14.03.2019
Frauen

„Werde lautstark mein Bestes geben“

Oberbürgermeister Klaus Mohrs freut sich auf die Highlights mit den VfL-Frauen.

Er ist der erste Bürger der Stadt Wolfsburg, großer Fan der VfL-Frauen und längst ein Fachmann in Sachen Frauenfußball: Oberbürgermeister Klaus Mohrs ist seit vielen Jahren Stammgast bei Heimspielen der Wölfinnen – sofern es der gut gefüllte Terminkalender zulässt. Auch beim Viertelfinal-Hinspiel in Lyon am kommenden Mittwoch drückt der 66-Jährige vor Ort die Daumen für Grün-Weiß. Und um das entscheidende Rückspiel im AOK Stadion am 27. März (Anstoß 18.15 Uhr) nicht zu verpassen, wurde zum ersten Mal überhaupt eine Sitzung des Stadtrats verlegt. Grund genug, mit Klaus Mohrs über seine Leidenschaft für die erfolgreichen VfL-Frauen zu sprechen.

Herr Mohrs, man könnte auf die Idee kommen, dass sich ein Oberbürgermeister gerne mit einem erfolgreichen Team umgibt, das verlässlich für Titel und Trophäen sorgt. Ihnen wird diese These sicher nicht gerecht, denn Sie haben auch noch andere Zeiten bei den VfL-Frauen erlebt.

Klaus Mohrs: Ich habe mir schon Spiele der VfL-Frauen angeschaut, als Bernd Huneke noch Trainer war. Mir hat der Sport einfach gefallen, die Art und Weise, wie dort Fußball gespielt wurde. Das angenehme Klima im Stadion, die tolle Mannschaft mit vielen starken Persönlichkeiten – davon war ich schon damals begeistert, als an Titelgewinne noch nicht zu denken war.

Findet sich im Hause Mohrs eigentlich auch das eine oder andere Fanutensil?

Mohrs: Wenn es in die entscheidende Saisonphase geht, hängt schon mal ein Schal in meinem Büro – zu Hause sowieso. Oder auch an meinem Auto. Es gehört für mich zum „Fan sein“ dazu, dies auch nach außen zu zeigen!

Am kommenden Mittwoch findet in Wolfsburg das Männer-Länderspiel gegen Serbien statt, zeitgleich gastieren die Frauen des VfL Wolfsburg im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League bei Olympique Lyon. Warum haben Sie sich dazu entschieden, die Wölfinnen zu begleiten?

Mohrs: Das habe ich bereits nach dem verlorenen Champions-League-Finale in Kiew beschlossen. Damals haben wir uns alle gesagt: Im nächsten Jahr müssen wir es endlich schaffen! Und für mich war in diesem Moment klar, dass ich – wenn es die Auslosung ergibt – in beiden Spielen gegen Lyon dabei sein werde. Als es dann tatsächlich so kam, habe ich noch am gleichen Tag die Terminlage sondiert und die Flugtickets für meine Frau und mich besorgt.

Apropos Terminlage: Wie schwer ist es für Sie, die Spieltermine mit Ihren Verpflichtungen als Oberbürgermeister zu vereinbaren?

Mohrs: Es gibt bei mir drei Vormerkungen im Kalender: Die Termine der VfL-Frauen, der VfL-Männer und die der Grizzlys. Sobald sie bekannt sind, werden sie eingetragen. Natürlich kann ich nicht immer alle Spiele sehen, aber im Zweifel bin ich so in der Lage, Prioritäten zu setzen. In diesem Zusammenhang darf ich erwähnen, dass wir in der Geschichte der Stadt Wolfsburg zum ersten Mal eine Ratssitzung verlegt haben, damit die Ratsmitglieder, die zum Rückspiel gegen Lyon gehen wollen, auch dorthin gehen können. Es wäre eine lange Sitzung geworden und wir hätten von dem Spiel nichts mitbekommen. Mein Vorschlag zur Verlegung ist sehr positiv aufgenommen worden – und jetzt sind es wieder ein paar mehr Zuschauer, die vor Ort sein können.

Für das Rückspiel gegen Lyon sind tatsächlich noch einige Resttickets im Vorverkauf zu haben. Hätten Sie sich gewünscht, dass dieses europäische Gipfeltreffen schon frühzeitig ausverkauft gewesen wäre?

Mohrs: Man muss die Zuschauerfrage differenziert betrachtet. Zum einen haben wir in Wolfsburg die von mir eben angesprochenen drei Top-Events im Leistungssport, zum anderen sind wir keine Millionenstadt. Vielmehr bewerte ich positiv, dass wir bei den VfL-Frauen mittlerweile einen konstanten Schnitt oberhalb von 1.500 Zuschauern haben. Das war vor einigen Jahren noch nicht der Fall – da gab es auch schon mal nur 600 Zuschauer bei einem Spiel. Natürlich hätten unsere Frauen grundsätzlich eine größere Kulisse verdient, zumal das AOK Stadion dafür den perfekten Rahmen bietet. Man kriegt viel von dem mit, was auf dem Rasen passiert, die Akustik ist gut. Fakt ist: Wir haben eine treue Fangemeinde und meine Erwartung geht schon dahin, dass das Stadion am 27. März voll ist.

