Der ehemalige VfL Wolfsburg Spieler Christian Traesch zusammen mit Maximilian Arnold und Diego Benaglio.
21.04.2021
Männer

„Es macht Freude, dem VfL zuzusehen“

Interview mit Christian Träsch über das Duell seiner Ex-Vereine am Mittwoch.

Der ehemalige VfL Wolfsburg Spieler Christian Traesch zusammen mit Maximilian Arnold und Diego Benaglio.

Erst vier Jahre Stuttgart, dann sechs Jahre Wölfe – Christian Träsch hat beide Klubs von innen gesehen und speziell bei den Grün-Weißen zwischen 2011 und 2017 auch äußerst intensive Jahre verlebt. Im vergangenen Sommer hat der ehemalige VfL-Kapitän, der 125 Mal für Grün-Weiß auf dem Platz stand, seine aktive Laufbahn beendet. Was genau er heute macht, wie eng seine Verbindungen nach Wolfsburg noch sind und wie er die Kräfteverhältnisse vor dem Duell seiner alten Vereine am Mittwochabend (Anstoß um 20.30 Uhr) einschätzt, das verrät der 34-Jährige im Kurzinterview.

Christian Träsch, wo genau befindest du dich gerade?

Christian Träsch: Ich bin in den Vereinigten Arabischen Emiraten, genau gesagt in Dubai. Hier hatte ich ja meine letzte Station als Spieler. Nach dem Karriereende war ich kurz wieder in Deutschland. Dann haben wir als Familie gemerkt, dass es uns noch mal in die Ferne zieht.

Mit dem VfL Wolfsburg warst du 2012 ja auch schon mal in Dubai – im Trainingslager unter Felix Magath. Dann mochtest du es dort offenbar.

Christian: (lacht) Stimmt, aber nicht nur damals. Ich war auch vorher öfter schon hier gewesen. Mir gefällt das Leben hier. Es ist sehr entspannt, auch gerade jetzt in der Pandemie. Man muss zwar drinnen und draußen Masken tragen. Dafür hat aber alles geöffnet, weil die allermeisten Menschen schon geimpft sind. Ich selbst komme auch diese Woche noch dran.

Wie genau sieht dein Leben dort aus, wenn du gar nicht mehr Fußball spielst?

Christian: Da muss ich etwas ausholen. Wir waren als Familie nicht sicher gewesen, wie genau es nach der Karriere weitergehen soll. Ich wusste nur, dass ich im Fußball bleiben möchte. Deshalb habe ich ja auch am VfL Campus Sportmanagement studiert. Aber ob es mich in die Funktionärsrichtung zieht, ob ich dem Platz arbeiten möchte oder lieber als Agent, darüber war ich mir noch nicht am Klaren. Und Letzteres ist nun der Bereich, in den ich aktuell reinschnuppere: Ich nutze die Kontakte aus meiner aktiven Zeit und versuche, den einen oder anderen Spieler aus Deutschland herzuholen, um im arabischen Fußball etwas aufzubauen. Ob ich das langfristig machen möchte, weiß ich noch nicht. Irgendwann werden wir unseren Lebensmittelpunkt sicherlich in Deutschland haben wollen. Aber erst mal ist diese Auslandserfahrung für uns als Familie ein riesiger Gewinn.

Du hast deine Karriere nicht aufgrund einer Verletzung beendet, sondern zugunsten der Familie. Wenn man noch voll im Saft steht und dann plötzlich aufhört: Juckt es da nicht täglich in den Füßen?

Christian: Zu Anfang habe ich den Fußball überhaupt nicht vermisst. Wenn ich jetzt Spiele im Fernsehen schaue, dann spüre ich schon manchmal wieder die Lust. Aber ich habe diese Entscheidung sehr bewusst getroffen. Ich wollte die Karriere nicht aufs Letzte ausreizen und vermeiden, später womöglich mit Schmerzen leben zu müssen. Jetzt stehe ich morgens auf und habe keine Beschwerden, das war mir wichtig. Das Leben besteht nicht nur aus 30 Jahren Fußball, sondern es kommen hoffentlich noch 50 oder 60 weitere Jahre dazu.

