Die VfL-Spieler Guilavogui und Brekalo jubeln auf dem Spielfeld.
12.03.2021
Männer

„Ich bin da – egal, wo“

VfL-Kapitän und -Vielfaltsbotschafter Josuha Guilavogui im Interview der aktuellen „Unter Wölfen kompakt“-Ausgabe zum Vielfaltsspieltag gegen Schalke.

Die VfL-Spieler Guilavogui und Brekalo jubeln auf dem Spielfeld.

Bei der morgigen Heimpartie gegen das Tabellenschlusslicht FC Schalke 04 (Anstoß um 15.30 Uhr) möchten die Wölfe nach zuletzt zwei Niederlagen unbedingt wieder zurück in die Erfolgsspur. Zum Duell gegen Königsblau, dem diesjährigen Vielfaltsspieltag, wird aller Voraussicht nach, VfL-Kapitän und -Vielfaltsbotschafter Josuha Guilavogui in die Startelf zurückkehren. Im Interview der „Unter Wölfen kompakt“-Ausgabe gegen Schalke spricht der 30-jährige Franzose über die nicht einfache Reservistenzeit, den Traum von der Champions League, den kommenden Gegner und die wichtige Spieltagsbotschaft.

Josuha Guilavogui, dein letzter Startelfeinsatz war Mitte Januar am 16. Spieltag beim 2:2 gegen Leipzig. Seitdem bist du Edelreservist – auch, weil die Innenverteidigung und Sechser zuletzt sehr erfolgreich gespielt haben. Wie gehst du selbst mit der Situation um?

Josuha Guilavogui: Die Situation ist nicht einfach für mich. Wenn man nur wenige Minuten pro Spiel zum Einsatz kommt, ist es natürlich schwierig, in den Rhythmus zu kommen. Vor meiner Verletzung war ich in der Stammmannschaft und habe dort auch meine Leistung gezeigt. Ich muss ehrlich sagen, dass es für mich nicht leicht zu akzeptieren war, trotzdem draußen zu bleiben. Da ist es dann kaum möglich, sich über Leistungen im Spiel anzubieten. Aber selbstverständlich akzeptiere ich diese sportliche Entscheidung.

Nun kommt das Tabellenschlusslicht Schalke 04  in die Volkswagen Arena. Neben Paulo Otavio (Rotsperre) und Renato Steffen (verletzt) fallen mit Maxence Lacroix und Xaver Schlager auch zwei Spieler auf den Positionen aus, die du besetzen könntest. Dass du in der Startelf stehen wirst, hat Oliver Glasner ja bereits bestätigt.

Josuha: Ich habe immer betont: Wenn die Mannschaft mich braucht, bin ich da – egal, wo. So habe ich am Anfang der Saison ja als Innenverteidiger gespielt, um dann wieder auf meine Sechser-Position zu wechseln. Wir spielen bisher eine sehr gute Saison – und eine wichtige Voraussetzung dafür ist auch, sein Ego zur Seite zu schieben. Ich möchte und muss immer bereit sein, wenn der Trainer mich braucht.

Du giltst als vorbildlicher Kapitän, der sich immer in den Dienst der Mannschaft stellt. Und die funktionierte in den vergangenen Wochen ganz hervorragend. Wie stolz bist du auf das Team – gerade auch, wenn man bedenkt, dass es noch nicht lange her ist, dass ihr gleich zweimal in die Relegation musstet?

Josuha: Sehr stolz. Seit der Relegation spielen wir wieder sehr stabil, wir haben dann ja auch direkt die Europa League geschafft und zuletzt dann immerhin die Qualifikation, wo wir dann leider aber gegen AEK Athen ausgeschieden sind. Und ich glaube, auch in diesem Jahr sind wir sehr gut unterwegs, sodass wir unser Ziel erreichen können.

Almuth Schult und Josuha Guilavogui im Vielfalts-Trikot des VfL Wolfsburg.

