Männer

„Spüre, dass die Stadt hinter dem VfL steht“

Pirmin Schweglers erster Arbeitstag als neuer Sportdirektor.

Mit den Worten „Schön, dass aus dem Adler jetzt ein Wolf geworden ist“ begrüßte Aufsichtsratschef Dr. Sebastian Rudolph am Donnerstagnachmittag den neuen Sportdirektor Pirmin Schwegler auf der Vorstellungspressekonferenz. Schon am Vormittag war der Neu-Wolf beim Training der Wölfe dabei, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Die neue Aufgabe sei für den Schweizer – der als Spieler mit dem ehemaligen VfL-Torwart und Aufsichtsratsmitglied Diego Benaglio in der „Nati“ zusammengespielt hat – nach eigener Aussage keine Entscheidung „gegen den Adler“ gewesen, sondern eine „für den Wolf“. Dazu bewogen hätten ihn ein gutes Bauchgefühl und viele intensive Gespräche. „Die Idee, wie man hier arbeiten und wie man die Themen angehen will, hat mich vom ersten Moment gepackt.“ Den ersten Kontakt zwischen Pirmin Schwegler und Peter Christiansen gab es bereits beim vergangenen Auswärtsspiel in Frankfurt. Danach seien weitere „interessante und spannende Gespräche“ geführt worden. „Es ist nicht oft, dass du Leute triffst, mit denen du so schnell in die Tiefe gehst“, so der neue Wölfe-Sportdirektor.

„Schnell Feuer und Flamme“

Schwegler sei nicht der einzige Kandidat gewesen, mit dem gesprochen wurde, doch der Schweizer hätte sich als der beste erwiesen. „Wir haben die Gespräche weiter intensiviert und vertieft. Da war eine Chemie und vor allem eine gleiche Vision und Idee da, wie wir Dinge anpacken wollen. Deswegen haben wir viel über Fußball gesprochen. Ich habe viele Fragen gestellt. Ich hoffe, es hat nicht genervt, Peter?“, fragte Schwegler mit einem Schmunzler in Richtung des Geschäftsführers Sport und fügt daraufhin hinzu: „Ich war schnell Feuer und Flamme.“

Arbeiterstadt mit Vision

Unter die anwesenden Journalisten hatte sich vor der Pressekonferenz auch Oberbürgermeister Dennis Weilmann gemischt, der den neuen Sportdirektor direkt willkommen hieß. „Ich spüre, dass die Stadt hinter dem VfL steht und mit VW einen großen Konzern hat, der stark ist und Stabilität verkörpert. Das wollen wir positiv nutzen und nicht verstecken. Darauf können wir stolz sein.“ Am späten Abend vor seinem ersten Arbeitstag war Schwegler mit dem Zug angereist – und kam mit einer leichten Verspätung in Wolfsburg an. Am Mittwoch sah er sein neues Zuhause zum ersten Mal im Tageslicht. „Ich bin in der Schweiz in einem sehr kleinen Ort aufgewachsen und werde mich hier wohlfühlen. Das ist eine Arbeiterstadt – da passe ich ganz gut hin.“

Gerade Arbeit sei für den 38-Jährigen ein wesentlicher Faktor für den Erfolg eines Teams. „Mit harter Arbeit kommt man zu guten Ergebnissen. Diesen Punkt vertrete ich grundsätzlich und das wird hier nicht anders sein“, so Schwegler. „Wir haben eine Vision und einen langfristigen Plan und daran arbeiten wir. In erster Linie geht es um Entwicklung. Ob sich das in den nächsten Wochen in den Ergebnissen widerspiegelt, ist entscheidend für die Tabelle, aber nicht entscheidend für den Inhalt, den wir geben wollen.“

Kein Mann für den Vordergrund

„Im Ergebnis haben wir einen Sportdirektor, der einen tollen Charakter hat. Früher auf dem Platz, heute abseits des Platzes – aber immer noch eng an der Mannschaft und am Geschehen dran“, sagte Rudolph zum Beginn der Pressekonferenz. Schwegler gehe es vor allem darum, in der Anfangszeit zu beobachten und den Klub auf sich wirken zu lassen. Ein Bild zu schaffen vom Umfeld und dabei „jedem eine faire Chance zu geben“. Ähnlich sieht es Christiansen: „Ich will Pirmin nicht zu sehr beeinflussen. Ich will, dass er die Tage vor Weihnachten alles mit eigenen Augen anschaut. Nicht zu viele Dinge erzählen und erklären, damit er sich seinen eigenen Eindruck machen kann.“

Schwegler – der in verantwortlicher Rolle bereits Bundesliga-Erfahrung bei Bayern München, der TSG 1899 Hoffenheim sowie Eintracht Frankfurt gesammelt hat – sieht sich selbst als eine „ruhige Führungsperson“ und erklärt: „Ich versuche andere in ihren Gebieten aufgehen zu lassen und nicht im Vordergrund zu stehen, sondern entscheidend sind die Spieler und Trainer. Das Spiel, was draußen gespielt wird, gehört ihnen und wir sind dafür da, die besten Möglichkeiten zu schaffen.“

„Vom Busfahrer bis zum Zeugwart“

„Es geht um den VfL Wolfsburg – um den Erfolg des Vereins und der Stadt – und ich bin ein Teil davon, aber den sehe ich nicht kleiner oder größer als bei anderen.“ Der neue Sportdirektor weiter: „Jeder hat seinen Anteil daran. Vom Busfahrer bis zum Zeugwart. Vom Kapitän über den Torwart bis zum Cheftrainer. Ich freue mich auf die Aufgaben und kann es kaum abwarten mit anzupacken.“

Doch der neue Sportdirektor wird nicht lange an seiner neuen Wirkungsstätte verbringen – denn schon am Freitag geht es für ihn mit nach Mönchengladbach zu seinem ersten Auswärtsspiel als Wolf. Der Einstand stand an seinem ersten Arbeitstag allerdings noch aus: „Ich habe Quellen zu guter Schweizer Schokolade. Ich weiß nicht, ob dafür in den nächsten Tagen Zeit ist… aber ich hätte da eine Idee.“