An 2015 fühle ich mich gerade tatsächlich erinnert, damals haben wir einen ähnlich attraktiven Fußball gespielt. Mir gefällt sehr gut, was der VfL zeigt. Die Mannschaft wirkt von vorne bis hinten sehr souverän und stabil.

Man hört raus, dass du die Bundesliga aus der Ferne trotzdem verfolgst. Welche Spiele genau?

Christian: Klar, das hört doch nicht auf. VfL, VfB, aber auch Ingolstadt – überwiegend schaue ich die Partien mit Spielern, die ich noch persönlich kenne. Meine Stuttgarter Zeit ist schon länger her, deshalb sind es aktuell auf jeden Fall mehr Spiele der Wölfe. 

Mit dem VfL hast du wilde Zeiten erlebt: vom Pokalsieg und Vizemeisterschaft bis zum Fast-Abstieg im Jahr deines Abschieds 2017. Erkennst du die Wölfe noch wieder?

Christian: An 2015 fühle ich mich gerade tatsächlich erinnert, damals haben wir einen ähnlich attraktiven Fußball gespielt. Mir gefällt sehr gut, was der VfL zeigt. Die Mannschaft wirkt von vorne bis hinten sehr souverän und stabil. Man hat nie das Gefühl, dass sie einbrechen könnte. Man muss dem Verein ein Kompliment dafür machen, dass er eine solche Truppe zusammengestellt hat. Es macht einfach Freude, dem VfL zuzusehen. 

Welche Kontakte nach Wolfsburg hast du gehalten?

Christian: Ich habe noch einen engen Draht zu Marcel Schäfer und genauso zu Maximilian Arnold oder Josuha Guilavogui, aber genauso zu Leuten vom Staff oder von der Geschäftsstelle. Das beschränkt sich nicht mal nur auf den Fußball. Unsere Kinder sind in Wolfsburg geboren, zu Hause haben wir also zwei Wölfe. Und wir haben noch viele Freunde außerhalb des Fußballs, die in Wolfsburg wohnen. Der Bezug ist nach wie vor sehr eng. 

Die ehemaligen VfL Wolfsburg Spieler Christian Traesch und Marcel Schaefer im Training.

Als nächstes spielt Grün-Weiß in deiner anderen alten Heimat Stuttgart. Welcher deiner Ex-Vereine überrascht dich mehr in dieser Saison?

Christian: Das ist wirklich schwer zu sagen, denn der VfB spielt in der Tat ja auch eine richtig gute Runde und zeigt konstant starke Leistungen. Dass der VfL so weit oben steht, ist für mich aber gar keine große Überraschung. In den letzten Jahren hat man schon gesehen, dass die Richtung stimmt.

Beide haben zuletzt zweimal verloren. Was wird das jetzt für ein Spiel am Mittwochabend? 

Christian: Ich erwarte ein sehr attraktives und schnelles Duell. Beide Teams sind richtig gut um Umschaltspiel. Die beiden Niederlagen sagen in meinen Augen nicht viel aus. Jeder weiß, worum es geht: Der VfL will die Champions League klarmachen und wird seiner Favoritenrolle auch gerecht werden, denke ich. Meine Erwartung ist: Die Wölfe werden das Spiel nicht nur bestimmen, sondern auch gewinnen.

Wie geht die Saison für beide aus?

Christian: Der VfL bleibt auf Kurs. Leipzig wird man nicht einholen, aber auch nicht hinter Frankfurt zurückfallen, auch wenn die Eintracht ebenfalls eine starke Saison spielt. Ich lege mich fest: Der VfL schließt als Dritter ab. Stuttgart sehe ich am Ende im oberen Mittelfeld. Und dann glaube ich, dass Thomas Hitzlsperger zur kommenden Spielzeit eine Mannschaft aufbauen wird, die dann auch ins internationale Geschäft rutschen kann.

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