SA . 29. 12. 2018
Frauen

Mädchen­fußball und Ausbildung auf höchstem Niveau

Wölfinnen bieten optimale Bedingungen.

Der VfL Wolfsburg und Frauenfußball – das ist eine Erfolgsgeschichte. Die doppelten Double-Siegerinnen unter Cheftrainer Stephan Lerch standen in der vergangenen Saison sogar im Endspiel der UEFA Women’s Champions League, die sie 2013 und 2014 auch gewinnen konnten. Entsprechend professionell stellt sich der Klub in der Nachwuchsförderung auf. Mittlerweile spielen über 100 Mädchen in den Kinder- und Jugendmannschaften und machen den Nachwuchsbereich zu einem wesentlichen Baustein für die Erfolge der Wölfinnen. Die lange Liste von Landesauswahl und Junioren-Nationalspielerinnen ist nur ein Beleg für die herausragende Qualität. Maike Fricke, Administrative Leiterin Frauen-Nachwuchs, und Markus Högner, Sportlicher Leiter Frauen-Nachwuchs sowie Co-Trainer der VfL- Frauen, sprechen über die Ausbildungsphilosophie und die persönliche Entwicklung der Spielerinnen.

Markus Högner, wie ist die Nachwuchsarbeit bei den VfL-Frauen strukturiert? 

Markus Högner: Wir haben jeweils eine U11, U13, U15 und U17 sowie eine U20-Mannschaft, die in den höchsten Spielklassen auflaufen. Wir starten früh mit der Förderung unserer Jungwölfinnen, da wir eine breite Grundlage für den darauf aufbauenden Leistungsbereich schaffen wollen. Wichtig ist für uns eine gute motorische Grundausbildung. Zudem besitzen unsere Spielerinnen ein Zweitspielrecht bei Vereinen mit Jungenteams, sodass sie sich auch hier weiterentwickeln können – schließlich messen sich unsere Mädchenteams bis zur U15 im Ligabetrieb mit männlichen Juniorenmannschaften.

Maike Fricke, was ist der Grundgedanke der VfL-Nachwuchsarbeit?

Maike Fricke: Es ist stets das Ziel, so perspektivisch mit dem Nachwuchs zu arbeiten, dass wir unseren Leistungsbereich auf Dauer sichern können. Den talentiertesten Nachwuchsspielerinnen möchten wir den Weg in die Spitze des Fußballs ermöglichen, indem wir ihnen eine qualitativ hochwertige Fußball-Ausbildung bieten. Schon bei den Jüngsten arbeiten wir möglichst vielseitig, später kommen auch individuelles Training sowie theoretisches Wissen dazu. 

Ist in diesem Zusammenhang Nachwuchsarbeit auch Imagearbeit für den Verein?

Högner: Eine große Frage, die uns beschäftigt, ist die Tatsache, wie die Anforderungsprofile in Zukunft im Frauenfußball aussehen werden. Dieser Sport nimmt grade eine rasante Entwicklung. Wir müssen uns diesen Veränderungen stellen – zum Beispiel, wenn man sieht, wieviel Geld inzwischen in England in den Frauenfußball investiert wird. Das heißt, mehr denn je die Ausbildung auf ein professionelles Fundament zu stellen und somit die Qualität in allen Bereichen zu verbessern.

Fricke: Auf jeden Fall ist unsere Arbeit wichtig für das Profil des Vereins. Wir haben eine Verantwortung, der wir gerecht werden müssen und da reicht es nicht, nur namhafte und gestandene Spielerinnen dazuzukaufen. Es geht darum, immer die talentiertesten Spielerinnen zu finden und sie beim VfL bestmöglich auszubilden.

Was ist der Unterschied zwischen Nachwuchsarbeit bei Mädchen und Jungen?

Högner: Die Trainingsinhalte sind komplett gleich. Wir bieten ein strukturiertes und altersgerechtes Training in den jeweiligen Jahrgängen an, damit die Spielerinnen bestmöglich auf die nächste Stufe vorbereitet werden. Ziel ist es, ähnlich wie bei den Jungs, dass möglichst viele Spielerinnen so ausgebildet werden, dass sie in den nächsten Jahrgang übernommen werden. Allerdings ist zu beachten, dass wir, aber auch die Spielerinnen selbst sowie deren Eltern, großen Wert auf eine duale Ausbildung legen, da nun mal nicht so viel Geld im Frauenfußball zu verdienen ist.

Fricke: Unsere Mädchen werden auch wieder am Frühtraining der Jungs in der Akademie teilnehmen. Das ist uns ganz wichtig und hilft vor allem unseren Toptalenten wie Gloria Adigo sich stetig weiterzuentwickeln. Unsere Trainer sind lizenziert und arbeiten intensiv mit den Mädchen. Sie wollen ihnen helfen, ihr Potenzial auf den Platz zu bringen und Erfahrung zu sammeln, die sie dann weiter an den nächsten Jahrgang heranführt. Woran wir arbeiten müssen, ist das Thema Trainingsplätze. Nur die U20 hat einen festen Platz für alle Trainingstage. Die U17 ist zwei Mal hier und sonst zwei Tage in Wendschott – ebenso die U11 und die U13. Während die U15 komplett ausgegliedert in Velstove und Brackstedt ihre Einheiten absolviert. Dazu kommt ein festangestellter U20-Trainer sowie dessen Co-Trainer. Bei der U17 haben wir Chef- und Assistenztrainer in Teilzeit. Alle Übungsleiter darunter sind geringfügig Beschäftigte – ein großer Unterschied zur Akademie, wo fast alle Trainer hauptberuflich angestellt sind. Ein ziemlich hoher Aufwand für die Talente. 

