Ein Spieler des VfL Wolfsburg beim Torabschluss auf einem historischen Foto.
24.03.2021
Geschichte

„Die größte Blamage meiner VfL-Zeit“

50 Jahre „Tor des Monats“: Dittmar Schönbeck über einen rabenschwarzen Pokaltag der Wölfe im Jahr 1973.

Ein Spieler des VfL Wolfsburg beim Torabschluss auf einem historischen Foto.

Roy Präger, Grafite, Ivica Olic, Kevin de Bruyne und Anna Blässe – wer es auch nur ein bisschen mit dem VfL Wolfsburg hält, der weiß genau, was diese Grün-Weißen miteinander gemein haben. Sie alle sind verewigt in der imaginären Ruhmeshalle „Tor des Monats“. Am kommenden Sonntag, 28. März, feiert die berühmte Auszeichnung der ARD-„Sportschau“ ein markantes Jubiläum, denn vor dann genau 50 Jahren ist der allererste prämierte Treffer – Schütze war Gerhard Faltermeier vom SSV Jahn Regensburg – gefallen. Dass der VfL Wolfsburg erstmals im Rahmen der heute legendären Publikumswahl Erwähnung fand, begab sich bereits in ihren Anfängen. So wurde ein Pokalspiel beim TSV Burgdorf den Wölfen am 29. Juli 1973 gleich doppelt zum Verhängnis.

Heber über zwei Torwarte

„Das weiß ich leider noch zu genau“, sagt Dittmar Schönbeck. „Ingo Eismann hat mir erst neulich noch mal das Video zugeschickt.“ Bei besagtem Filmchen handelt es sich um einen 14-sekündigen Bewegtbildschnipsel auf der Homepage der ARD-„Sportschau“. Zu sehen ist ein gewisser Alfons Kluger von der TSV Burgdorf, der den Ball im Strafraum mit dem Oberschenkel mitnimmt und ihn über VfL-Libero Toni Matz spitzelt, um das Spielgerät dann über den staunenden Dieter Grünsch hinweg per Seitfallzieher in den Winkel zu bugsieren. Als Letzter im Bild zu erkennen ist der bedröppelte Schönbeck. „So ein Tor hat der wahrscheinlich nie wieder geschossen. Aber keine Frage: Das hat er gut gemacht“, lächelt der 72-Jährige, der zwischen 1971 und 1975 genau 199 Spiele für die Wölfe bestritt, die meisten davon als Vorstopper. Klugers Traumtor, wie man sehr schön sehen kann, hätte Schönbeck fast noch verhindert. „Ich wollte das Ding mit der Hand noch raushauen, was nach damaligem Regelwerk nur einen Elfmeter zur Folge gehabt hätte und nicht wie heute zusätzlich Rot. Aber das passte zu diesem Spiel: Nicht mal das hat funktioniert.“

Eine historische Aufnahme eines VfL Wolfsburg Spielers beim Erzielen des Tors des Monats.

Drei Spielklassen Unterschied

Der VfL erwischte wahrlich einen sehr gebrauchten Tag. Denn Burgdorfs Treffer, frenetisch gefeiert von 3.800 Zuschauern, sah nicht nur spektakulär aus, er lenkte das Spiel auch in eine für die Wölfe peinliche Richtung. In einer Partie, in der sich Grün-Weiß ohnehin schon nicht mit Ruhm bekleckert hatte, bedeutete dieses Tor in der 90. Spielminute den 4:4-Ausgleich. Verlängerung und Elfmeterschießen waren die Folge, an dessen Ende die TSV mit 8:7 triumphierte. Gleich in der ersten Runde des Norddeutschen Pokals, über den man sich seinerzeit für den DFB-Pokal qualifizierte, strich das Regionalliga-Spitzenteam von Imre Farkaszinski damit die Segel. Und das gegen eine Truppe, die gerade in die fünftklassige Heide-Bezirksliga aufgestiegen war. „Wir dachten, wir fahren mal hin, hauen denen ein paar Dinger rein und drehen wieder um. Aber es war von Anfang an der Wurm drin. Wir haben grottenschlecht gespielt an diesem Tag. Ich würde auch sagen: Das war die größte Blamage in meiner gesamten VfL-Zeit.“

Unfreiwillige Fernseh-Präsenz

Dass der Treffer später auch noch zum „Tor des Monats“ gekürt wurde, hätten er und seine Mitspieler zwar registriert, erinnert sich Schönbeck. „Allerdings hatte die Wahl damals längst noch nicht die Außenwirkung wie heute.“ Pech im Unglück für den VfL: Es wäre wohl zügig Gras über die Minusleistung gewachsen, hätte nicht zufällig eine Kamera das Fabeltor des Außenseiters gefilmt. „Das war völlig ungewöhnlich zu dieser Zeit, zumal in einem Nordpokal-Erstrundenspiel. So aber lief das Ganze auch noch im Fernsehen, und unsere Schmach wurde überhaupt erst publik.“ Der Schütze der TSV Burgdorf, die in der zweiten Pokalrunde mit 3:9 nach Verlängerung (!) am HSV Barmbek-Uhlenhorst scheitern sollte, wurde somit zum ersten Bezirksklassenspieler, der die begehrte Medaille verliehen bekam. Die Konkurrenz, gegen die sich der Pokalschreck der Wölfe beim „Sportschau“-Publikum durchsetzte, war übrigens namhaft. Neben Alfons Kluger zur Wahl standen auch Bayerns Uli Hoeneß, Klaus Scheer vom FC Schalke 04 und der spätere VfL-Aufstiegscoach Willi Reimann.

TV-Tipp: Eine große Doku zum 50. Geburtstag des „Tor des Monats“, in der auch ein Volltreffer der Wölfe zu sehen sein wird, läuft am kommenden Sonntag, 28. März, ab 18.30 Uhr in der ARD. 

Ein historisches Foto mit Spielern des VfL Wolfsburg.

Alle „Tore des Monats“ für den VfL:

Februar
1998

Roy Präger

VfL Wolfsburg – 1. FC Köln

Distanzschuss

April
2009

Grafite

VfL Wolfsburg – FC Bayern

Solo/Hacke*

März
2013

Ivica Olic

VfL Wolfsburg – SC Freiburg

Fallrückzieher

Oktober
2014

Kevin de Bruyne

VfL Wolfsburg – OSC Lille

Volleyschuss

Juli
2020

Anna Blässe

VfL Wolfsburg – SGS Essen

Distanzschuss

* später auch zum „Tor des Jahres“ gewählt


Alle „Tore des Monats“ gegen den VfL:

Juli
1973

Alfons Kluger

TSV Burgdorf – VfL Wolfsburg

Seitfallzieher

Oktober
2011

Eren Derdiyok

Bayer Leverkusen – VfL Wolfsburg

Fallrückzieher

September
2015

Robert Lewandowski

Bayern München – VfL Wolfsburg

Seitfallzieher

Mai
2018

Jonas Hector

1. FC Köln – VfL Wolfsburg

Solo/Heber


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