09.02.2021
Männer

„Eiskalte“ ­VfL-Auftritte

Die kältesten Spiele der Wölfe.

Undurchsichtige Angelegenheit: Paul Freier (links) im Duell mit Ex-VfL-Kapitän Josue.

Bibbern, schlottern, zittern: In der Historie der Wölfe gab es so manchen eiskalten Auftritt. Während aktuell also die Schneemassen und die Kälte weite Teile Deutschlands im Bann halten und auch am kommenden Sonntag, 14. Februar (Anstoß um 18 Uhr), der Elf von VfL-Cheftrainer Oliver Glasner gegen Borussia Mönchengladbach eine Partie bei eisigen Temperaturen bevorsteht, lohnt ein Blick in die Vergangenheit. Wer – auch aufgrund der momentan durch die Corona-Pandemie nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindenden Partien – ins Grübeln gerät, wann er zuletzt auf den Rängen so richtig gefroren hat, dem helfen folgende eiskalte Spiele auf die Sprünge.  

Die mobile Rasenheizung

Von Ende November bis Mitte Dezember 1998 kroch die Temperaturskala in Wolfsburg über mehrere Wochen nur äußerst selten über den Gefrierpunkt. Bei Tiefstwerten von minus 10 Grad erstarrte auch das Geläuf im alten VfL-Stadion am Elsterweg. Über eine im Boden verbaute Rasenheizung – wie in der Volkswagen Arena – verfügte die damalige Heimspielstätte der Wölfe noch nicht und so musste man sich anderweitig behelfen. Eine mobile Rasenheizung wurde kurzer Hand installiert, um vor dem Bundesliga-Heimspiel des 17. Spieltags der Wölfe gegen den MSV Duisburg am 12. Dezember das Grün bespielbar zu machen. Rutschig präsentierte sich der Rasen dann am Spieltag, weil zwischenzeitlich Tauwetter eingesetzt hatte. Die Wölfe konnten trotz schmierigem Grund die Partie letztlich mit einem 4:2-Erfolg für sich entscheiden.

Wolfgang Wolf inspiziert die mobile Rasenheizung.

Der Killer im Kühlschrank

„Jetzt sind wir mittendrin, aber nicht dabei.“ Am 20. Spieltag der Saison 2000/2001 traf der VfL Wolfsburg im heimischen VfL-Stadion auf den FC Bayern München und musste sich mit 1:3 geschlagen geben. Gefragt nach der Tabellensituation (28 Punkte/ Platz 9) sorgte Ex-VfL-Manager Peter Pander damals für den Spruch des Tages, weil die Wölfe sich im Bundesliga-Tableau im sogenannten Niemandsland bewegten. „Eiskalter Elber der Killer im Kühlschrank“ titelte die Wolfsburger Allgemeine Zeitung am darauffolgenden Montag.

Tut doppelt weh: Auf eiskaltem Boden unterliegen die Wölfe dem FC Bayern.

Ein „einzigartiger Witz“

Hans Meyer wollte es im Februar 2003 einfach nicht wahrhaben. Also fuhr der Trainer von Borussia Mönchengladbach zum Bökelberg und fegte, bewaffnet mit Besen und Kochsalz, ein paar Gänge frei. Fazit: „Wenn hier geräumt worden wäre, hätten wir die besten Platzverhältnisse seit langem!“ Dabei hatte das heimische Sportamt zuvor das Gastspiel der Wölfe wegen vereister Zuschauerränge und Zufahrtswege abgesagt. Für Borussia-Coach Meyer damals ein „einzigartiger Witz“. Ein Witz aus VfL-Sicht war dann allerdings auch das Nachholspiel am 19. Februar 2003: Die Wölfe verloren mit 0:2.

Frostige Stadioneröffnung

Not macht bekanntlich erfinderisch. Kälte aber auch. Beim ersten Spiel in der Volkswagen Arena am 18. Dezember 2002 gegen den VfB Stuttgart waren die Fans gut ausgerüstet – viele trotzten den minus 6 Grad während der Partie mit Decken, Pelzmützen, Hand- und Fußwärmern oder gar Rettungsfolien. Doch auch der Platz litt – und dummerweise war überdies ein Rohr kaputt. Und so zog sich in der Nähe der Mittellinie ein parallel verlaufender vereister Streifen von Auslinie zu Auslinie quer über den nagelneuen Rasen. Dort hatte die Rasenheizung ausgerechnet zur Eröffnung der neuen grün-weißen Heimspielstätte den Dienst quittiert. Doch auch der übrige Boden war bei Tiefstwerten von minus 11 Grad an diesem Tag erstarrt. „Nicht einfach“ fand VfL-Trainer Wolfgang Wolf die Verhältnisse deshalb. „Die Bälle wurden beim Aufspringen schnell, das ist dann besonders schwierig, wenn du das Spiel machen willst“, so der Ex-Coach weiter. Ein möglicher Grund, warum auch die VfL-Elf erstarrte und schlussendlich das Eröffnungs-Spiel versiebte. Denn der VfB Stuttgart kam mit den frostigen Bedingungen offensichtlich besser zurecht – gewann die Partie des 17. Spieltags mit 2:1.

