Ein Foto von Ulli Hoeneß.
27.09.2020
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„Ottmar hat sehr viel von ihm gehalten“

Interview mit Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß über das Benefizspiel 2003 und den vorherigen Plan, Krzysztof Nowak nach München zu holen.

Ein Foto von Ulli Hoeneß.

Einer der ersten Bundesligastars des VfL Wolfsburg wäre an diesem Sonntag 45 Jahre alt geworden. Hört man sich in der Branche um zum Thema Krzysztof Nowak, zeigt sich schnell, dass sein Schicksal nicht nur menschlich ein tragisches war, sondern genauso auch sportlich. Der Pole, einst in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus Brasilien zu den Grün-Weißen gekommen, hatte die noch jungen Bundesliga-Wölfe fußballerisch auf ein neues Niveau manövriert. Nicht wenige sagten dem Spielmacher vor dem Ausbruch seiner Krankheit eine große Karriere voraus. Wie konkret auch der FC Bayern an einer Verpflichtung interessiert gewesen ist, darüber gab Uli Hoeneß im Interview mit dem „Unter Wölfen Magazin“ exklusiv Auskunft. Auch berichtete der Ehrenpräsident des Rekordmeisters über die Umstände des späteren Benefizspiels, an dessen Zustandekommen er entscheidenden Anteil hatte. Wie detailliert sich der 68-Jährige an alles erinnert und warum er so tief drin ist im Thema ALS, dafür gibt es, wie sich im Gespräch herausstellte, einen besonderen Grund.

Uli Hoeneß, die gute Nachricht vorneweg: Wir wollen mit Ihnen nicht über das Hackentor von Grafite reden. Es sei denn, Sie möchten unbedingt.

Uli Hoeneß: Mein Bedürfnis, darüber zu reden, ist nicht allzu groß, um ehrlich zu sein.

Dann ganz neutral gefragt: Welche Spiele in Wolfsburg werden Ihnen aus Ihrer Zeit als Bayern-Funktionär in Erinnerung bleiben? 

Hoeneß: Wir haben stets eine große Gastfreundschaft in Wolfsburg erlebt und immer gern dort gespielt. Es gab oft spannende, teils auch dramatische Duelle. Negativ war sicherlich, darauf spielen Sie ja an, unser verspielter Titel unter Jürgen Klinsmann. Aber wir sind in der Volkswagen Arena auch mal Meister geworden. Und was mir natürlich sehr im Gedächtnis geblieben ist, das waren die Spiele zu Zeiten des jungen Menschen Krzysztof Nowak, dessen Schicksal damals ganz Fußball-Deutschland berührt hat. 

Sie liefern das richtige Stichwort, denn das Thema dieses Interviews ist eigentlich ein trauriges. Woran denken Sie als erstes beim Namen Krzysztof Nowak?

Hoeneß: Es ist unheimlich hart, dass ein junger Mensch mit seiner Schaffenskraft ein solches Schicksal erleidet. Der Bruder meines Schwiegersohns hat mit gut 30 Jahren leider auch ALS bekommen. Ich kenne mich also im Thema aus und kann sehr gut nachempfinden, was für Krzysztof und seine Familie diese schwere Zeit bedeutet hat.

Als der VfL ihn 1998 verpflichtete, passierte das recht überraschend. Dafür hat er sich zügig einen Namen gemacht. Wann ist er Ihnen das erste Mal aufgefallen?

Hoeneß: Das dürfte gleich zu Anfang gewesen sein. Denn genauso habe ich es auch in Erinnerung: dass er sehr schnell mit herausragenden Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hat. Von der sportlichen Qualität her war er in der Bundesliga eine prägende Figur.

Haben Sie ihn noch als Fußballer vor Augen? Was war er für einer?

Hoeneß: Meiner Meinung nach war er technisch sehr versiert, stark in der Torvorbereitung und außerdem – darauf haben wir beispielsweise bei Spielerverpflichtungen immer sehr geachtet – unheimlich abschlussstark. 

Wie haben Sie grundsätzlich den VfL Wolfsburg zu dieser Zeit wahrgenommen? Die Wölfe waren nach dem Aufstieg 1997 ja noch recht frisch in der Bundesliga. 

Hoeneß: Sicherlich hatte der VfL damals noch etwas andere Ambitionen, als es heute der Fall ist. Ich kann mich noch gut an das alte Stadion erinnern, wo man mitten zwischen den Fans gestanden hat und auch an dieses VIP-Zelt in der Nähe der Haupttribüne. Ich mochte das irgendwie. Da ich immer gern unter Leuten gewesen bin, hat es mir Spaß gemacht, in dieser Atmosphäre meine Bratwurst zu essen.

Die Bayern hatten bis dahin – mit Ausnahme von Siegfried Tietz und Willi Giesemann in den späten 50er Jahren – noch nie einen Spieler vom VfL Wolfsburg verpflichtet. Man sagt aber, es fehlte nicht viel, und Nowak wäre der erste gewesen. Können Sie das bestätigen? 

Hoeneß: Zumindest weiß ich noch, dass wir uns seinerzeit mit Krzysztof beschäftigt haben, weil auch uns seine überragenden Fähigkeiten natürlich aufgefallen waren. Ottmar Hitzfeld, unser damaliger Trainer, hat sehr viel von ihm gehalten. Und die Trainer haben bei uns immer das Vorschlagsrecht. Daran kann ich mich genau erinnern: Der Ottmar hätte ihn gerne gehabt.

Das komplette Interview mit Uli Hoeneß ist nachzulesen im aktuellen „Unter Wölfen Magazin“.
 

Spieler und Funktionäre versammeln sich um Krystof Nowak.

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