Im Interview: U19-Trainer Daniel Bauer über eine bleibende Narbe, neue Heimatgefühle und warum sein Erfolgsrezept nichts mit Taktik zu tun hat.
Vor wenigen Wochen ist Daniel Bauer in seine zehnte Saison als Trainer der VfL-Akademie gestartet – eine Zeit voller Titel, Talente und Tränen. Im Interview blickt der Cheftrainer der U19 auf seine Anfänge in Wolfsburg zurück, spricht über prägende Momente auf und neben dem Platz und erklärt, warum ihm Menschlichkeit wichtiger ist als jede Taktiktafel.
Daniel, erinnerst du dich noch, wie du im Sommer 2016 in Wolfsburg gelandet bist?
Daniel Bauer: Auf jeden Fall. Von 2014 bis 2016 war ich Co-Trainer bei Hannover 96 in der U23, meine ersten Schritte im Trainergeschäft. Dann kam der erste Anruf von Fabian Wohlgemuth, dem damaligen Akademie-Direktor des VfL. Kurz darauf meldete sich auch Thomas Reis, der gerade U19-Cheftrainer geworden war – mit ihm hatte ich damals noch in der 2. Bundesliga bei Eintracht Trier zusammengespielt. Es folgten intensive Gespräche, unter anderem mit Olaf Rebbe und Dieter Hecking – fast wie ein kleines Assessment-Center. Wolfsburg war Hannover in der Nachwuchsarbeit damals ein gutes Stück voraus. Das war für mich ein großer Schritt.
Mit welcher Erwartung bist du damals in die neue Aufgabe gestartet? Hättest du dir vorstellen können, dass wir heute hier sitzen?
Daniel: Ehrlich gesagt: nein. Zehn Saisons – das ist im Fußball eine halbe Ewigkeit. Und wir kommen ja auch nicht aus der Region. Ich bin Rheinländer, meine Frau stammt aus Chemnitz. Dass wir heute in Gifhorn leben und uns hier zuhause fühlen, war damals nicht absehbar. Aber manchmal passt einfach alles – beruflich wie privat.
Wenn du die Jahre Revue passieren lässt: Was waren sportlich wie menschlich deine größten Highlights?
Daniel: Da gab es wirklich viele. Gleich im ersten Jahr die Meisterschaft mit der U19, später der Regionalligatitel mit der U23 – das waren große sportliche Erfolge. Auch die internationalen Reisen waren etwas Besonderes: der Premier League International Cup, der Weifang Cup in China oder die Trainingslager in Florida und Abu Dhabi. Und aktuell: die zwei Spiele als Interimstrainer bei den Profis – gemeinsam mit Kutsch (Julian Klamt) und Holmi (Tobias Holm), meinen beiden bisherigen Co-Trainern. Das war ein unvergessliches Highlight. Mindestens genauso prägend sind für mich aber die persönlichen Erlebnisse mit den Jungs – gemeinsame Rückschläge, besondere Gespräche, das tägliche Miteinander. Genau das macht diese Arbeit für mich so besonders.
Und gab es Momente, die besonders schmerzhaft waren?
Daniel Bauer: Oh ja, vor allem die Relegation zur 3. Liga gegen die Bayern-Amateure in der Saison 2018/2019. Nach dem 3:1-Heimsieg dachten viele, wir hätten das Ding fast in der Tasche. Und dann verlieren wir das Rückspiel 1:4. Das war brutal. Diese Niederlage hat eine Narbe hinterlassen, die nie ganz verheilen wird.
Gibt es Spieler, deren Entwicklung dich besonders beeindruckt hat?
Daniel: Da gibt es viele. Mit einigen bin ich bis heute im engen Austausch. Man freut sich immer, wenn man sich wiedersieht. Ein Beispiel ist Anton Stach. Als ich Interimstrainer der Profis war, stand er beim Heimspiel gegen Hoffenheim auf der Gegenseite. Seine Entwicklung zum Nationalspieler ist Wahnsinn. Und auch Omar Marmoush: Als ungeschliffener Rohdiamant aus Ägypten gekommen, hatte er es anfangs schwer, musste um Spielzeit kämpfen. Jetzt ist er bei Manchester City unter Vertrag. Aber auch viele andere Jungs haben sich sportlich wie menschlich toll entwickelt. Das erfüllt mich mit Stolz.
Wie hat sich dein Trainerverständnis in deiner Zeit beim VfL verändert? Gibt es Dinge, die du heute bewusst anders machst als früher?
Daniel: In den Grundzügen bin ich sicher noch der gleiche Typ, aber mit der Erfahrung entwickelt man sich automatisch weiter. Ich bin nach wie vor ein emotionaler Trainer, gerade an der Seitenlinie. Aber ich gehe viele Dinge mittlerweile ruhiger an. Früher waren es dann auch mal drei, vier gelbe Karten pro Saison – in der letzten war es nur eine.
Die Jungs erleben in ihrer Karriere viele fachlich starke Trainer. Mir war und ist es immer wichtig, nahbar und für sie da zu sein. Gerade, wenn es mal nicht rund läuft, ob sportlich oder privat. Am Ende bleibt sowas mehr hängen als jede Einheit.
Daniel BauerWenn einer deiner ehemaligen Spieler dich in 20 Jahren beschreibt – was würdest du dir wünschen, dass er über dich sagt?
Daniel: Ich will vor allem Mensch sein. Die Jungs erleben in ihrer Karriere viele fachlich starke Trainer. Mir war und ist es immer wichtig, nahbar und für sie da zu sein. Gerade, wenn es mal nicht rund läuft, ob sportlich oder privat. Am Ende bleibt sowas mehr hängen als jede Einheit.
Was hast du dir für deine Jubiläumssaison vorgenommen?
Daniel: Persönlich will ich die Pro-Lizenz in Angriff nehmen. Durch die neue Ausbildungskonzeption war das bislang nicht möglich, aber jetzt habe ich die nötigen Praxisjahre gesammelt. Und sportlich: Wir haben eine sehr junge Mannschaft – erstmals sind schon zum Saisonstart vier Spieler aus der U17 fest dabei. Unser Ziel ist es, die Jungs individuell weiterzuentwickeln, begeisternden Offensivfußball zu spielen und als Mannschaft so erfolgreich wie möglich zu sein.
Zum Abschluss: Wenn der Daniel Bauer von 2016 dir heute gegenübersitzen würde – was würdest du ihm sagen?
Daniel: Mach genau so weiter. Harte Arbeit zahlt sich aus – das sage ich auch immer den Jungs. Es geht nicht immer geradeaus, manchmal auch zwei Schritte zurück. Aber wenn du dranbleibst, wirst du irgendwann dafür belohnt. Die zwei Wochen bei den Profis waren für mich vielleicht genau das – eine Bestätigung, dass wir als Trainerteam über Jahre gute Arbeit geleistet haben.