Der Januar ist schon wieder Geschichte und mit ihm ein Monat, in den viele mit einer Ernährungsumstellung als Neujahrsvorsatz gestartet waren. In Teilen der Lebensmittelindustrie und Gastronomie war der Januar passend dazu gar zum „Veganuary“ ausgerufen worden. Ein Monat also, in dem probiert werden sollte, sich vegan zu ernähren und auf pflanzliche Alternativen zurückzugreifen. Beispielsweise hat das Restaurant „Playce 97“ in der Volkswagen Arena täglich ein veganes Gericht angeboten. Wölfe-Allrounder Yannick Gerhardt ernährt sich seit 2017 vegan und berichtet in einem Interview über diesen Prozess sowie Vor- und Nachteile der Umstellung.
Yannick Gerhardt, wie kamst du zu der Entscheidung, dich vegan zu ernähren?
Yannick Gerhardt: Ich bin durch meinen damaligen Mitspieler Daniel Didavi mit der Thematik näher in Berührung gekommen. Er hat sich vor einigen Jahren aufgrund seiner Verletzungshistorie mit einer Ernährungsumstellung beschäftigt. Ein Arzt hatte ihm damals empfohlen, sich pflanzlicher zu ernähren. Zusammen mit einem anderen Profifußballer und Freund, Mitchell Weiser, haben wir uns intensiver darüber informiert und einige Dokumentationen über den veganen Lebensstil gesehen – dann haben wir es einfach mal ausprobiert.
Gab es eine schrittweise Anpassung oder hast du deine Ernährung von heute auf morgen umgestellt?
Yannick: Es gab einmal die Woche einen „Cheat Day“ für mich, an dem ich mich so ernährt habe, wie ich wollte. Darauf habe mich immer sehr gefreut, denn anfangs ist es sehr schwer dranzubleiben. Im Laufe der Zeit beschäftigt man sich aber immer mehr mit der kompletten Umstellung, probiert neue Rezepte aus und lässt sich von Dokumentationen inspirieren. Ich war überrascht, wie schnell sich der Geschmack und die Ernährungsweise ändern können. Mit der Zeit fiel es mir immer leichter, vegan zu leben. Mittlerweile ist es in der Gesellschaft nicht mehr unüblich, Veganer zu sein und ethische und klimapolitische Gründe bestätigen meinen eingeschlagenen Weg. Wenn einem bewusst wird, dass man der Umwelt und sich selbst damit etwas Gutes tut, ist es nicht mehr schwer. Während der Saison lebe ich zu 100 Prozent vegan, im Urlaub versuche ich es. Jedoch ist es in manchen Ländern herausfordernd, da es an pflanzlichen Alternativen mangelt.
Wie hat dein Umfeld auf diese Umstellung reagiert? Gibt es vielleicht sogar Menschen, die durch dich vegan geworden sind?
Yannick: Anfangs eckt man hier und da an, gerade zuhause. Ich therapiere keinen und jeder sollte für sich entscheiden, wie er sich ernähren möchte. Aber ein paar Leute in meinem Umfeld haben sich fortan schon mehr mit der Thematik auseinandergesetzt. Heutzutage wird der vegane Lebensstil auch insgesamt stark beworben und die Lebensmittelindustrie hat ebenfalls großes Interesse daran.
Hattest du da auch Phasen, in denen es dir sehr schwergefallen ist, dranzubleiben? Was war die größte Herausforderung?
Yannick: Grundsätzlich wollte ich keine Diät oder Ernährungsumstellung, deswegen habe ich meinen „Cheat Day“ auch zelebriert. Ich war gewohnt, bis zu drei Mal am Tag Fleisch oder Fisch zu essen – das einzustellen war die größte Herausforderung. Mein Umfeld hat mich gewarnt, dass mir als Sportler durch die Umstellung wichtige Werte fehlen könnten und ich beispielweise nicht auf meinen Proteinbedarf komme. Das hat mir anfangs schon Sorgen bereitet, aber beim VfL bin ich im regelmäßigen Austausch mit der medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Abteilung. Unsere Blutwerte werden regelmäßig gecheckt, also wollte ich es einfach mal ausprobieren. Die nächste Herausforderung war, zu wissen, was man überhaupt alles kochen kann. Oftmals waren auch die Restaurantbesuche herausfordernd, weil ich immer erst fragen musste, ob das Gericht rein pflanzlich ist. Vor vier Jahren war das noch keine Selbstverständlichkeit, aber mittlerweile gibt es ja viele Möglichkeiten, im Alltag vegan zu leben.