Wie werden die Spielerinnen denn in ihrer Gesamtentwicklung begleitet und wie meistern sie die Doppelbelastung?

Fricke: Ganz wichtig ist uns, dass die Schule nicht vernachlässigt wird. Sie sollen nicht nur beim Fußball erfolgreich sein, sondern auch im Unterricht leistungsbereit, um später einem guten Job nachgehen zu können. Es ist eine Herausforderung, auf Leistungssportniveau zu trainieren und gleichzeitig für die Schule zu lernen. Deswegen wollen wir junge Spielerinnen nicht nur fußballerisch, sondern auch als starke Persönlichkeiten voranzubringen. Wir haben die Gesamtbelastung immer im Auge und helfen individuell.

Högner: Zusammenfassend kann man sagen, dass sich eine Kombination aus Leistungsfußball und Schule für jede eignet, die bereit ist, alles für ihren Traum zu geben. Wer solch ein Zusammenspiel für sich in Betracht zieht, sollte Leidenschaft, Disziplin und Ehrgeiz besitzen. Eigenverantwortung inklusive Achtsamkeit für den eigenen Körper sollten ebenfalls vorhanden sein, dann kann man die Doppelbelastung meistern. Der VfL hat ein funktionierendes Netzwerk aufgebaut, welches dazu beiträgt, dass trotz intensiver schulischer Beanspruchung die Nachwuchstalente langfristig erhalten bleiben.

Wie können junge Mädchen an den Fußball herangeführt werden? Ist das Potenzial ausgeschöpft oder die Basis noch vorhanden?

Högner: Wir veranstalten zum Beispiel den Tag des Mädchenfußballs. Denn es ist wichtig für uns, immer wieder solche Events anzubieten, um weitere Spielerinnen zum Fußball zu bringen und ihre Leidenschaft für diesen Sport zu entwickeln. Beim Martina-Müller-Grundschulturnier können sich seit 2016 Mädchen-Mannschaften aus Grundschulen der Region untereinander messen. Für sechs- bis 13-jährige Mädchen, die auch in den Ferien nicht genug vom Fußball kriegen, sind die speziellen Mädchen-Camps der Fußballschule genau die richtige Freizeitbeschäftigung. In den Lehrgängen werden allerdings nicht nur fußballerische Grundlagen, sondern auch soziale Werte wie Teamgeist und Fairness vermittelt.

Fricke: Fußball steht bei Jungen und Mädchen hoch im Kurs. Auf die ersten Schritte im Leben folgt schnell der erste Ballkontakt. Fernab von Talent und Können sollte zunächst eines in der Vermittlung und der Heranführung an den Fußball im Vordergrund stehen: der Spaß mit dem Ball. Das funktioniert vor allem in der Gruppe gut. Deswegen müssen wir die Mädchen früh abholen und an den Verein binden. Abwechslungsreiche Trainingsgestaltung durch kompetente und gut ausgebildete Trainer, spannende Wettkämpfe und das Vermitteln eines Gemeinschaftsgefühls bilden die Grundlage für die Gewinnung möglichst vieler fußballinteressierter Mädchen.

Nach welchen Kriterien werden die Talente ausgewählt?

Högner: Auch diese Kriterien sind identisch zum Jungenfußball. Fußballerisches Potenzial sowie Talent müssen vorhanden sein, aber auch da sind Charakter sowie Mentalität entscheidend, um ganz oben anzukommen.

Fricke: Für die Auswahl der Spielerinnen sind nicht nur körperliche Aspekte wichtig. Auch Eigenschaften wie Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen spielen eine bedeutende Rolle. Verlässlichkeit und Pünktlichkeit sind ebenfalls Werte, die uns wichtig sind.

Wie ist der Frauen-Nachwuchs im Bereich Scouting aufgestellt?

Fricke: Talentierte junge Fußballerinnen müssen frühzeitig gesichtet und gefördert werden, um sie zielgerichtet nach Prinzipien des vom VfL entwickelten Talentförderprogramms zu trainieren und aufkommende Aufgaben im Spitzenfußball optimal vorzubereiten. Die systematische Sichtung und Förderung der Talente startet demnach nicht erst in höheren Altersklassen, sondern bereits mittels einer vielseitig-spielerischen Bewegungsschulung unserer Jüngsten.

Högner: Das Scouting findet großenteils über die Trainer statt. Dies ist allerdings ein Bereich, den wir unbedingt in naher Zukunft professionalisieren – indem wir ein dichtes Sichtungsnetz spannen – müssen, um weiterhin ganz oben mithalten zu können. Denn ein wichtiger Teil einer guten Jugendarbeit ist ein starkes Scouting. Dazu brauchen wir Fleiß und eine gute Datenbank.

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