Zum ersten Mal in der laufenden Saison gingen die U20-Frauen des VfL Wolfsburg als klarer Favorit in eine Partie der 2. Frauen-Bundesliga – zumindest, wenn man die Tabellenkonstellation heranführte. Und das Team von Trainer Daniel Kraus wurde dieser Rolle mehr als gerecht: Mit 6:0 (5:0) setzten sich die Jungwölfinnen im Stadion am Elsterweg gegen Mit-Aufsteiger und Liga-Schlusslicht VfR Warbeyen durch. Es war der höchste Wolfsburger Zweitliga-Sieg seit einem 9:0 gegen den TV Jahn Delmenhorst im Dezember 2017.
Frühe Rote Karte als Vorteil
Wie sich die Szenen glichen: Gut drei Stunden, bevor die erste Mannschaft des VfL in Leverkusen von einer frühen Hinausstellung der gegnerischen Keeperin profitierte, trug sich Ähnliches am Elsterweg zu. Knapp drei Minuten waren gespielt, als Anny Kerim-Lindland einen zu kurz geratenen Rückpass erlaufen wollte und dabei durch Lea Egbers zu Fall gebracht wurde. Schiedsrichterin Paula Mayer blieb kein Spielraum – auf eine klare Notbremse folgt nun einmal die Rote Karte. Es dauerte nicht lange, bis die Grün-Weißen den Vorteil der Überzahl auch in Zählbares umsetzen konnten: Auf Vorarbeit von Kerim-Lindland traf Linnea Saelen im zweiten Versuch (6.). Nach einer Viertelstunde war es dann Kapitänin Maria Jonietz, die einen Freistoß aus gut 20 Metern mit rechts ins linke Eck zirkelte. Kerim-Lindland war dann der dritte Streich vorbehalten: Die norwegische U18-Nationalspielerin legte den Ball nach einem steilen Pass an der Torhüterhin vorbei und schob zum 3:0 ein (23.). Maja Zielinska erhöhte nach Vorarbeit von Saelen auf 4:0 (33.), ehe Jonietz mit einem sicher verwandelten Handelfmeter den 5:0-Pausenstand markierte (45.).
Comeback von Arasniewicz
Nach dem Seitenwechsel machte Saelen, die zweite „Doppelpackerin“ des Tages, früh das halbe Dutzend perfekt (47.). Weitere Treffer fielen nicht mehr, Möglichkeiten dazu waren ausreichend vorhanden. Dass man nach einem 6:0-Sieg die Chancenverwertung als Manko anführt, wäre vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar gewesen. „Die ersten drei Spiele waren eigentlich ein anderer Sport“, blickt Co-Trainer Philipp Schumann mit einem Augenzwinkern auf die erstaunlich positive Entwicklung der letzten Wochen zurück. Einen Grund zum Ärgern gab es aber, abgesehen von der erwähnten ausbaufähigen Chancenverwertung, doch noch: Maylin Meister sah in der 69. Minute die Gelb-Rote Karte, eine gute Viertelstunde nach der Gelben. Mit Blick auf den Spielstand keine glückliche Aktion, zumal die Auswirkungen weniger die laufende Partie betrafen, sondern eher in die Zukunft gerichtet sind. Im Auswärtsspiel gegen den 1. FFC Turbine Potsdam (2. November, Anstoß um 14 Uhr) wird Meister nicht dabei sein. Ihr Comeback nach zweimonatiger Verletzungspause realisierte indes Weronika Arasniewicz, während Christina Schönwetter zum ersten Mal in einem VfL-Pflichtspiel zwischen den Pfosten stand. Auch Luca Papp, die wie Schönwetter dem Kader der ersten Mannschaft angehört, kam beim Kantersieg zum Einsatz.


