Frauen

Den Druck hochhalten

Die VfL-Frauen wollen den Bundesliga-Spieltag mit einem Sieg in Duisburg eröffnen.

München, Duisburg, London – inmitten der vorletzten englischen Woche der Saison sind die Frauen des VfL Wolfsburg im Ruhrgebiet im Einsatz: Am morgigen Mittwoch, 19. April (Anstoß um 19 Uhr/live auf Magenta Sport), gastiert der Tabellenzweite der FLYERALARM  Frauen-Bundesliga beim MSV Duisburg – und kann im Erfolgsfall zumindest vorübergehend die Spitze übernehmen. Der FC Bayern München ist erst am Sonntag gegen den frischgebackenen Pokalfinalisten SC Freiburg gefordert.

Gerstner ist zurück

Mit immerhin zehn Punkten aus zehn Spielen verabschiedete sich der MSV Duisburg im Dezember in die Winterpause – keine schlechte Bilanz für einen Aufsteiger. Und hätten die Zebra-Frauen den Punkteschnitt von exakt einem Zähler pro Spiel gehalten, wäre Nico Schneck wohl noch Trainer des MSV. Doch fünf Niederlagen ohne eigenen Torerfolg waren zu viel, daran konnte auch der zwischenzeitliche 3:0-Erfolg gegen Potsdam nichts ändern. Die Verantwortlichen zogen nach der 0:4-Niederlage beim 1. FC Köln, der damit seinen eigenen Negativlauf stoppte, die Reißleine. Der neue sportlich Verantwortliche ist ein alter Bekannter an der Wedau: Thomas Gerstner war bereits zwischen 2018 und 2021 MSV-Coach. Zwar stieg der ehemalige Bundesliga-Profi am Ende seiner ersten Amtszeit ab, aber in den Spielzeiten zuvor schaffte er jeweils den Klassenverbleib. Genau das ist auch jetzt der Auftrag, wobei nicht die Partie gegen die Wölfinnen, sondern der dann folgende Vergleich bei Mitaufsteiger SV Meppen das richtungsweisende Schlüsselspiel sein dürfte. Gerstners Comeback auf der Trainerbank endete am vergangenen Sonntag zwar punktlos, doch beim 0:1 gegen Eintracht Frankfurt ließ man nur einen Elfmeter-Treffer zu. Antonia Halverkamps sah Gelb-Rot und ist demzufolge für die morgige Partie in der heimischen Schauinsland-Reisen-Arena gesperrt.

Letztes Gastspiel im Pokal

Mit einem 8:0 gegen den SV Werder Bremen verabschiedete sich der VfL Wolfsburg in die zurückliegende Abstellungsphase, mit einem 5:0-Erfolg beim FC Bayern München kehrte er zurück. Keine Frage: Es könnte schlechter laufen bei den Wölfinnen, die sich dank des Coups in München zum zehnten Mal in elf Jahren für ein DFB-Pokalfinale qualifiziert haben. Und wer weiß – vielleicht ist ja noch mehr drin, sollten sich die Münchnerinnen einen Ausrutscher erlauben. Dieser wäre freilich ohne Wert, wenn der VfL ebenso noch einmal straucheln würde. Dass dies in Duisburg passiert, ist nicht nur mit Blick auf die aktuellen Formkurven, sondern auch aus statistischer Sicht unwahrscheinlich. In den letzten Jahren gab es für den MSV, Nachfolger des ehemaligen UEFA-Cup-Siegers FCR 2001 Duisburg, nichts zu holen. Der letzte Vergleich in Duisburg war zugleich der erste im großen Stadion – und fand in der 2. Runde des DFB-Pokals 2021/2022 statt: Mit 3:1 setzte sich der spätere Titelträger im strömenden Regen durch, musste dabei jedoch gut 20 Minuten einem Rückstand hinterherlaufen.

