Am Ende hat Heidenheim zwar nicht gegen Mainz gepunktet, trotzdem war der Sieg enorm wichtig für euch. Mit was für einem Gefühl bist du aus dem Spiel gegangen?
Yannick: Ich hatte im Vorfeld das Gefühl, dass es sogar gut ist, dass Heidenheim noch im Rennen ist. So wussten wir: Es liegt an uns – und wir müssen gewinnen. Wenn wir unsere Aufgabe lösen, dann bleiben wir in der Liga. Deswegen war das Ergebnis in Heidenheim eher zweitrangig. Auch nach dem Rückschlag durch den Ausgleich von St. Pauli sind wir ziemlich cool geblieben und hatten weiter unsere Chancen nach vorne. Nach dem Spiel war natürlich eine Art Erleichterung zu spüren, aber wir wussten, dass das nur der erste Schritt ist. Wir haben jetzt noch zwei Aufgaben vor uns und müssen weiteres Selbstvertrauen daraus ziehen, dass wir uns zurückgekämpft haben.
Das Spiel gegen St. Pauli war gleichzeitig dein 250. Bundesliga-Spiel. War dir das vor der Partie bewusst, dass es an dem Tag so weit sein könnte?
Yannick: Nein, an dem Tag ist das komplett untergegangen. Der Fokus lag komplett auf dem bedeutenden Spiel gegen St. Pauli, so dass ich gar nicht darüber nachgedacht habe. Für mich ist es schon etwas Besonderes, diese Marke für den Verein zu knacken. Im Nachhinein war das Spiel noch besonderer für mich, weil ich reinkam und direkt meinen Teil dazu beitragen konnte, sodass wir das Spiel frühzeitig entscheiden konnten. Es war schön, diese Wertschätzung vom Verein, aber auch von den Fans zu bekommen.
Was war das für ein Gefühl, nach so einem Spiel zu den Fans zu gehen?
Yannick: Das ist der Grund, warum man Fußball spielt. Solche Momente mit den Fans und Mitspielern, die gerade verletzt sind, aber auch mit der Familie und Freunden zu teilen. Man hat gemerkt, dass wir wieder enger zusammengerückt sind. Wir sind in der Bringschuld und über die Art und Weise, wie wir in den vergangenen Wochen gespielt haben, haben wir das Vertrauen ein bisschen zurückgewonnen. In so einer bedeutenden Phase in der Saison – wenn es richtig darauf ankommt –, merken wir umso mehr, dass wir die Rückendeckung der Fans haben. Nicht nur bei St. Pauli, sondern auch gegen Bayern München war das besonders. Deswegen ist es umso schöner, dass wir das Spiel am vergangenen Wochenende positiv gestalten konnten. Wir haben wieder eine Einheit geschaffen. Das ist die Richtung, in die wir gehen müssen, und zusammen schaffen wir jetzt die letzten beiden Spiele.
Auch in Paderborn wird der Gästeblock wieder komplett voll sein. Doch erst einmal erwartet euch im Hinspiel eine ausverkaufte Volkswagen Arena. Was gibt dir das für ein Gefühl, zu wissen, so viele grün-weiße Fans im Rücken zu haben?
Yannick: Ich habe sehr darauf gehofft und auch selbst gemerkt, wie schwer es war, an Karten zu kommen – sowohl fürs Heim- als auch fürs Auswärtsspiel. Man merkt, dass wir wieder Hoffnung entfacht und auch den Glauben der Fans zurückgewonnen haben, dass wir alles dafür tun werden, um in der Liga zu bleiben. Deswegen wissen wir die volle Unterstützung sehr zu schätzen. Wir haben die Chance auf zwei besondere Spiele, um uns in der Bundesliga zu halten – und darauf haben wir Bock.
Für dich ist es bereits deine dritte Relegation mit dem VfL. Ist das ein gewisser Vorteil für dich?
Yannick: Ich glaube schon, dass ich durch meine Erfahrungen, die ich als junger Spieler gesammelt habe, weiß, was es bedeutet, unter Druck zu performen. Auch das Spiel gegen St. Pauli hatte diesen besonderen Charakter, wenn es darum geht, ob du in der Liga bleibst oder nicht. In meiner neuen Rolle als erfahrener Spieler kann ich noch mehr vorangehen und Ruhe ausstrahlen.
Was ist anders als bei den Relegationen in den Jahren 2017 und 2018?
Yannick: Damals war es so, dass wir erst im letzten Spiel in die Relegation reingerutscht sind – das ändert natürlich auch etwas an der Akzeptanz und Erwartungshaltung. Während wir damals „überrascht“ wurden, wollten wir dieses Jahr unbedingt unser Minimalziel nach einer sehr schwierigen Phase erreichen. Wir haben uns diese Chance erarbeitet. Wir haben ein gutes Momentum, und auch als Mannschaft strahlen wir mehr Ruhe aus. Deswegen bin ich von meiner Herangehensweise auch positiver als damals.
Wie geht ihr die Relegation an?
Yannick: Der Trainer gibt uns sehr viel Zuversicht, indem er versucht, uns den Druck dieses Spiels zu nehmen. Es ist wie ein Finale, und auch, wenn es sich vielleicht komisch anhört, sind das Spiele, die man als Fußballer liebt. Wir wussten die ganze Zeit, dass die Relegation unser Minimalziel ist, und das haben wir erreicht. Solange wir uns darauf konzentrieren, was wir in den vergangenen Wochen auf dem Platz gezeigt haben, und unseren Matchplan umsetzen, haben wir gute Möglichkeiten, in der Liga zu bleiben. Wir bereiten uns ganz normal vor, wie auf jedes andere Bundesliga-Spiel auch. Die Abläufe im Spiel, die uns in den vergangenen Wochen stark gemacht haben, wollen wir am Donnerstag und Montag zeigen. Und dann wird sich hoffentlich unsere Qualität durchsetzen.
Was erwartest du von dem Duell?
Yannick: Es ist natürlich etwas Besonderes, weil beide Klubs in unterschiedlichen Ligen spielen. Paderborn hat die ganze Saison über viele Erfolgserlebnisse gehabt und sich diese Spiele erarbeitet. Wir wissen, dass da eine spielstarke Mannschaft auf uns zukommt. Deswegen ist es auch ein bisschen unvorhersehbar. Ich erwarte zwei Mannschaften, die alles dafür tun werden, um erfolgreich zu sein. Wichtig ist, dass wir zeigen, warum wir in die Bundesliga gehören.
Worauf kommt es besonders an?
Yannick: Auch wenn es wie eine Floskel klingt: Es geht um Kleinigkeiten, und die wollen wir besser machen als Paderborn. Wir müssen sowohl defensiv als auch offensiv auf der Hut sein, um das Spiel in unsere Richtung zu kippen. Generell müssen wir über die gesamte Spielzeit hochfokussiert sein, so wenig Fehler wie nur möglich machen und unsere Qualität ausspielen.