Thomas Tuster in einer Spielszene.
16.03.2021
Geschichte

Besondere Autos

Polizei, Feuerwehr, Taxen: Thomas Tuster kümmert sich im Werk um die Sonderfahrzeuge. Seine kurze VfL-Karriere verdankte er einer Torexplosion.

Thomas Tuster in einer Spielszene.

Es gibt Situationen im Leben, da kommt man an eine Weggabelung. Thomas Tuster erlebte einen solchen Moment im besten Alter von 23 Jahren: „Fußball oder Maschinenbau, ich musste mich entscheiden. Zumal ich kurz vorher Vater geworden war, fiel die Wahl vernünftigerweise auf den Beruf.“ Nach einer Saison kehrte er den Wölfen wieder den Rücken und wechselte zwei Klassen tiefer zum VfR Eintracht zurück. Was er verpasste, kann Tuster nicht wissen. Seiner Laufbahn bei Volkswagen tat der Schritt jedoch planmäßig gut. Als Koordinator in der Fertigung hat der gebürtige Wolfsburger heute einen spannenden und sehr speziellen Aufgabenbereich.

Mann für die Box

Die Abteilung Sonderfahrzeuge ist innerhalb der Fertigung verhältnismäßig klein. Umso bedeutender, was hier passiert. Tuster und sein Team bekommen fabrikneue Autos und rüsten sie um für speziellen Bedarf. Ganze Flotten von Polizeiwagen, Feuerwehrautos, Taxen oder auch Fahrschulfahrzeugen werden hier umgebaut und beklebt. Ein interessanter Bereich, in dem vieles anders läuft als in der normalen Produktion. „Wir arbeiten zum Bespiel nicht Linie, sondern in Boxenfertigung“, sagt Tuster, der 1979 als Lehrling zum Werkzeugmacher bei Volkswagen anfing und nach Stationen in Planung, Logistik sowie bei der Volkswagen Individual hier landete. Die Fertigung Sonderfahrzeuge koordiniert er seit 2001. „Eine sehr interessante Arbeit mit viel Kundenkontakt. Zur Abnahme kommt die Polizei auch mal persönlich vorbei.“ Eine weitere Besonderheit: Mehr als 50 Prozent der Mitarbeiter sind tätigkeitseingeschränkt, arbeiten zum Teil an Maschinen und mit Werkzeugen, die speziell für ihre Behinderung angeschafft wurden. Wir arbeiten deshalb weitgehend ohne Zeitdruck. Die Zielvorgaben sind sehr individuell“, erklärt der 53-Jährige.

Fünf Treffer in einem Spiel

Das Tempo also ist nicht entscheidend, das war als Spieler anders. Denn Tuster, der seit 1971 beim VfR Eintracht alle Stationen durchlaufen hatte, war ein ausgewiesener Sprinter. „Zu meinen besten Zeiten bin ich auf 100 Meter 10,5 Sekunden gelaufen, damit war ich meistens der Schnellste.“ Tore schießen konnte er auch. Im idealen Moment, nämlich vor den Augen von VfL-Coach Wölfi Krause, schnürte Tuster im Eintracht-Trikot sogar einen Fünferpack. So kam es zum Wechsel aus der Landesliga zwei Klassen höher zu den Grün-Weißen. Dass er dort nicht eingeschlagen hätte, konnte man nicht sagen. 32 Mal kam Tuster in der Spielzeit 1985/1986 zum Zug, erzielte sechs Treffer.

Der ehemalige VfL Wolfsburg Spieler Thomas Tuster.

Knapp vorbei am Profifußball

Ein typischer Tuster war der Sprint über rechts mit anschließender Torvorbereitung für Holger Brügmann oder Mathias Fiebich. In Erinnerung blieb „Tommy“, wie er im Team genannt wurde, auch aus einem Pokalspiel gegen Altona, als er drei Gegenspieler aussteigen ließ und mit einem Prachtschuss vollendete. Einmal kurz, als Tuster bereits für den Maschinenbauer büffelte, wurde die Option Profifußball doch noch konkret. Der Wechsel zu Hessen Kassel jedoch, unter Jörg Berger gerade knapp am Bundesliga-Aufstieg gescheitert, zerschlug sich. „Das war aber völlig in Ordnung. Überhaupt bin ich mit allem im Reinen. Meine VfL-Zeit war kurz, aber schön und intensiv. Mit Größen wie Peter Ament oder Olaf Ansorge zu spielen, das hat mich unheimlich weitergebracht“, bilanziert Tuster und lacht. „Was ich allein nie vergessen werde, das ist meine erste Saison-Vorbereitung: Anschließend konnte ich vor Schmerzen weder liegen noch sitzen noch stehen.“

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 19. März 2016.


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