Im Interview: Fabian Reese über seine ersten Wochen in Wolfsburg.
Hinter Fabian Reese liegen ein paar turbulente Wochen. Nicht nur, weil es von Berlin nach Wolfsburg und von dort ins Weimarer Land zum Trainingslager ging, sondern auch, weil sein Wechsel nach Wolfsburg für viel Aufsehen sorgte. Im Interview spricht der 28 Jahre alte Stürmer über seinen Umgang damit, sein besonderes Verhältnis zu Bence Dardai – und darüber, worauf es in der 2. Bundesliga ankommt.
Fabian, seit einem Monat bist du jetzt in Wolfsburg. Wie hast du dich eingelebt?
Fabian Reese: Mega gut. Ich habe erst in den vergangenen Tagen noch mit meiner Familie darüber gesprochen und meinte, dass die Zeit nur so fliegt. Das ist ein schönes Zeichen, weil es mir zeigt, dass ich mich jetzt schon sehr wohlfühle. Die Jungs haben es mir sehr leicht gemacht. Bence hat mir sehr geholfen und jetzt fühlt es sich gar nicht mehr so an, als wäre ich ein Neuzugang, sondern bereits vollständiges Teil der Gruppe. Vielleicht auch, weil viele andere Neue da sind – das macht große Freude.
Wohin genau bist du nach Wolfsburg gezogen?
Fabian: Ich wohne im Umkreis von Wolfsburg, in Fallersleben. Meine Verlobte und ich finden, dass es dort sehr schön ist. Dort haben wir etwas Schönes für uns gefunden und ziehen dort Mitte August hin.
Wie ist es für dich, aus der Hauptstadt nun nach Wolfsburg zu ziehen?
Fabian: Berlin als Hauptstadt mit Wolfsburg zu vergleichen, ist ein schwieriger Vergleich. Beides hat sein Für und Wider. Das eine ist eine Metropole, die ich drei Jahre lang erleben durfte. Jetzt ist es aber auch schön, in eine Stadt zu kommen, die ruhiger ist. Meine Verlobte und ihre Familie kommen aus der Nähe. Sie ist Niedersächsin und daher ist es ein schönes Gefühl, hierher zu kommen, ein etwas ruhigeres Leben zu führen und mehr Privatsphäre zu haben. Und bis jetzt genießen wir es sehr.
Die Gruppe wächst enger zusammen. Man merkt, dass wir uns alle besser kennenlernen. Wir verinnerlichen immer mehr die Philosophie und die Richtung, die wir spielen wollen.
Fabian ReeseViel Zeit zum Ankommen blieb dir allerdings nicht. In der vergangenen Woche wart ihr im Trainingslager. Wie war für dich die Zeit dort?
Fabian: Es war eine super Woche, ein tolles Hotel mit einer super Anlage. Wir hatten gute Trainingseinheiten, die Gruppe wächst enger zusammen. Man merkt, dass wir uns alle besser kennenlernen. Wir verinnerlichen immer mehr die Philosophie und die Richtung, die wir spielen wollen. Daher habe ich mich auch sehr auf das Testspiel gefreut, um die Arbeit der letzten Tage endlich umzusetzen. Wir als Gruppe brauchen jedes Spiel, und bisher läuft es gut.
Inwiefern ist das Trainingslager eine Chance, noch enger zusammenzurücken?
Fabian: Wir verbringen einfach noch viel mehr Zeit miteinander. Ob es die regelmäßigen Mahlzeiten sind, ob wir zwischen den Einheiten miteinander rumhängen oder abends zusammensitzen. Aber genauso lernen wir auch den Staff nochmal anders kennen. Für mich sind noch viele Gesichter neu. Ich lerne gerade ganz viele neue Facetten des Vereines kennen. Das ist sehr spannend für mich. Abends habe ich eine Menge neue Eindrücke im Kopf.
Hast du jemanden in der Gruppe, mit dem du besonders gut zurechtkommst? Bence kanntest du ja auch schon vorher.
Fabian: Natürlich Bence, aber ob es ein Haui [Hauke Wahl, Anm. d. Red.], ein Yannick oder ein Kili ist, das passt schon sehr gut. Da gibt es natürlich auch noch Bobby [Robert Glatzel] oder Fraser. Ich möchte da niemanden vergessen, das wäre unfair. Mit Bence, Kili und Yannick habe ich privat auch schon etwas unternommen, das passt schon sehr gut.
Als du nach Wolfsburg gekommen bist, hat das in der Öffentlichkeit polarisiert. Wie hast du deinen Wechsel wahrgenommen?
Fabian: Ohne Frage war dieser Wechsel sehr emotional, auch für mich persönlich. Nicht alle Gespräche im Hintergrund werden öffentlich. Am Ende war es eine gemeinschaftliche Entscheidung. Gerade bei solchen Transfers in dieser Größenordnung gehören mehrere dazu, die das wollen. Sicherlich hatte ich vor einem Jahr bei meiner Verlängerung noch anders geplant. Nichtsdestotrotz ist das die beste Entscheidung für meine sportliche Karriere. Ich bin sehr froh, die Chance zu haben, beim VfL Wolfsburg zu spielen.
Bei dem ganzen Trubel, den es jetzt gab, wie schaffst du es, zu entschleunigen?