„Auf viele Szenarien vorbereiten“

Die Mannschaft hatte am gestrigen Montag trainingsfrei, das Trainerteam gönnte sich allerdings keine Pause. Ein Programmpunkt im Tagesplan von VfL-Cheftrainer Tommy Stroot war die übliche Medienrunde. Dabei ging es um…

…die Personalsituation: Bei Lena Lattwein ist der Ausfall bis zum Saisonende klar kommuniziert. Marina Hegering wird noch einmal ausfallen, weil sie kein komplettes Training bis zum Spiel absolviert haben wird. Auch für Alexandra Popp kommt diese Partie noch zu früh, wobei wir mit dem Heilungsverlauf sehr zufrieden sind. Ziel ist es, sie gegen Ende der Woche mehr und mehr auf den Rasen zurückzubekommen, aber erst einmal mit den Athletiktrainern. Merle Frohms wird in Duisburg nicht zum Kader gehören. Diese Entscheidung haben wir bereits vor dem München-Spiel getroffen. Wir wollen ihr Richtung Arsenal die nötige Erholungszeit geben, die wir ihr nach der Abreise von der Nationalmannschaft nicht geben konnten. Mit dabei sein wird Tessa Blumenberg, eines unserer Top-Talente aus der zweiten Mannschaft. Sie war bereits im Winter-Trainingslager mit dabei und hat dort einen guten Eindruck hinterlassen. 

…einen Rückblick aufs DFB-Pokal-Halbfinale: Die Leistung der Mannschaft hat mir extrem gut gefallen. Basiselemente wie Mut und Überzeugung habe ich über 90 Minuten stabil auf hohem Niveau gesehen – und das war der Schlüssel in diesem Spiel. Ansonsten war es das erwartet enge Spiel, auch wenn das Ergebnis etwas anderes aussagt. Diese Partie hatte viele kleinere Schlüsselmomente, die wir sehr gut bedient haben. Eine Leistung, die alles anders als selbstverständlich ist. Wir dürfen wieder im Pokalfinale dabei sein und darauf freue ich mich ganz besonders.

Merle Frohms wird in Duisburg nicht zum Kader gehören. Diese Entscheidung haben wir bereits vor dem München-Spiel getroffen. Wir wollen ihr Richtung Arsenal die nötige Erholungszeit geben, die wir ihr nach der Abreise von der Nationalmannschaft nicht geben konnten.
Tommy Stroot

…den Finalgegner SC Freiburg: Es sind ja noch ein paar Spiele hin bis zum Finale, von daher wissen wir sicher erst kurz vorher, was uns erwartet. Oder auch nicht, schließlich können die Freiburgerinnen den Fokus komplett auf das Finale legen. Ich habe, abgesehen vom letzten Finale gegen Potsdam, immer nur sehr enge Endspiele im Kopf. Knappe Siege über 90 Minuten, Verlängerungen, Elfmeterschießen. Auch in diesem Finale werden wir an unser Limit gehen müssen. Wir brauchen eine gute Performance, um uns durchzusetzen. Aber das Ziel ist klar: Wir wollen das Spiel gewinnen und in Köln feiern!

…den MSV Duisburg: Ich glaube, dass der Trainerwechsel ein entscheidender Faktor bei den Duisburgerinnen sein kann. Für uns macht er die Gegnerausarbeitung besonders, weil es eben nicht so klar ist, was Duisburg macht. Wir müssen uns auf viele Szenarien vorbereiten. Agieren sie sehr defensiv? Oder einen Tick offensiver? Wir können eben nicht die letzten vier, fünf Spiele analysieren. Von daher ist dies ein Thema, das unsere Sinne schärft und die Aufgabe um einen gewissen Grad komplizierter gestaltet.

…möglicherweise defensive Gegnerinnen: Das kann sein, aber ich denke immer in Lösungen. Für uns ist entscheidend, dass wir unser Spieltempo entwickeln, dass wir gut positioniert sind und dass wir die Bereitschaft haben, sauber umzuschalten. Wenn wir diese Dinge umsetzen, habe ich die maximale Überzeugung, dass wir als Gewinner vom Feld gehen.

…die Möglichkeit, bei klarer Führung früh zu wechseln: Erst einmal geht es immer darum, ein Spiel zu gewinnen. Das steht für uns im maximalen Fokus. Es ist auch so, dass wir schon vorneweg die eine oder andere Anpassung haben werden – das kann ich auch heute schon sagen. Wir müssen in diesen Wochen gute Entscheidungen treffen, aber auch eine entsprechende Bank haben. Wir verfügen über eine gute Qualität in der Breite und unsere Verantwortung ist es, diese auch zu nutzen. Entscheidend ist, dass wir in jeder Minute performen können. Wir wollen keine Ressourcen verballern und am Sonntag merken, dass irgendetwas fehlt. Es gilt, die richtige Balance zu finden. Das haben wir in München geschafft und so soll es in Duisburg weitergehen.

Matchcenter: Alle Infos zur Partie der Wölfinnen