Tore erzielt, sondern – was damals nur wenige fertigbrachten – VfL-Star Erwin Hartmann an die Kette gelegt. Mit dem legendären „Roten Erwin“ spielte Litzenberg noch einige Jahre zusammen und prägte anschließend jene VfL-Elf, die in der Oberliga Nord für einiges Aufsehen sorgte. Als Mittelläufer mit der Nummer 5 spielte Litzenberg gegen Kaliber wie Uwe Seeler und zweimal sogar gegen Pele. Litzenberg war ausdauernd, kopfballstark und ein gefürchteter Freistoßspezialist, führte die Mannschaft einige Jahre als Kapitän. Hauptberuflich war er wie fast alle seine Mitspieler bei Volkswagen. Und fand dabei sogar noch manchmal die Zeit zum Kicken mit den Kollegen.

Sogar dienstlich am Ball

„Es kam damals immer wieder vor, dass die einzelnen Abteilungen gegeneinander angetreten sind“, erinnert sich der 81-Jährige. „Einige Male wurde ich gefragt, ob ich vielleicht aushelfen könnte.“ Ausgetragen wurden diese Spiele nach Dienstschluss, meistens auf Zuruf auf den Plätzen in der Region. So duellierte sich also gern mal die Produktionsabteilung mit der Verwaltung. Oder man mischte sogar eine Mannschaft für ein Auswärtsspiel zusammen. „Ich erinnere mich an eine Reise nach Bremen und an eine Partie gegen eine ausländische Reederei. Manchmal war das schon kurios.“

Lange Laufbahn genauso im Werk

Nicht nur Hobby-, auch Hochleistungsportler gab es auf dem Werksgelände genug. Keine Frage, dass sie als Mitspieler besonders begehrt waren. „Mich hat man vor allem herangezogen, wenn man hinten dicht machen wollte“, lacht Litzenberg, der bei Volkswagen 1950 als Lehrling begann und es bis zu seinem vorzeitigen Ruhestand 1989 zum Hauptabteilungsleiter brachte. Dabei war er verantwortlich für die Berufsausbildung von rund 4.500 Auszubildenden in sämtlichen deutschen Werken.  Für den VfL Wolfsburg bestritt Günther Litzenberg bis zur Spielzeit 1962/1963 mehrere hundert Partien. Und dazu ungezählte Spiele für verschiedene Volkswagen-Teams.  

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 24. November 2012. Anmerkung der Redaktion: Günther Litzenberg ist am 11. Februar 2015 im Alter von 84 Jahren verstorben.

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