Männer

„Alle Kräfte bündeln“

Interview mit Kevin Paredes zum Abschluss der englischen Woche gegen Bremen.

Kevin Paredes vom VfL Wolfsburg macht ein Handzeichen und grinst.

Beim letzten Auswärtsspiel gegen den FCA stand er erstmals in dieser Spielzeit in der Startelf der Wölfe – und wurde nach der 2:3-Niederlage von den VfL-Fans prompt zum „Spieler des Spiels“ gewählt. Beim darauffolgenden Pokalkracher gegen RB Leipzig nahm Kevin Paredes dann wieder jene Joker-Rolle ein, in der er zuvor schon häufig wichtige Schlussakzente setzen konnte. So trug der 20-jährige Außenspieler auch dieses Mal entscheidend dazu bei, den Einzug in das DFB-Pokal-Achtelfinale zu sichern. Im Interview spricht der frischgebackene US-Nationalspieler über die zurückliegenden Spiele der englischen Woche, seine Entwicklung bei den Grün-Weißen, den internen Konkurrenzkampf, seinen WM-Traum sowie den für ihn besten Spieler der Welt. Und natürlich über den kommenden Gegner Werder Bremen. 

Kevin Paredes, Glückwunsch zum Pokalsieg gegen Leipzig! Wie hast du das Spiel gesehen? 

Kevin Paredes: Das war von der ersten bis zur letzten Minute ein toller Kampf der Mannschaft, durch den wir uns den Sieg wirklich verdient haben. Wir nehmen jedes Spiel ernst, und wir haben uns als echtes Team und Kollektiv präsentiert. So wie eine sich unterstützende Familie – egal, ob die Jungs auf dem Platz, die Einwechselspieler oder diejenigen auf der Bank.  

Wie wichtig war der Sieg nach drei Niederlagen in der Liga?

Kevin: Es war ein sehr wichtiger Sieg. Wir brauchten ihn vor allem auch, um auf dem Weg zu unserem Ziel, in der nächsten Saison europäisch zu spielen, in beiden Wettbewerben im Rennen zu bleiben. Gegen einen so starken Gegner zu bestehen, bedeutet, dass wir einen guten Job gemacht haben.

Du hast seit unserem letzten Interview im vergangenen März körperlich noch einmal zugelegt und wirkst robuster…

Kevin: Ich bin inzwischen tatsächlich in einer körperlich noch besseren Verfassung, um mich in der Bundesliga zu behaupten. Hier herrscht eine höhere Intensität, und sie ist eine härtere Liga mit physisch stärkeren Spielern als die MLS. Da braucht es beste körperliche Voraussetzungen – und an denen habe ich hart gearbeitet.

In der vergangenen Spielzeit warst du bereits ein wichtiger Joker, Niko Kovac nannte dich einen „Gamechanger“. Jetzt konntest du in Augsburg deinen ersten Startelfeinsatz der Saison feiern. Wie überrascht warst du? 

Kevin: Ich selbst war nicht überrascht, weil ich meine Arbeit auf und neben dem Platz kenne. Ich habe auf den Moment gewartet, die Möglichkeit zu erhalten, meine Qualitäten von Beginn an zu zeigen – und nicht nur in den Schlussminuten. Ich bin sehr glücklich, dass mir das Vertrauen geschenkt wurde, in der Anfangself zu stehen, um meine Mannschaft zu unterstützen. Und es hat sich so angefühlt, als ob ich das gut gemacht habe. Auch wenn wir leider nicht das Resultat erzielt haben, das wir wollten, war ich mit meiner Leistung durchaus zufrieden.

Nach dem Augsburg-Spiel wurdest du von den VfL-Fans zum „Spieler des Spiels“ gewählt. Hast du das mitbekommen? Und wie wichtig ist dir so etwas?

