„Es ging alles extrem schnell, aber ich kann mich gut anpassen“, sagt der Franzose, der sowohl als Innen- als auch als Linksverteidiger eingesetzt werden kann. Anpassungsfähigkeit gehört zu seinem Profil – sportlich wie persönlich. Vielleicht auch, weil sein Weg schon früh größere Distanzen kannte.
Karibische Wurzeln
Belocians Heimat liegt mehr als 7.000 Kilometer von Wolfsburg entfernt: Les Abymes auf Guadeloupe, einer Insel in der östlichen Karibik. Tropisches Klima, knapp 400.000 Einwohner, Strände, die andere nur von Postkarten kennen. Wenn er an seine Kindheit denkt, fallen ihm sofort vier Dinge ein: Familie, Sonne, Strand und Meer. „Wir haben in der Nähe eines kleinen Strandes gewohnt“, erzählt er. „Ich verbrachte dort viel Zeit mit meinen Freunden und meinem Vater.“
Mit fünf Jahren begann er bei Association des Jeunes de Castel Fußball zu spielen, später in seiner Jugend wechselte er zu Stade Lamentinois. Leistungszentren oder strukturierte Nachwuchsprogramme gab es nicht. „Man kann das nicht mit den Bedingungen hier vergleichen. Es geht um den Spaß, aber irgendwann wird es schwierig, sich weiterzuentwickeln.“
Tempo liegt in der Familie
Der Fußball war zunächst Leidenschaft, nicht Karriereplan. Bildung hatte in der Familie Belocian Priorität. „Ich war sehr stark auf die Schule fokussiert. Meine beiden Brüder haben ihren Abschluss gemacht, also musste ich das auch schaffen.“ Lange wollte er Pilot werden. Flugzeuge, Flughäfen, alles rund ums Fliegen – das faszinierte ihn schon früh.
Leistungssport ist in der Familie dennoch kein Fremdwort. Bruder Wilhem ist Leichtathlet, spezialisiert auf die 110 Meter Hürden, startete bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio und 2020 in Tokio. Bruder Livio lebte bereits in Europa, als Jeanuel geboren wurde. Heute wohnen die drei Brüder verteilt in London, Paris und Wolfsburg, die Eltern weiterhin auf Guadeloupe.
Der Sprung ins Ungewisse
Der Gedanke, selbst Profi zu werden, entstand erst, als Stade Rennes Kontakt zu seinen Eltern aufnahm. Der französische Klub pflegte eine Partnerschaft mit seinem Heimatverein und schickte regelmäßig Scouts auf die Insel. Mehrmals reiste Belocian nach Frankreich. „Ich war ungefähr fünfmal dort, bevor ich meinen ersten Vertrag unterschrieben habe.“
2020 verließ er mit 15 Jahren Guadeloupe und wechselte in den Nachwuchs von Rennes. Allein, auf einen anderen Kontinent. „Es ist besonders, wenn man seine Heimat verlässt. Aber wenn du ein klares Ziel im Kopf hast, denkst du nur daran. Du willst deinen Traum verwirklichen.“
Vom Talent zum Profi
In Rennes traf er auf ein Umfeld, in dem Professionalität selbstverständlich war – und auf Lovro Majer. „Seine Mentalität, sein Fokus, der Wille, jeden Tag besser zu werden. Das hat mich sofort beeindruckt“, sagt Belocian. Ein Jahr nach seiner Ankunft spielte er schon für die zweite Mannschaft, im März 2022 debütierte er in der Ligue 1 und im November folgte sein erster Einsatz in der Europa League. „Erst als ich nach Rennes gewechselt bin, habe ich angefangen zu denken, dass ich eine echte Chance habe, Profi zu werden.“
Nur ein Ziel
Seit der U17 trägt er das Nationaltrikot Frankreichs. Einer seiner langjährigen Weggefährten: Sael Kumbedi. Gemeinsam gewannen sie im Sommer 2022 die U17-Europameisterschaft. Als Belocian kurzfristig nach Wolfsburg wechselte, war die Überraschung bei Kumbedi groß. Die vertrauten Gesichter erleichterten ihm das Ankommen in einer Phase, in der vieles schnell gehen musste.
Ob mit Leverkusen im Rennen um die Champions League oder mit Wolfsburg im Kampf um den Verbleib in der Bundesliga – für Belocian bleibt das Prinzip dasselbe. „Es gibt ein großes Ziel der Mannschaft, der Stadt und aller Menschen, die hier arbeiten und uns unterstützen. Und das müssen wir erreichen.“