Der ehemalige Spieler des VfL Wolfsburg Manfred Wuttich in einem Zweikampf während eines VfL-Spiels.
21.10.2020
Geschichte

Knipser im Einkauf

Noch früher als erhofft machte Manfred Wuttich Karriere im Werk. Eigentlich sollte er die Wölfe erst in die Bundesliga schießen.

Der ehemalige Spieler des VfL Wolfsburg Manfred Wuttich in einem Zweikampf während eines VfL-Spiels.

Der alte „Pipin“ Lachner wusste genau, wie es geht. Immer wieder fuhr der VfL-Coach nach Braunschweig und nahm Herrn und Frau Wuttich ins Gebet. „‘Schicken Sie Ihren Sohn zum VfL, dann können Sie auch weiterhin seine Socken stopfen‘, hat er gesagt. Am Ende hat er meine Eltern damit überzeugt“, lacht Manfred Wuttich. Der Einsatz des Trainers in der Sommerpause 1965 zahlte sich aus. Frankfurt, Stuttgart, HSV – die halbe Bundesliga wollte den Vollblutstürmer verpflichten. Der 24-Jährige aber blieb in der Region und startete im VfL-Trikot eine bemerkenswerte Torproduktion. Mit einem Angreifer seines Formats schien der Erstliga-Aufstieg der ohnehin ambitionierten Grün-Weißen nur eine Frage der Zeit. Doch nur drei Jahre später war Wuttichs Laufbahn vorbei.

Bestandteil eines magischen Dreiecks

„Es lief zu Anfang richtig gut, in der ersten Saison habe ich gleich 20 Tore geschossen. Danach aber ging es bergab“, erinnert er sich. Gemeinsam mit Ernst Saalfrank stieß Wuttich, der einst beim TSV Winnigstedt mit dem Fußballspielen angefangen hatte, von der Eintracht zu den Wölfen. Aus Bremen kam zeitgleich Dieter Thun, was addiert um Wilfried Kemmer eine Regionalliga-Offensive der Extraklasse ergab. Wuttich, mit der Empfehlung von zwölf Treffern in 24 Bundesligaspielen geholt, konnte im Grunde alles. Er war pfeilschnell, beidfüßig, kopfballstark und hatte vor dem Kasten des Gegners diesen besonderen Riecher. Seine größte Schwäche war keine sportliche, sondern sein Körper, der ihm eine noch größere Laufbahn verwehrte. „Ich hatte ständig Muskelfaserrisse und bekam sehr häufig Spritzen. Irgendwann war ein chronischer Zustand erreicht. Als mir dann im Training auch noch der Quadrizeps riss, musste ich eine Entscheidung fällen“, sagt der 73-Jährige, „und beschloss, mich gar nicht erst operieren zu lassen.“

Der ehemalige Spieler des VfL Wolfsburg Manfred Wuttich sitz am Tisch und schaut sich alte Fußballbilder an.

Karriereschluss im besten Alter

Die Chance, ins Werk zu kommen, hatte ohnehin für seinen Wechsel eine große Rolle gespielt. „An dieser Stelle merkte ich erst recht, dass es richtig so war. Ich hätte gern weiter gemacht, mein Körper aber wollte nicht mehr. Und so konnte ich mich zumindest voll auf den Beruf konzentrieren.“ Nach drei Saisons beim VfL Wolfsburg, einer unter Lachner und zweien unter Imre Farkaszinski, hängte Manfred Wuttich im Sommer 1968 mit gerade 27 Jahren seine Schuhe an den Nagel. Satte 40 Tore in nur 61 Ligaspielen ließen erahnen, wo die Wölfe, die in diesen Jahren als Dritter und Vierter ins Ziel kamen, mit einem konstant gesunden Wuttich hätten landen können. „Ich hatte trotzdem eine sehr gute Zeit. Außerdem hat mich meine Karriere bei Volkswagen daraufhin für vieles entschädigt.“   

Zweite Laufbahn noch aufregender

Als Sachbearbeiter im Einkauf kam der gelernte Industrie- und Außenhandelskaufmann 1965 ins Unternehmen. Schon fünf Jahre danach stieg Wuttich, gebürtig aus Frankfurt an der Oder, zum Referatsleiter auf, wenig später führte er eine Unterabteilung. 1978 begann das Kernstück seiner Karriere: Als Hauptabteilungsleiter des Allgemeinen Einkaufs entsandte ihn Volkswagen nach Sao Paolo. „Fünf Jahre in Brasilien zu leben, war eine großartige Erfahrung, die mein ganzes Leben entscheidend beeinflusst hat“, schwärmt Wuttich, der als Bereichsleiter ab 1986 zudem noch längere Zeit bei Seat in Barcelona arbeitete. Für die letzten sieben Jahre seines Berufs führte er im Mutterhaus schließlich die Hauptabteilung Investitionsgüter. „Mit allem, was ich mir erarbeitet habe, bin ich vollauf zufrieden. Meine Entscheidung für Wolfsburg ist einfach goldrichtig gewesen.“ 

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 26. April 2014. Anmerkung der Redaktion: Manfred Wuttich ist am 1. August 2018 im Alter von 77 Jahren verstorben.


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