Kevin: Ja, ich habe den Instagram-Post gesehen und auch einige Beiträge von Fans, die meine Leistung gelobt haben. Es ist toll, ihr Vertrauen zu spüren, zu wissen, dass sie mich mögen und sich freuen, mich auf dem Rasen zu sehen. Die Fans sind schließlich der zwölfte Mann auf dem Platz. Bei der „Spieler des Spiels“-Wahl ganz oben zu stehen, ist eine echte Bestätigung.
 

Trotz der guten Leistung saßt du dann beim Pokalspiel gegen Leipzig zusammen mit vielen anderen Augsburg-Startern wieder draußen…

Kevin: Wir brauchen ein schnelles Umschaltspiel, und es ist vollkommen normal, dafür personell zu rotieren und frische Spieler mit frischen Beinen reinzuwerfen. Daher war ich nicht überrascht. Der Trainer muss die Entscheidungen treffen, die notwendig sind, um ein Spiel gewinnen zu können. Und wir haben gewonnen. Das ist das Allerwichtigste.

In dieser Saison gibt es noch größeren Konkurrenzkampf auf den offensiven Flügeln als zuvor. Wie gehst du damit um?

Kevin: Es gibt einen sehr freundschaftlichen Konkurrenzkampf zwischen allen Spielern. Ich bin ja einer der jüngeren im Kader und profitiere sehr von den anderen, was Erfahrung und auch bestimmte Spielideen angeht. Wir alle geben in jedem Training unser Bestes und wollen es dem Trainer so schwer wie möglich machen, eine Entscheidung zu fällen, wer von uns jeweils spielt.

Du hast gerade dein Debüt für die US-Boys gefeiert und prompt einen Treffer gegen Oman vorbereitet und dann auch gegen Deutschland Minuten gesammelt. Wie groß ist dein Traum, 2026 bei der WM in den USA dabei zu sein?

Kevin: Natürlich ohnehin groß, aber noch größer, weil die WM in meiner Heimat stattfindet. Es wäre unvergesslich, wenn ich ein Teil davon sein könnte. Ich arbeite so hart wie möglich dafür, dieses Ziel zu erreichen. Sollte ich dort dann für mein Land auflaufen dürfen, würde ein Traum wahr werden.

Dein großes – oder auch kleines – Vorbild ist Lionel Messi. Wie beeindruckt bist du, wie er nun auch in der MLS auftrumpft?

Kevin: Es ist klasse zu sehen, dass er jetzt in der Liga spielt, in der ich zuvor gespielt habe. Für mich ist er einfach der weltbeste Spieler, was man immer noch sieht. Er macht einfach unerwartete Dinge und liefert immer noch richtig gut ab. Ich finde es echt cool, das er jetzt in den USA spielt.

Nun kommt Bremen auf euch zu – jenes Team, gegen das du zuletzt deinen ersten und bislang einzigen Bundesliga-Treffer gemacht hast. Konntest du dich eigentlich darüber freuen, obwohl er zu spät kam und ihr 1:2 verloren habt?

Kevin: In dem Moment hatte ich nur den Gedanken, mit der Mannschaft so schnell wie möglich noch das 2:2 zu erzielen, um den einen Punkt mitzunehmen. Aber natürlich war ich dann auch sehr glücklich über meinen ersten Treffer, auf den ich lange hingearbeitet hatte. Jetzt freue ich mich erneut auf Bremen und hoffe, dass wir dieses Mal ein besseres Ergebnis erreichen.

Wie schätzt du die Bremer ein? Und wie wichtig wäre der Heimsieg?

Kevin: Es wäre wirklich sehr wichtig für uns, mit einem weiteren Heimsieg einen Schritt weiterzukommen. Erfahrungsgemäß ist es nie einfach, gegen Bremen zu bestehen. Wir müssen alle Kräfte bündeln und in schwierigen Situationen hellwach sein. Aber auf der anderen Seite ist es ein Heimspiel in unserer Festung, so dass wir dieses Duell natürlich gewinnen wollen.

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