Dieter Winter spielt den Ball.
18.04.2020
Mein Werk. Mein Verein. Eine Geschichte.

Der Pimpel aus Berlin

Dieter Winter kam als Jugendlicher zum VfL. Seinen Spitznamen brachte er mit.

Dieter Winter spielt den Ball.

Als VfL-Boss Günter Brockmeyer anrief, musste der junge Dieter Winter kurz überlegen. „Ich war erst 19 Jahre alt und hatte bislang nur in Berlin gelebt. Da plötzlich seine Heimat zu verlassen und auf eigenen Füßen zu stehen, ist für einen Jugendlichen nicht ganz so leicht“, erinnert er sich. Doch er sollte diesen Schritt nie bereuen. Ganz im Gegenteil: „Ich habe im Beruf sehr schnell Fuß gefasst, hier Wurzeln geschlagen und meine Frau kennengelernt. Mehr geht eigentlich nicht. Der Fußball hat mir insgesamt somit sehr viel gegeben“, bilanziert der 59-Jährige. „Auch wenn ich mir von meiner aktiven Karriere vielleicht doch etwas mehr erhofft hatte.“

Allzweckwaffe auf dem Feld

Zum VfL kam Winter im WM-Jahr 1974. Unter Imre Farkaszinski hatten die Grün-Weißen gerade die Qualifikation für die neue 2. Liga geschafft. Winter, seit seinem zehnten Lebensjahr in Diensten von Hertha Zehlendorf, mit der er vier Jahre zuvor Deutscher A-Junioren-Meister geworden war, sollte helfen, die Wölfe im neuen Unterhaus zu etablieren. Doch die Qualität der Mannschaft reichte nicht aus. „Es war gleich eine sehr turbulente Saison mit zwei Trainerwechseln und vielen Enttäuschungen. Leider stand am Ende der Abstieg.“ Es begannen Fahrstuhljahre für den VfL, der mit Trainer Paul Kietzmann direkt wieder aufstieg, erneut aber die Klasse nicht hielt und diesmal auch drittklassig blieb – für die nächsten 15 Jahre. Eine konstante Größe im Team war noch bis 1982 Dieter Winter, der bis heute von allen nur „Pimpel“ gerufen wird. Zuständig war der beidfüßige, schnelle und athletische Mann auf dem Platz für fast alles. „Gekommen war ich mal als Außenstürmer. Im Laufe der Jahre habe ich aber überall gespielt, auch mal im Mittelfeld oder als rechter Verteidiger.“ 
 

Dieter Winter verlässt das Feld im Spiel gegen Hannover 96 im Jahr 1977.

Verschiedene Rollen auch im Werk

Zurück in die zweite oder gar erste Liga schaffte es Winter auf dem Rasen so nicht mehr. Wesentlich wichtiger war ihm stets der Beruf. „Die Sicherheit, bei Volkswagen arbeiten zu können, hatte bei mir höchste Priorität. Deshalb bin ich auch immer noch froh, dass ich damals hierhergekommen bin.“ Noch in der Hauptstadt hatte Winter eine Lehre zum Maler absolviert. Auch in Wolfsburg arbeitete er zunächst in diesem Beruf, 1976 kam er dann ins Werk. Für zwei Monate begann er in der Produktion, um bald schon in die Kreditoren-Buchhaltung zu wechseln. Maschinelle Rechnungsprüfung und später die Datenverarbeitung gehörten zu seinem Alltag, seinen Bürokaufmann holte er auf der Abendschule nach. Fast 37 Jahre blieb Winter bei Volkswagen, Anfang 2013 begann seine passive Altersteilzeit.  

Unbekannter Namensgeber

Beim VfL ging es für Winter später noch weiter. Nach ersten Trainerjahren in Gifhorn und Calberlah kehrte er als Co-Trainer wieder zurück und kam damit gerade rechtzeitig, um doch noch bei der Zweitliga-Rückkehr dabei zu sein: Als Assistent unter Uwe Erkenbrecher führte Winter die Wölfe 1992 in den Profifußball. All die Jahre überdauern sollte dabei sein Spitzname. Aber was genau bedeutet „Pimpel“ eigentlich? „Wenn ich das nur wüsste“, lacht Dieter Winter. „So werde ich schon genannt, seit ich zehn Jahre alt bin. Bei einem Freundschaftsspiel in der D-Jugend rief das irgendjemand von draußen zu mir rein. Über alle Jugendteams bis in den Herrenbereich hat sich der Name anschließend gehalten. Und irgendwie ist er sogar bis nach Wolfsburg geschwappt.“
 

Dieter Winter heute.

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 17. August 2013.

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