05.09.2021
Männer

„Meine erste Liebe in Deutschland“

Marino Biliskov über seine Erinnerungen an Wolfsburg und das Duell seiner Ex-Klubs.

Als er 1999 nach Wolfsburg kam, debütierte Grün-Weiß gerade im Europapokal. Sechs Jahre trug Marino Biliskov als Innenverteidiger das Wölfe-Trikot und lief 177 Mal für den VfL in der Bundesliga auf. Nach seinem Abschied folgten in Deutschland noch drei weitere Stationen, nämlich der MSV Duisburg, der FC Ingolstadt – und zwischendrin für vier Jahre auch die SpVgg Greuther Fürth. Mit Blick auf das Gastspiel der Elf von Mark van Bommel in Franken am Samstag, 11. September (Anstoß um 15.30 Uhr), war der Kroate, inzwischen 45 Jahre alt, damit ein idealer Interviewpartner.  

Marino Biliskov, wo erreichen wir dich gerade?

Marino Biliskov: 
In den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ich arbeite bei Al Ittihab Kalba als Nachwuchsleiter und U19-Trainer. Kalba ist eine Küstenstadt etwa 100 Kilometer von Dubai entfernt. Vor ein paar Wochen habe ich hier mit einem kompletten Nachwuchstrainerteam aus Kroatien angefangen. Die Eindrücke sind also noch frisch.

Nach dem Karriereende vor acht Jahren hatte sich deine Spur ein wenig verloren. Was hast du in der Zwischenzeit gemacht?

Marino: Nach meiner Zeit in Ingolstadt bin ich nach Split zurückgekehrt, um mein Studium als Sportlehrer weiterzuführen. Das hatte ich schon angefangen, bevor ich Profi in Wolfsburg geworden war und wollte es unbedingt beenden. Es war hart, mit 42 noch mal zur Uni zu gehen und sich zwischen den jungen Leuten zu behaupten. Aber ich habe es bis zum Diplom durchgezogen. Anatomie, Psychologie, Ernährung – von solchem Wissen profitiere ich als Trainer jetzt enorm. Dabei hatte ich früher immer gesagt: Laktate schießen keine Tore (lacht).

Räumlich ist Wolfsburg also gerade weit weg. Wie präsent ist der VfL noch in deinem Kopf?

Marino: 
Ich erinnere mich an jede Minute! Vom ersten Tag an habe ich mich in Wolfsburg damals zu Hause gefühlt. Wir hatten eine tolle Mannschaft mit Claus Reitmaier, Charles Akonnor, Martin Petrov, Dorinel Munteanu und all den anderen. Aber genauso gern denke ich an viele Momente im Alltag, ans Kaffeetrinken in der Innenstadt und andere Unternehmungen in der Stadt. Ich habe sogar immer noch in der Porschestraße meine Bank, auch wenn meine Sachbearbeiterin leider in Rente gegangen ist. Ach, und wie hieß noch dieser wunderbare Zeugwart?

Heribert Rüttger. Auch der ist gerade in den Ruhestand gegangen.

Marino: Herbie, genau! Wie könnte ich den vergessen. Er war drei Jahre lang mein Nachbar in Neuhaus. Ein richtig toller Kerl. Von ihm habe ich sogar mal einen Passat für meine Schwester gekauft (lacht). Also: Ich hatte beim VfL eine großartige Zeit, ich spreche immer von meiner ersten Liebe in Deutschland. Allein schon, weil mein erster Sohn in Wolfsburg geboren wurde, wird die Stadt immer besonders für mich sein. Als ich das letzte Mal dort war, habe ich mich gleich wieder wie zu Hause gefühlt. Als wäre ich niemals weggewesen. 

Dieser letzte Besuch dürfte aus dem Sommer 2017 stammen, als du sogar noch mal in der Volkswagen Arena gespielt hast.

Marino: Nein, ich war auch danach noch einmal in Wolfsburg. Aber wenn wir schon über das Jubiläumsspiel sprechen: Großes Kompliment, dass der VfL auf diese Idee gekommen ist und sie dann so umgesetzt hat. Es war einfach toll, die alten Mitspieler zu treffen und sich wie ein Teil der Vereinsgeschichte zu fühlen. Aber auch für den Anlass der Feier kann man den Klub nur loben. 20 Jahre in der Bundesliga zu spielen, inzwischen sogar bald 25, das spricht sehr für den Verein. Trotz aller Schwankungen hat man es nie zugelassen, dass Instabilität entsteht. Wenn man sieht, wer sich alles nicht auf Dauer in der Liga durchgesetzt hat, dann verdient das großen Respekt.

Der nächste Gegner der Wölfe ist ein weiterer Ex-Klub von dir. Du hast von 2007 bis 2011 für Greuther Fürth gespielt. Wie gut kennst du dich im Verein noch aus?

Marino: Auch dorthin habe ich enge Verbindungen. Mit Stefan Leitl und seinem Co-Trainer Andre Mijatovic habe ich in Ingolstadt gespielt, auch Sportdirektor Rachid Azzouzi kenne ich gut. Fürth ist ein Klub, auf den ich ehrlich gesagt etwas stolz bin. Mit sehr begrenzten Mitteln hat man richtig viel auf die Beine gestellt. Ich habe mich selbst überzeugt: Weil mein Trauzeuge aus Fürth kommt, war ich im Frühjahr für eine Woche dort und habe mir das Training angeschaut. Die Leidenschaft im ganzen Umfeld hat mich beeindruckt. Vom Aufstieg war ich daher auch nicht überrascht.

Der VfL hat erst drei Mal gegen Fürth gespielt, alle Partien waren sehr eng umkämpft. Was für ein Spiel erwartet die Wölfe diesmal?

Marino: Natürlich ist Fürth ein Außenseiter in dieser Saison, für viele Spieler ist die Bundesliga ja Neuland. Aber speziell zu Hause sind die Greuther ein sehr unangenehmer Gegner. Die größeren Klubs werden es schwer haben, dort nicht zu stolpern. In Liga und Champions League parallel gefordert zu sein und die Konzentration nicht zu verlieren, das ist nicht so leicht. Wenn man mal einen schlechten Tag hat, nutzen kleinere Klubs wie Fürth das schnell aus. Darauf muss der VfL vorbereitet sein. Ich bin auf jeden Fall richtig gespannt auf dieses Spiel.


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