Absolut. Ihr seid zehn Spieltage vor Schluss Tabellendritter und das Erreichen des internationalen Wettbewerbs liegt in Reichweite. Wie sehr reizt dich selbst die Königsklasse, die Champions League?

Josuha: Jeder weiß, dass das für jeden Fußballer ein Traum ist, dort zu spielen. Ich habe das selbst mit Atletico Madrid und mit den Wölfen erlebt, es gibt nichts Besseres. Höchstens vielleicht noch die großen Turniere mit der A-Nationalmannschaft, obwohl für viele die Champions League sogar noch einen höheren Stellenwert haben dürfte als die Europa- oder Weltmeisterschaft. Wenn die Chance also da ist, muss man sie versuchen zu nutzen.

Königsblau hat gerade mit Dimitrios Grammozis einen weiteren neuen Trainer installiert, der gegen Mainz mit einem torlosen Remis startete. Wie schätzt du die Schalker derzeit ein und wie wichtig wäre es nun nach zwei Niederlagen in Pokal und Liga, den Heimdreier einzufahren?

Josuha: Zunächst einmal ist es sehr schade, dass so ein großer Verein wie Schalke jetzt gegen den Abstieg spielt. Wir selbst haben das ja zwei Jahre erlebt und ich weiß, wie schwer das für jeden einzelnen Spieler ist. Auch wenn wir „nur“ Fußball spielen, bleibt es unsere Arbeit – und die wollen wir erfolgreich bestreiten. Natürlich sind meine Gedanken auch bei Naldo und bei „Willi“, für die ich hoffe, dass sie ihr Ziel erreichen. Aber bitte nicht mit Hilfe eines ersten Sieges gegen uns unter ihrem neuen Trainer! Für uns bedeutet das, dass wir viel investieren werden müssen. Es gab ja zuletzt komischerweise sogar schon Diskussionen hinsichtlich des Verlustes unserer Stabilität. Diese Qualität endet ja nicht deshalb plötzlich, weil wir mal eine Niederlage kassiert haben, nachdem wir so lange keine Gegentore bekommen hatten. Wir wollen und müssen jetzt einfach weiter Tore schießen und wieder sehr gut verteidigen, um unsere Spiele zu gewinnen.

Wir müssen gut zusammenleben – ob das nun Freunde, Mitspieler, Kollegen oder aber Menschen sind, die wir nicht kennen. Und unser Blick sollte dabei nicht auf die Hautfarbe und sexuelle Orientierung gerichtet sein, sondern auf den Menschen an sich.

Du bist offizieller Vielfaltsbotschafter des VfL und hast dich in der Vergangenheit immer klar und deutlich für Toleranz und Vielfalt und gegen Rassismus und Ausgrenzung positioniert, zum Beispiel in einem Kicker-Artikel nach den Vorkommnissen des Spielabbruchs zwischen PSG und Basaksehir im Dezember letzten Jahres. Wie wichtig ist es, so wie heute regelmäßig auf diese Grundwerte hinzuweisen? Was bedeutet es dir, als Kapitän die Regenbogenbinde zu tragen?

Josuha: Ich glaube, dass das noch ein Thema für unsere Generation ist, hoffentlich dann aber nicht mehr für die nächste. Wir müssen verstehen, dass es in der Gesellschaft keinen Platz für Rassismus und Diskriminierung gibt. Wir sind eine globale Gesellschaft und leben nicht mehr in kleinen abgeschlossenen Welten. Wir müssen gut zusammenleben – ob das nun Freunde, Mitspieler, Kollegen oder aber Menschen sind, die wir nicht kennen. Und unser Blick sollte dabei nicht auf die Hautfarbe und sexuelle Orientierung gerichtet sein, sondern auf den Menschen an sich. Und mit dem Vielfaltsspieltag und der Regenbogenbinde wollen wir ein entsprechendes Zeichen setzen.

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