01.06.2021
Geschichte

Gala auf der Alm

Sein einziges Jahr im VfL-Trikot fiel zumindest in eine reizvolle Spielzeit. Bei Volkswagen gestaltete sich Rainer Behrends den Alltag ebenfalls sportlich.

Die Härte des Gesetzes spürte er das erste Mal in einem unscheinbaren Moment. „Ich hatte meinen Teller schon voll und fing einfach an zu essen. Da stieß mich ein Mitspieler an und deutete auf den Trainer. Dass wir erst auf sein Signal warten mussten, hatte ich nicht geahnt“, berichtet Rainer Behrends und schmunzelt. Der Neuzugang des Sommers 1974 hatte anfangs bei Imre Farkaszinski keinen einfachen Stand, was er aber weniger auf die Szene beim Essen schiebt. „Es hat gedauert, bis ich meinen Platz im Team gefunden habe, denn es gab starke Konkurrenz.“ Auf 19 Liga-Einsätze kam der Abwehrmann trotzdem. In einem Jahr, das auch für die übrige Truppe anders verlief als gewünscht.

Ausgleich zum Alltag im Sitzen

Die mittleren 70er Jahre waren in Wolfsburg eine ebenso spannende wie schwierige Zeit. Volkswagen hatte zu kämpfen. Im Werk angestellt zu werden, war auch für VfL-Spieler nicht selbstverständlich. „Obwohl ich nicht lange dort war, wusste ich meinen Job sehr zu schätzen. Zumal er hervorragend auf den Fußball abgestimmt war.“ Der gelernte Autoschlosser fing im Sommer 1974 in der Prüfabteilung an. Klaus Glahn, prominenter Wolfsburger Judoka, war sein Chef. Im Alltag kontrollierte Behrends Messwerkzeuge wie Schraub- und Schieblehren auf Genauigkeit, ehe sie in die Werke nach Südamerika transportiert wurden. Ganz bewusst kam er zwischendrin auch ins Schwitzen. Denn die Möglichkeit von regelmäßigen Abstechern ins Gesundheitszentrum nutzte der Fußballer gern. „Praktischerweise hat unser VfL-Masseur Hannes Bittner dort gearbeitet. So konnte ich mich tagsüber behandeln lassen oder einfach mal aufs Rad setzen“, schwärmt der 68-Jährige.

Drei Trainer in einem Jahr

Am Elsterweg lief es derweil sportlich eher unrund. Vom OSV Hannover war Behrends, einst gemeinsam mit Uli Hoeneß, Paul Breitner und Rolf Rüssmann in der Jugendnationalelf aktiv, als Libero gekommen. Letzter Mann bei den Wölfen aber war Farkaszinskis verlängerter Arm Tony Matz, so dass sich der Neue erst hinten anstellen musste und dann mühsam übers Training für einen Platz im Mittelfeld empfahl. Dort hieß sein Konkurrent Edwin Meyer. „Als ich mich endlich reingekämpft hatte, wechselte der Trainer. Das warf mich wieder zurück.“ Fritz Schollmeyer blieb nur drei Monate. Als ihm im April 1975 Paul Kietzmann ins Amt folgte, befand sich Behrends bereits in Verhandlungen und hatte im Geiste längst den Rückzug ergriffen. Zur neuen Saison wechselte er retour in seine Geburtsstadt zu Arminia Hannover, für die er anschließend noch sieben Jahre spielte. „Es hat nicht gepasst zwischen mir und dem VfL. Trotzdem: Dieses Zweitligajahr war eine richtig spannende Zeit.“

West-Klubs nicht gewachsen

Zweitligafußball hatte es am Elsterweg bis dato war schon gegeben. Neu an der Runde 1974/1975 aber war die Einführung des nun zweigleisigen Unterbaus zur Bundesliga. Als Gründungsmitglied der Nord-Staffel bekam es Grün-Weiß jetzt mit aufregenden Gegnern zu tun. „In Dortmund oder am Aachener Tivoli spielen zu dürfen, das war auch für die alteingesessenen Wolfsburger im Team sehr besonders“, erinnert sich Behrends. Mitzuhalten gleichwohl, fiel den Wölfen in dieser Riege schwer. So endete das Abenteuer, wie sich lange abzeichnete, folgerichtig auch mit dem Abstieg. Der kampf- und konditionsstarke Behrends, später noch 43 Jahre in Hannover als Gerichtsvollzieher tätig, verbuchte jene kurze Phase als Stammkraft dennoch als bereichernd. „Richtig gerne erinnere ich mich vor allem an unsere Partie in Bielefeld. Dort habe ich mein erstes Spiel für die Wölfe bestritten und zugleich auch mein bestes. Danach kam der Trainer einfach nicht mehr an mir vorbei.“

Veröffentlicht im „Unter Wölfen Magazin“ im Mai 2020.


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