Wie sieht ein typischer Arbeitstag rund um Training oder Spiel bei dir aus?
Omar: Der Tag beginnt in der Regel mit einer Frühbesprechung im Trainerteam. Dort stimmen wir uns über den Zustand der Spielerinnen, die Trainingsplanung und aktuelle Reha-Prozesse ab. Häufig gibt es vorab bereits einen kurzen Austausch mit dem Mannschaftsarzt. Im Anschluss verteilen wir die Aufgaben im Team: Ein Teil ist beim Training draußen, während sich andere um Behandlungen, Diagnostik oder Reha-Spielerinnen kümmern. Nach der Einheit folgen Regenerationsmaßnahmen, individuelles Training oder weitere Behandlungen. Ein großer Teil der Arbeit findet danach im Hintergrund statt – etwa die Dokumentation, die Planung der nächsten Trainingstage oder medizinische Abstimmungen. An Spieltagen kommen zusätzliche Abläufe hinzu: Vorbereitung des medizinischen Materials sowie die Betreuung vor, während und nach dem Spiel. Vieles davon läuft im Hintergrund und wird von außen kaum wahrgenommen.
Wo liegt der Unterschied zwischen Physiotherapie und Athletiktraining im Profifußball?
Omar: Eine klare Trennung ist schwierig, weil beide Bereiche eng ineinandergreifen. Genau darin liegt aber auch ihre Stärke. Es geht immer um das Zusammenspiel aus Prävention, Belastungssteuerung und Leistungsentwicklung. Gerade im Übergang von der Rehabilitation zurück ins Mannschaftstraining verschwimmen die Grenzen. Entscheidend ist, dass alle Bereiche eng zusammenarbeiten und sich kontinuierlich abstimmen.
Welche Rolle spielt Athletiktraining im modernen Frauenfußball?
Omar: Eine sehr große. Das Spiel ist in den vergangenen Jahren deutlich schneller, intensiver und physischer geworden. Gleichzeitig ist die Leistungsdichte enorm gestiegen. Faktoren wie Sprintleistung, Stabilität, Richtungswechsel oder wiederholte Hochintensitätsaktionen sind heute entscheidend. Natürlich bleibt das Fußballerische das wichtigste Element, aber die athletischen Voraussetzungen sind ein zentraler Leistungsfaktor geworden. Mit der steigenden Intensität wächst auch die Bedeutung von Prävention und Regeneration.
Was sind die häufigsten Verletzungen – und wie arbeitet ihr präventiv dagegen?
Omar: Typische Verletzungen sind Muskelverletzungen, Knieprobleme und Sprunggelenksverletzungen. Dazu kommen auch internistische Themen wie Infekte. Prävention bedeutet für uns, frühzeitig Risikofaktoren zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Dazu gehören Krafttraining, neuromuskuläres Training, Belastungssteuerung und individuelle Anpassungen. Auch Themen wie Ernährung, Regeneration, psychologische Betreuung und der offene Umgang mit dem Zyklus spielen eine wichtige Rolle. Entscheidend ist, dass wir frühzeitig eingreifen und die Spielerinnen offen kommunizieren können.
Wie begleitet ihr Spielerinnen auf dem Weg zurück nach einer Verletzung?
Omar: Der Weg zurück ist immer individuell. Es gibt zwar klare Phasen – von der Akutbehandlung über den Aufbau bis hin zur sportartspezifischen Belastung und der Integration ins Teamtraining –, aber keine Rehabilitation verläuft identisch. Wir arbeiten sehr eng im Team zusammen und passen die Inhalte individuell an. Ein wichtiger Schritt ist auch das positionsspezifische Individualtraining, bevor die Spielerinnen vollständig ins Mannschaftstraining zurückkehren. Am Ende braucht es eine saubere Belastungssteuerung, objektive Kriterien und eine enge Kommunikation zwischen allen Beteiligten.
Wie steuert ihr die Belastung der Spielerinnen – gerade in englischen Wochen?
Omar: In solchen Phasen ist es entscheidend, die Belastung möglichst stabil zu halten. Wir arbeiten mit verschiedenen Parametern wie GPS-Daten, subjektivem Feedback und Regenerationswerten. Wir schauen genau darauf, wer viele Minuten gespielt hat und wer nachbelastet werden muss. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit hochzuhalten und gleichzeitig Überbelastung zu vermeiden. Auch Spielerinnen mit weniger Einsatzzeit müssen gezielt ihre Reize bekommen, damit sie jederzeit einsatzbereit sind. Das ist ein zentraler Faktor in intensiven Spielphasen.
Wie wichtig ist Vertrauen zwischen dir und den Spielerinnen – und wie baust du das im Alltag auf?
Omar: Vertrauen ist die Grundlage unserer Arbeit. Nur wenn Vertrauen da ist, bekommen wir ehrliches Feedback – und das ist im medizinischen Bereich extrem wichtig. Wir versuchen, transparent zu arbeiten, individuell auf die Spielerinnen einzugehen und auch in schwierigen Phasen verlässlich zu sein. Die Spielerinnen müssen spüren, dass wir gemeinsam für ihre Gesundheit und Leistung arbeiten. Für mich ist es immer ein schönes Zeichen, wenn ehemalige Spielerinnen sich melden oder man sich wiedertrifft und direkt ein gutes Gefühl da ist.
Was bekommen Fans von eurer Arbeit im Hintergrund meist gar nicht mit?
Omar: Ein Großteil unserer Arbeit passiert im Hintergrund. Dazu gehören die komplette Planung und Steuerung von Reha-Prozessen, unzählige Behandlungen, Regenerationsmaßnahmen und medizinische Abstimmungen – häufig auch in enger Abstimmung mit unseren Teamärzten. Auch organisatorische Themen wie Dokumentation, Befunde, Austausch mit anderen Ärzten oder die Betreuung bei externen Terminen gehören dazu. Wenn Spielerinnen verletzt sind, begleiten wir sie oft auch zu Spezialisten. Am Ende geht es darum, die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, damit die Spielerinnen auf dem Platz performen können. Wir stehen nicht im Vordergrund – aber wir sorgen dafür, dass alles im Hintergrund funktioniert.