Ein Mannschaftsfoto der damaligen Mannschaft des VfL Wolfsburg, auf dem Heinz Knopp zu sehen ist.
14.10.2020
Geschichte

Handschuhe von Oma

Im VfL-Team der frühen 50er war Heinz Knopp der Jüngste. Im falschesten Moment entschied er sich für einen Wechsel.

Ein Mannschaftsfoto der damaligen Mannschaft des VfL Wolfsburg, auf dem Heinz Knopp zu sehen ist.

Hugo Dreyer traute dem Braten nicht ganz. Mit dem neuen Torwart aus Schöningen schnappten sich die Wölfe ohne Frage zwar ein Riesentalent. Zur Sicherheit holte der VfL-Verantwortliche aber noch einen weiteren Schlussmann dazu, denn Heinz Knopp war gerade erst 17. „Während meiner gesamten VfL-Zeit war ich derjenige, der die Koffer und die Ballnetze schleppte“, lacht Knopp. „In der Hackordnung kam ich automatisch immer zuletzt.“ Zwischen den Pfosten stand der Jüngste im Team der Wölfe allerdings trotzdem. Mit einem Teenager im Tor rüsteten sich die Grün-Weißen Anfang der 50er Jahre somit für die Erstklassigkeit. Zwei vergebliche Aufstiegsrunden machte der Jungkeeper mit. Doch als der Durchbruch endlich gelang, war er schon wieder weg.  

Reiselustige VfL-Fans

Als Heinz Knopp mit dem Fußballspielen begann, war der VfL Wolfsburg noch gar nicht gegründet. Ab 1942 spielte er in seiner Heimatstadt Hötensleben erstmals in einem Verein. Acht Jahre später schloss sich Knopp dem FC Schöningen an, für den er später noch bis zum 39. Lebensjahr aktiv bleiben sollte. Das Herzstück seiner Laufbahn bildeten zwei andere Klubs: der VfL Wolfsburg und Göttingen 05. „Ich hatte in meiner Karriere zwei richtig gute Trainer. Einer war ‚Pipin‘ Lachner und der andere Fritz Rebell.“ Ersterer war selbst gerade neu bei den Wölfen, als Knopp 1950 von Dreyer sowie Günter Brockmeyer zum VfL gelotst wurde. „In Wolfsburg entstand eine richtig starke Truppe, die jedes Jahr den Aufstieg als Ziel hatte. Vor allem erinnere ich mich an ein fantastisches Publikum. Auch wenn wir hinten lagen, haben uns die Leute ständig nach vorn gepeitscht. Sogar auswärts waren viele dabei.“

Der ehemalige Spieler des VfL Wolfsburg Heinz Knopp lächelt freundlich in die Kamera.

Gegen den Willen des Vaters

Links Hugo Lüthe, rechts Heinz Bollin, in der Mitte Otto Kielich. So sah die Abwehrreihe vor dem jungen VfL-Keeper aus, der als Nachfolger Günter Mettkes voll überzeugte. Ohne Handschuhe übrigens. „Wenn es geregnet hat, habe ich Wollhandschuhe benutzt, die meine Oma gestrickt hatte. Ansonsten war das nicht üblich“, erinnert er sich. In der Amateur-Oberliga Nord zogen die von Kapitän Alfred Wirth angeführten Wölfe die Konkurrenz bald nur noch hinter sich her. Als es mit dem Aufstieg in die höchste Spielklasse aber auch in der dritten Aufstiegsrunde in Folge nicht klappte, verlor Knopp den Glauben und die Geduld. „Ich hatte immer den Ehrgeiz, ganz nach oben zu kommen. Als dann Göttingen anklopfte, bin ich gewechselt“, sagt er, der in diesem Moment die Warnungen des Vaters in den Wind schlug. „Er war sehr dagegen. Nicht nur aus sportlichen Gründen, sondern vor allem wegen meiner Arbeit im Werk.“   

Hochphase der Käfer-Produktion

Dort eine Anstellung zu finden, war zu Anfang nicht selbstverständlich. „Es gab einen Einstellungsstopp, deshalb habe ich zuerst in einer Baufirma gearbeitet.“ Im Lehrberuf war Knopp ursprünglich Schmied. Als sich ab 1952 dann doch bei Volkswagen eine Tür für ihn öffnete, bekam er eine Stelle als Inspekteur. „Vor allem habe ich Heiz- und Saugleitungen für den Käfer zusammengelötet. Das war wirklich gute Arbeit und außerdem eine spannende Zeit. Ich habe noch die riesige Feier vor Augen, als der 500.000 Käfer vom Band lief“, so der 81-Jährige, der über 100 Mal für die Grün-Weißen im Tor stand und seinen Weggang aus Wolfsburg schließlich durchaus bereute. „Wir hatten eine tolle Kameradschaft. In der Mannschaft genauso wie im Werk. Am Ende musste ich mir eingestehen, dass mein alter Herr doch leider recht gehabt hatte.“

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 12. April 2014. Anmerkung der Redaktion: Heinz Knopp ist am 29. Oktober 2016 im Alter von 83 Jahren verstorben.


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