29.11.2020
Mein Werk. Mein Verein. Eine Geschichte.

Kaiser mit Schusskraft

Distanzversuche waren Ralf Wilhelms Spezialität. Bei Volkswagen kümmert er sich heute um die Details.

Man sieht sich mehr als einmal im Leben. Und mitunter sogar dreimal. Ralf Wilhelm war 20 Jahre alt, als er zum WSV Wolfenbüttel wechselte. Seinen dortigen Trainer Ernst Menzel kannte er nur zu gut, da er wenig zuvor bei der Bundeswehr sein Offizier gewesen war. „Das war schon erstaunlich. Aber umso größer der Zufall, als wir uns zehn Jahre später auch noch in Wolfsburg wiedertrafen“, sagt Wilhelm. Menzel wurde für den Braunschweiger eine Art Mentor, funktionierte ihn schon zu Wolfenbütteler Zeiten vom Angreifer zum offensiven Verteidiger um. So kam es, dass Wilhelm in knapp 90 VfL-Spielen immerhin neun Mal ins Tor traf. „Als gelernter Stürmer wusste ich natürlich, wo die Kiste steht. Deshalb habe ich es aus dem Hintergrund immer wieder probiert.“
 

Verhängnisvoller Platzverweis

Im VfL-Trikot erlebte Wilhelm Zeiten des Aufbruchs. Noch Wölfi Krause holte ihn 1988 nach Wolfsburg. Als zur neuen Saison Horst Hrubesch übernahm, war Wilhelm trotzdem gesetzt. Libero Heiner Pahl, Uwe Otto als Vorstopper, links Wilhelm und rechts Michael Geiger – mit dieser Stammabwehr, so das feste Vorhaben, sollte die Zweitligarückkehr endlich gelingen. Neben Flankenläufen und Weitschüssen war der Mann mit der Nummer drei freilich auch fürs Verteidigen zuständig – gegen teils namhafte Stürmer. „Wir hatten fantastische Pokalspiele gegen Stuttgart, Köln und Frankfurt, da musste ich zum Beispiel direkt gegen Jörn Andersen ran“, erinnert sich der 53-Jährige, der in seiner letzten VfL-Saison 1990/1991 – unter besagtem Ernst Menzel – noch eine packende, erneut aber erfolglose Aufstiegsrunde erlebte. Seine Mitspieler von einst rufen ihn bis heute im Übrigen „Kaiser“. „Den Spitznamen hatte ich mir selbst eingebrockt. Nach einer gelben Karte hat mich der Schiri mal nach meinem Namen gefragt. Als er ihn zweimal nicht verstanden hatte, rief ich ‚Wilhelm – wie der alte Kaiser‘. Darauf zückte er rot.“

Noch immer für die Wölfe am Ball
 

Mit dem Spitzenfußball war es für Wilhelm, in der Jugend für Lehndorf, Broitzen sowie Eintracht Braunschweig aktiv, im Alter von 30 Jahren vorbei. Unter Uwe Erkenbrecher gehörte er dem Team nicht mehr an, schrammte am Profifußball also haarscharf vorbei. „Auch andernfalls hätte ich meinen Beruf aber keineswegs aufgegeben, dafür war er mir schon damals zu wichtig“, so Wilhelm, der nach Abitur und Bundeswehr Versicherungskaufmann lernte und 1989 bei Volkswagen in der Transportabteilung begann. Nach sieben Jahren wechselte er in die Logistik, wo er als technischer Sachbearbeiter verschiedene Abteilungen durchlief. Zu seinen Aufgaben zählte die Betreuung der Neuanläufe etwa für Lupo, Golf und Touran. Seit gut einem Jahr arbeitet Wilhelm nun als Projektsteuerer in der Produktlinie Small in der Markenlogistik. In einer Sechs-Mann-Abteilung prüft er Neuteile für Polo und Scirocco, um sie zur Serienreife zu bringen. „Das ist durchaus zeitintensiv und fordernd, aber auch hochinteressant“, sagt Ralf Wilhelm, der noch heute in der VfL-Traditionsmannschaft spielt und dem Beruf genau wie dem Fußball viel abgewinnt. „Es ist toll, wenn man sagen kann: Ich habe im Grunde alles richtig gemacht. Und das kann ich zum Glück.“

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 29. November 2013.


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