Vorführeffekt: Bei minus 8 Grad sorgte ein kaputtes Rohr der Rasenheizung beim Eröffnungsspiel in der Volkswagen Arena für einen vereisten Streifen, der einmal quer über den Platz verlief.

Erst kam der Schnee, dann lief der VfL heiß

Ein Spiel wie ein Wetterbericht! Erst bedeckt, dann richtig unangenehm und schließlich kam die Sonne raus. Mit 4:1 bezwang der VfL Wolfsburg am 6. März 2010 den Namensvetter aus Bochum, bot dabei jedoch nicht nur wegen eines Schneesturms einen unansehnlichen ersten Durchgang. Aber als die Sonne in Abschnitt zwei die Wolken durchbrach, berappelten sich auch die Wölfe – Edin Dzeko (2), Obafemi Martins sowie Jonathan Santana schossen nach 0:1-Rückstand vor den 27.200 in der Kälte ausharrenden Fans doch noch einen Sieg heraus. „Das war extrem. Fünf Minuten lang hat man nichts gesehen“, so VfL-Mittelfeldmann Christian Gentner. Weil die damals weißen Bälle nach Anpfiff im Schneetreiben kaum zu erkennen waren, forderte der Schiedsrichter Felix Zwayer nach drei Spielminuten rote. Am Vormittag war das Aufeinandertreffen beider Vereine noch gefährdet gewesen. Die nächtlichen Schneefälle hatten den Einsatz des Technischen Hilfswerks erfordert. Aus Sicherheitsgründen musste jedoch im Anschluss das Dach und die Tribüne der Volkswagen Arena noch vom Schnee befreit werden. So kam ein Helikopter, der den Schnee von der Arena blies.   

Bitter kalt! Das Schneetreiben erschwerte den Blick fürs Wesentliche.
Hilfe aus der Luft: Nur dank eines Helikoptereinsatzes war den Schneemassen auf dem Dach der Volkswagen Arena beizukommen.
Undurchsichtige Angelegenheit: Auch die Fotografen hatten ihre Mühe, den Durchblick zu behalten.

„Mit Schönspielerei war auf diesem Platz nichts zu holen“

Der Winter im Jahr 2010 hatte das Bundesliga-Hinrunden-Finale des VfL vor heimischer Kulisse fest im Griff – das sah man vor allem am gefrorenen Rasen beim Spiel gegen die TSG Hoffenheim am 18. Dezember in der Volkswagen Arena. „Leider hat die Rasenheizung es nicht geschafft, den Platz grün zu machen“, sagte der damalige VfL-Manager Dieter Hoeneß und ergänzte nach dem 2:2-Unentschieden noch: „Hoffenheim kam anfangs besser mit den Verhältnissen klar, wir haben den Fehler gemacht, dass wir Fußball spielen wollten. Aber mit Schönspielerei war auf diesem Platz nichts zu holen.“ Dabei durften sich die Wölfe gar freuen über den gewonnenen Punkt, hatte doch Edin Dzeko erst in der Nachspielzeit für den 2:2-Ausgleich gesorgt.  Dass das Geläuf sich derart eisig präsentierte, lag vor allem daran, dass die Meteorologen in der Nacht vor dem Spiel Tiefstwerte von minus 11 Grad in Wolfsburg meldeten.

Auf eisigem Untergrund war mit Schönspielerei nicht viel zu holen.

Dieter sorgt für zwei eisige Spiele

Am 4. Februar 2012 trat der VfL Wolfsburg in der heimischen Volkswagen Arena gegen Borussia Mönchengladbach an. Bei minus 8 Grad (Tagestiefstwert sogar minus 16 Grad an diesem Tag) am Samstagnachmittag zitterten die Zuschauer auf den Rängen ordentlich, die Spieler auf dem Grün mussten aufgrund von starkem Schneegestöber gar mit Sichtbehinderungen kämpfen. Schlussendlich gab es nur ein 0:0-Unentschieden. Wie war es für die Spieler bei eisigen Temperaturen? Wölfe-Torhüter Diego Benaglio gab nach dem Spiel schmunzelnd zu Protokoll: „Ich hatte ein paar lange Unterhosen an. Die haben gereicht.“ Dass es so kalt war, lag übrigens an Dieter. Nein, nicht an Dieter Hecking oder gar Dieter Hoeneß, sondern an dem gleichnamigen Kältehochdruck-Gebiet, das in Mitteleuropa über mehrere Wochen hinweg alles einfrieren ließ.

Trotz Sichtbehinderung hielt Diego Benaglio seinen Kasten beim eisigen 0:0 gegen Gladbach sauber.
Mario Mandzukic und Makoto Hasebe: Nur dick eingepackt und mit Decke ließ es sich auf der Bank aushalten.

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