Fabian: In den ersten Wochen habe ich alle meine Social-Media-Kanäle von meinem Handy gelöscht. Ich bin ein Mensch, der sich auf die positiven Momente konzentriert. Denn es gab trotzdem sehr viele schöne Kommentare, in denen geschrieben stand: „Danke für die Zeit, für die schönen Momente und viel Erfolg für die Zukunft.“ Und genauso wurde ich hier gut aufgenommen. Es gab sehr viele Leute, die sich gefreut haben, dass ich den Schritt hierher gegangen bin. Ansonsten meditiere ich viel, rede sehr viel mit meiner Verlobten und unsere kleine Hündin trägt auch ihren Teil dazu bei, auf andere Gedanken zu kommen.
Ist das dieselbe Hündin, auf die Bence einmal aufgepasst hat?
Fabian: Ja, da war sie ungefähr neun oder zehn Wochen alt. Wir hatten einen sehr wichtigen Termin und konnten sie nicht allein lassen. Sie ist ein Pudel, ein Zwergpudel, um genau zu sein. Pudel können sowieso nicht so gut allein bleiben, aber gerade bei so einem jungen Hund geht das erst recht nicht. Deswegen hat Bence, damals noch in Berlin, quasi „Hundebaby gesittet“.
Besteht die Möglichkeit, dass er womöglich nochmal auf Ebba, eure Hündin, aufpassen muss?
Fabian: Das wird sicher vorkommen. Sie war jetzt schon bei ihm, auch mit uns. Die beiden müssen sich immer wieder ein bisschen annähern. Bence hat die Verbindung etwas vernachlässigt, aber sie ist nicht nachtragend. (lacht)
Er hat dich damals bei deinem Wechsel auch ein Stück weit motiviert. Wie war seine Reaktion, als er von deinem Wechsel erfahren hat?
Fabian: Er ist gut vernetzt, auch im Verein und hatte - glaube ich - schon eine Ahnung. Als ich es ihm dann gesagt habe, meinte er, dass es eine tolle Entscheidung sei und er sich unglaublich auf die gemeinsame Zeit freue. Ich habe mich natürlich auch gefreut. Er hat mir vom ersten Tag an alles gezeigt und dafür bin ich sehr dankbar.
Du hast allgemein ein gutes Verhältnis zur Familie Dardai.
Fabian: Ja. Sein Vater Pal hat mir in Berlin die Bühne geebnet. Als Trainer hat er mir in meinem ersten Jahr bei Hertha unglaublich geholfen, aber auch als Mensch hat er mich abseits des Platzes in vielen Situationen unterstützt. Ich war öfter bei der Familie. Ob es Monika war oder die drei Jungs, mit denen ich zusammengespielt habe. Mit allen drei Jungs habe ich noch guten Kontakt: Ob es Palko ist, der jetzt in Ungarn spielt, oder Marton, mit dem ich fast jeden Tag im Austausch stehe. Und nachdem ich die ganze Zeit über mit Bence in Kontakt stand, ist die Verbindung jetzt noch enger. Es ist eine tolle Familie. Irgendwie verfolgen mich die Dardais – oder ich sie. (lacht)
Pal Dardai hat einmal gesagt, dass du dich vor allem durch deinen Willen und Ehrgeiz auszeichnest. Trifft er es damit?
Fabian: Unter anderem. Aber ich denke, das müssen andere beurteilen. Seine Worte nehme ich natürlich gerne an.
Gibt es Wörter, die noch besser zu dir passen?
Fabian: (überlegt) Ehrgeiz trifft es schon gut. Ansonsten Dynamik, Torhunger und Siegeswille.
Es geht darum, immer dranzubleiben.
Fabian ReeseWar es immer dein Traum, Fußballprofi zu werden?
Fabian: Ja, schon. Ich bin mit 14 Jahren auf ein Internat in Gelsenkirchen gegangen. Da war mir das schon relativ früh klar. Davor habe ich bereits für Holstein Kiel gespielt. Seit ich sieben Jahre alt war, ist das mein Traum.
Welchen Tipp würdest du deinem jüngeren Ich am Anfang deiner Karriere geben?
Fabian: (überlegt) Hab Geduld und glaub an dich.
Inzwischen hast du 245 Pflichtspiele in der 2. Bundesliga verbucht. Worauf kommt es dabei an?
Fabian: Durchhaltevermögen. Es geht darum, immer dranzubleiben. Die Liga ist eine sehr umkämpfte Liga, bei gleichen spielerischen Fähigkeiten gewinnt der bessere Athlet. Es ist eine physische Liga, jeder kann jeden schlagen. Die Tagesform ist häufig entscheidend und das Team und der Zusammenhalt stehen im Vordergrund.
In der kommenden Saison treffen wir mit Holstein Kiel, der SpVgg Greuther Fürth, dem Karlsruher SC und Hertha BSC auf vier Vereine, für die du bereits gespielt hast. Auf welches Duell freust du dich besonders?
Fabian: Natürlich auf das Duell gegen die Alte Dame. Dieses dreijährige Kapitel wird mir immer sehr viel bedeuten. Und daher freue ich mich natürlich besonders auf diese beiden Spiele.
Wenn du deinen Sommer bis hierhin in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären es?
Fabian: Aufregend. Erfüllend. Und große Ziele.