Welche Bedeutung haben die VfL-Frauen als europäisches Spitzenteam im Frauenfußball für die Stadt Wolfsburg?

Mohrs: Ich glaube, der Werbewert, den wir als Stadt durch die Frauen des VfL Wolfsburg haben, wird immer noch unterschätzt. Wenn ich mit Amtskollegen ins Gespräch komme, zum Beispiel beim Städtetag, bekomme ich immer wieder das Feedback, dass unsere Frauen als die europäische Top-Mannschaft neben Lyon wahrgenommen werden. Dieses Team ist ein Aushängeschild für Wolfsburg, aber auch für Volkswagen. Man sieht, welche europäischen Vereine gerade in den Frauenfußball investieren – und das passiert ja nicht zufällig.

In Deutschland ist von einer solchen Euphorie eher weniger zu spüren. Zahlreiche Lizenzvereine haben zwar Frauenteams, die im sportlichen Wettbewerb aber ambitionslos wirken. Warum?

Mohrs: Viele haben scheinbar bislang übersehen, wer sich in Europa so alles für den Wettbewerb wappnet. In Wolfsburg ist das Wissen um die Bedeutung des Frauenfußballs sehr präsent, hier erkennt man, dass der Frauenfußball als Imageträger und Werbefaktor in den nächsten Jahren noch sehr an Bedeutung gewinnen wird. Wir sind mit unseren Startvorteilen in einer Position, die wir nicht aus der Hand geben dürfen.

Was genau meinen Sie mit „Startvorteilen“?

Mohrs: Wir haben einen guten Ruf im Frauenfußball und ich glaube, dass dies ein Riesenvorteil ist. Hier wird exzellente Arbeit geleistet, hier wird man als Spielerin gefördert, hier stimmt das Drumherum. Mit diesen Rahmenbedingungen hat man eine Chance, ein Team zusammenzustellen, das Andere sich erst mit viel Geld einkaufen müssen. Das Gesamtpaket wird sehr geschätzt, wie ich aus einigen Gesprächen mit Spielerinnen weiß. Nicht umsonst kommen immer wieder Weltstars nach Wolfsburg. Diese Ausgangsposition muss man nutzen, da darf man nicht nachlassen. Und ich würde mir wünschen, dass wir in Zukunft auch noch mehr in die Nachwuchsförderung investieren.

Kommen wir zurück in die Aktualität: Das Rennen um die Deutsche Meisterschaft ist seit der Niederlage der Wölfinnen beim FC Bayern München wieder offen. Was spricht aus Ihrer Sicht für den fünften Titelgewinn der Grün-Weißen?

Mohrs: Die Erfahrung hat gezeigt, dass wir in der Endphase einer Saison unsere mentale und auch athletische Stärke ausspielen. Ich vergleiche das mit dem „Bayern-Gen“ der Männer. Man hat immer das Gefühl, unsere Wölfinnen sind jederzeit in der Lage, ein Spiel noch zu drehen. Beim Finale um die Meisterschaft 2014, als es am letzten Spieltag vor über 12.000 Fans gegen den 1. FFC Frankfurt ging, glaubten schon viele nicht mehr an einen Sieg. Ich stand gegen Ende am Spielfeldrand und habe diese mentale Stärke förmlich spüren können, die letztlich ausschlaggebend für den Erfolg in letzter Minute war. Auch diesmal bin ich von der Qualität der Mannschaft aber auch des Trainerteams überzeugt. Ich behaupte sogar, dass diese Wolfsburger Mannschaft die stärkste ist, die wir je hatten. Aber natürlich hängt im Fußball vieles an Kleinigkeiten und man kann sich nie sicher sein – genau deshalb lieben wir diesen Sport.

Bleibt zum Abschluss eine Pflichtfrage: Was tippt der Wolfsburger Oberbürgermeister für die beiden Champions-League-Partien gegen Olympique Lyon?

Mohrs: Ich bin der Überzeugung, dass wir sehr fokussiert sein werden und in Lyon einen knappen Sieg landen können. Das ist kein Zweckoptimismus. Natürlich fahren wir nicht als Favorit dorthin, aber es hat in den letzten Begegnungen – auch im Viertelfinale vor zwei Jahren – nie viel gefehlt. Ich glaube, diesmal ist der größere Hunger auf unserer Seite. Ich werde jedenfalls in beiden Spielen lautstark mein Bestes geben!

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