27.01.2019
Frauen

„Wir haben Geschichte geschrieben“

Wölfinnen-Torwarttrainer Patrick Platins zählte 2009 zum Meisterkader.

Wer wurde als Spieler sowie als Trainer Deutscher Meister mit dem VfL Wolfsburg? Bei dieser Frage dürften selbst eingefleischte VfL-Fans ein wenig länger ins Grübeln geraten. Was natürlich auch daran liegen mag, dass Patrick Platins beim größten Coup der Vereinsgeschichte nicht in der ersten Reihe stand. Der 35-Jährige zählte in der Saison 2008/09 als dritter Torwart zum Meisterkader, ehe er die Grün-Weißen im Jahr darauf in Richtung Bielefeld verließ. 2016 folgte dann, nach Ende der aktiven Karriere, die Rückkehr an die Aller. Als Torwarttrainer gibt „Plate“ seitdem sein Knowhow an Almuth Schult und Co. weiter.

Rückkehr in die Heimat

Mit 33 Jahren, im besten Torwart-Alter, hing Platins seine Handschuhe an den berühmten Nagel. „Mein damaliger Verein Darmstadt 98 kam nicht auf mich zu, ich wollte aber frühzeitig meine beruflichen Weichen stellen“, erinnert sich der gebürtige Allgäuer. Und dann spielte der Zufall ein wenig P(l)ate: Seine Frau, eine gebürtige Wolfsburgerin, wollte zurück in die Heimat – und bei den VfL-Frauen wurde eine Trainerstelle frei. Für Vorgänger Fabian Lucas, im Hauptjob Mitarbeiter bei Volkswagen, war der zeitliche Aufwand zu groß geworden. „Ich hatte dann zwei gute Gespräche mit Ralf Kellermann und wir haben festgestellt, dass es passen könnte.“ Und es passte. „Ich habe mich riesig gefreut, dass ich so einen tollen Einstieg in den Trainerberuf hatte. Es macht mir Spaß, Teil eines tollen Teams zu sein und zum Gesamterfolg beizutragen.“

„Erfolg kam wie eine Lawine“

Wenn Platins über Wolfsburg als seine Heimat spricht, gerät er fast ins Schwärmen: „Es war immer klar, dass wir hierhin zurückkehren würden. Hier fühle ich mich wohl, hier fühlt sich meine Familie wohl.“ Im positiven Gesamtbild haben natürlich auch die Erinnerungen an die Saison 2008/09 ihren Platz: „Wir haben damals Geschichte geschrieben und ich war ein Teil dieser Geschichte. Der Erfolg kam wie eine Lawine. Wir hatten eine Truppe, in der alles gepasst hat und dann waren wir nicht mehr aufzuhalten.“ Hin und wieder gibt es noch Kontakt zu dem einen oder anderen Teamkollegen von einst, über die aktuellen VfL-ler Marcel Schäfer und Roy Präger hinaus. „Mit Edin Dzeko habe ich mich mal zufällig in Dubai getroffen“, erzählt Platins, der in jener Saison bei den Profis mittrainierte, aber nur in der U23 auf Spielzeit kam. „Der ganz große Kontakt ist nicht mehr da, aber das ist normal.“

VfL-Torfrauen auf internationalem Top-Level

Erste Erfahrungen als Torwarttrainer sammelte Platins bereits in seiner Endphase bei Darmstadt 98, ehe er zu den VfL-Frauen stieß. Eine Umstellung? „Im Körperbau gibt’s nun einmal Unterschiede zwischen Männern und Frauen, das wirkt sich eben auch auf die Dynamik aus.“ Ansonsten sieht der zweifache Familienvater keinen Grund, eine Torhüterin im Training „schonender“ zu behandeln: „Ich nehme keine Rücksicht, schieße genauso hart wie bei Männern.“ Ohnehin ist es ihm egal, ob er Frauen oder Männer trainiert: „Wichtiger ist mir, professionelle Bedingungen zu haben – und das ist bei den VfL-Frauen der Fall. Hier wird sehr akribisch gearbeitet und es ist kein Zufall, dass wir mit Almuth und auch Mary zwei Torfrauen haben, die sich auch international auf einem Top-Level bewegen. Almuth zählt längst zu den besten Keeperinnen der Welt und Mary möchte dahinkommen.“ Diesen Prozess zu begleiten sei einfach ein „spannendes Thema“. Das gelte auch für die Herausforderung, Talente voranzubringen: „Es ist toll zu sehen, wie sich eine Melina Loeck in den letzten beiden Jahren entwickelt hat.“

Das Torwartspiel im Wandel

Wie in vielen anderen Bereichen zuvor vollziehe das Torwartspiel im Frauenfußball eine Veränderung, die der Männerfußball vorgemacht habe, glaubt Platins. „Früher warst du ein guter Torwart, wenn du den Ball weit geschossen hast“, erinnert er sich. „Heute ist der Torwart der Erste, der am Spielaufbau beteiligt ist. In diesem Prozess befindet sich der Frauenfußball gerade. Eine gute Technik zu haben und spielerische Lösungen zu finden sind Qualitätsmerkmale, die Torhüterinnen im Spitzenbereich heute mitbringen müssen.“ Hinzu komme noch die nötige mentale Stärke – und fertig sei der perfekte Torhüterinnen-Mix. Ein Anforderungsprofil, das Almuth Schult („Sie tut unserem Spiel unheimlich gut“) erfülle, obwohl selbst die Welttorhüterin von 2014 noch Verbesserungspotenzial besitze.

Autobahnkilometer statt Flugmeilen

Auch in seiner eigenen Entwicklung sieht Platins noch Luft nach oben. „Ich bin noch nicht so lange Trainer und weiß, dass ich noch vieles lernen kann“, sagt Platins – eine Aussage, die nicht aus dem Phrasenbuch kommt, sondern die zu seiner bescheidenen Art passt. Dass Torhüter ein wenig verrückt seien, treffe zwar auch auf ihn zu. „Aber eigentlich nur auf dem Platz“, folgt die Einschränkung. Bei Spielerinnen, ebenso wie im Trainerteam wird „Plate“ weniger als Lautsprecher denn als Teamplayer geschätzt. So reiste er nicht etwa zusammen mit dem Team im Flugzeug ins Trainingslager an der Algarve: Zusammen mit einem weiteren Fahrer legte er die Strecke mit dem Materialwagen der Wölfinnen zurück. „Das verlangt natürlich keiner von mir, aber es ist eine witzige Erfahrung!“ Ein Torwarttrainer, der lieber Autobahn- als Flugmeilen sammelt – das gibt’s wahrscheinlich nur in einer Autostadt…

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