Wenn der VfL Wolfsburg am Dienstag (Anstoß um 10.30 Uhr Ortszeit) auf dem Gelände der „Stadt des Fußballs“ auf den CF Estrela Amadora trifft, wartet ein Gegner, dessen Geschichte von großen Momenten, tiefen Einschnitten – und bemerkenswerter Widerstandskraft geprägt ist. Der Klub aus dem Schatten Lissabons hat sich seinen Platz im portugiesischen Fußball hart erarbeitet. Das ist Estrela Amadora.
Der „Stern von Amadora“
Amadora ist eine Stadt mit rund 170.000 Einwohnern im Nordwesten Lissabons – urban, dicht besiedelt, lange Zeit geprägt von Arbeitervierteln. Der Name des Klubs geht Gerüchten zufolge auf eine laue Nacht im Januar 1932 zurück: Julio da Conceicao und sechs Mitstreiter sollen bei der Vereinsgründung in den Himmel gezeigt und die Sterne als Namensgeber auserkoren haben. Am 22. Januar 1932 wurde so der Clube de Futebol Estrela da Amadora ins Leben gerufen – der „Stern von Amadora“.
Die Trikolore verbinden
Auch die Vereinsfarben verbergen eine besondere Geschichte. Grün, Rot und Weiß – die Farben Portugals – prägen das Erscheinungsbild des Klubs seit 1951. In jenem Jahr besuchten Verantwortliche des brasilianischen Traditionsvereins Fluminense während eines Aufenthalts in Portugal auch Estrela. Berührt vom herzlichen Empfang und der Offenheit der Menschen in Amadora, schickten sie nach ihrer Rückkehr nach Rio de Janeiro ein paar Trikots an die Vereinszentrale in Reboleira. Dieser Geste folgte eine weitreichende Entscheidung: Die Verantwortlichen von Estrela beschlossen, das Trikotdesign zu übernehmen. Was als Zeichen der Verbundenheit begann, wurde zur Identität eines ganzen Vereins – und hat bis heute Bestand.
Pokalsieg und europäische Nächte
Sportlich erlebte Estrela seine Blütezeit Ende der 1980er- und in den 1990er-Jahren. 1988 gelang erstmals der Aufstieg in die erste Liga, zwei Jahre später folgte mit dem Gewinn des portugiesischen Pokals der größte Triumph der Vereinsgeschichte. Der Lohn: die erste und einzige Teilnahme am Europapokal der Pokalsieger. Die Reise endete im Achtelfinale gegen den RFC Lüttich aus Belgien. Auch in der Liga mischte der Klub zeitweise überraschend weit oben mit. Platz sieben in der Saison 1997/1998 markiert bis heute die beste Erstliga-Platzierung.
Absturz und Wiedergeburt
Doch der Aufschwung war nicht von Dauer. Finanzielle Probleme führten nach der Saison 2008/2009 trotz sportlichem Klassenerhalt zum Zwangsabstieg, zwei Jahre später folgte das bittere Ende: Insolvenz, Auflösung, Stillstand. Für viele Fans schien der Stern erloschen. Doch Estrela kehrte zurück. Langjährige Mitglieder gründeten den Verein neu, zunächst aus rechtlichen Gründen unter anderem Namen. Es folgten Jahre in den unteren Ligen, der Aufbau einer eigenen Nachwuchsstruktur – und im Juli 2020 schließlich eine Fusion mit Sintra FC, die den Weg zurück in den Profifußball ebnete. Zur Saison 2023/2024 kehrte Amadora schließlich nach 14 Jahren in die erste Liga Portugals zurück.
Voll auf Kurs
In der laufenden Spielzeit präsentiert sich Estrela als gefestigter Erstligist. Aktuell rangiert das Team auf Platz zwölf der Primeira Liga. Erst am Samstagabend lieferte man dem Tabellenfünften Sporting Braga ein intensives Duell: Zweimal geriet Estrela in Rückstand, nach der Pause sogar mit zwei Treffern – und kämpfte sich dennoch zu einem 3:3. Für Estrela war es bereits das dritte ungeschlagene Spiel in Folge, zuvor gab es ein Remis gegen Moreirense und einen Auswärtssieg bei Famalicao. Nach dem Testspiel gegen den VfL beginnt für die Portugiesen eine zweiwöchige Pause. Im Kader von Estrela steht auch ein Spieler mit deutschen Wurzeln: Stürmer Rodrigo Pinho, geboren in Henstedt-Ulzburg. Der Brasilianer wuchs in Rio de Janeiro auf, durchlief die Jugend von Bangu und verbrachte seine bisherige Profikarriere ausschließlich in Brasilien und Portugal – unter anderem im Trikot des portugiesischen Rekordmeisters Benfica.



