Frauen

„Gemeinsam den nächsten Entwicklungsschritt gehen“

Im Interview: Vanessa Bernauer über ihre Rückkehr zum VfL Wolfsburg als neue Direktorin Frauenfußball.

Bis 2018 trug Vanessa Bernauer das Trikot des VfL Wolfsburg, nun kehrt die ehemalige Schweizer Nationalspielerin in neuer Funktion an den Mittellandkanal zurück. Ab dem 1. Juli übernimmt die 38-Jährige die Position der Direktorin Frauenfußball. Im Interview spricht Bernauer über ihre Rückkehr zu den Grün-Weißen, prägende Erfahrungen aus ihrer aktiven Karriere und die Werte, die den VfL auch in Zukunft auszeichnen sollen.

Vanessa Bernauer, vor acht Jahren wurdest du als Spielerin verabschiedet. Jetzt kehrst du als Direktorin Frauenfußball zurück. Hättest du dir damals eine solche Rückkehr vorstellen können?

Vanessa Bernauer: Nein, damals definitiv nicht. In diesem Moment habe ich daran überhaupt nicht gedacht. Umso schöner ist es jetzt, an einen Ort zurückzukehren, mit dem ich viele positive Erinnerungen verbinde. Gleichzeitig ist es natürlich eine große Verantwortung, bei einem Verein wie dem VfL Wolfsburg die Zukunft des Frauenfußballs mitgestalten zu dürfen.

Du trittst die Nachfolge von Ralf Kellermann an, den du bereits aus deiner aktiven Zeit kennst. Kannst du von seinen Erfahrungen profitieren?

Vanessa: Absolut. Die Arbeit, die Ralf über viele Jahre geleistet hat, verdient großen Respekt. Der VfL hat sich unter seiner Führung national und international hervorragend entwickelt. Von seiner Erfahrung kann man nur profitieren, und ich freue mich darauf, möglichst viel von seinem Wissen mitzunehmen. Gleichzeitig möchte ich aber auch neue Impulse setzen und in meiner Funktion dazu beitragen, die VfL-Frauen in einem dynamischen Wettbewerb erfolgreich weiterzuentwickeln.

Du hast den Generationenwechsel angesprochen. Inwiefern helfen dir deine Erfahrungen als Spielerin heute in deiner Führungsrolle?

Vanessa: Meine gesamte Karriere hilft mir dabei, die Perspektive der Spielerinnen gut zu verstehen. Natürlich habe ich im Laufe der Jahre viele verschiedene Trainer, Verantwortliche und Führungsstile erlebt. Es gab Menschen, die für mich Vorbilder waren, aber auch Situationen, aus denen ich gelernt habe, wie ich bestimmte Dinge vielleicht anders angehen möchte. Mein Ziel ist es, eine Führungskraft zu sein, die ich mir selbst als Spielerin gewünscht hätte.

Du hast vier sehr erfolgreiche Jahre beim VfL erlebt. Was sind deine schönsten Erinnerungen an diese Zeit?

Vanessa: Es gab viele besondere Momente. Wenn ich einen hervorheben müsste, dann wäre es das Champions-League-Finale 2016, in dem ich spielen durfte. Auf dieser Bühne um einen der größten Titel im Vereinsfußball zu kämpfen, war ein außergewöhnliches Erlebnis und zählt definitiv zu den Höhepunkten meiner Karriere.

Mit Joelle Wedemeyer spielt noch eine ehemalige Mitspielerin im aktuellen Kader. Ist es besonders, nun in einer anderen Rolle auf bekannte Gesichter zu treffen?

Vanessa: Ja, auf jeden Fall. Es ist schön, bekannte Menschen wiederzusehen – nicht nur Spielerinnen, sondern auch viele Mitarbeitende im Verein. Natürlich begegnet man sich heute in anderen Rollen als damals, aber genau das macht diese Rückkehr auch besonders.

Diese Mentalität gehört zum VfL Wolfsburg und darf nie verloren gehen. Sie hat die Mannschaft über viele Jahre ausgezeichnet und auch in schwierigen Situationen Spiele entscheiden lassen. Diese Leidenschaft, dieser unbedingte Wille und die Bereitschaft, alles für den Erfolg zu investieren, sind wichtige Werte.
Vanessa Bernauer über Siegeswille und der Hunger auf Erfolg

Die Wölfinnen hat über viele Jahre ihr unbedingter Siegeswille und der Hunger auf Erfolg gekennzeichnet. Wie wichtig ist es, diese Mentalität auch in Zukunft zu bewahren?

Vanessa: Diese Mentalität gehört zum VfL Wolfsburg und darf nie verloren gehen. Sie hat die Mannschaft über viele Jahre ausgezeichnet und auch in schwierigen Situationen Spiele entscheiden lassen. Diese Leidenschaft, dieser unbedingte Wille und die Bereitschaft, alles für den Erfolg zu investieren, sind wichtige Werte. Ich kann mich damit voll identifizieren. Wer mich als Spielerin erlebt hat, weiß, wie wichtig mir Einsatz, Leidenschaft und Teamgeist immer waren. Genau diese Haltung möchte ich auch in meine neue Aufgabe einbringen.

Du hast in mehreren europäischen Top-Ligen gespielt. Wie wertvoll sind diese Erfahrungen heute für deine Arbeit?

Vanessa: Sehr wertvoll. Viele Stationen haben sich damals aus den jeweiligen Situationen heraus ergeben, aber rückblickend bin ich für jede einzelne dankbar. Ich durfte unterschiedliche Kulturen, Spielphilosophien und Arbeitsweisen kennenlernen. Diese Erfahrungen haben mich als Spielerin geprägt und helfen mir heute noch. Dazu kommen die sprachlichen und persönlichen Kontakte, die über die Jahre entstanden sind.

Zum Abschluss der Blick nach vorne: Worauf freust du dich am meisten, wenn du im Juli offiziell startest?

Vanessa: Ehrlich gesagt auf die gesamte Aufgabe. Je näher der Start rückt, desto größer wird die Vorfreude. Jetzt noch einmal vor Ort gewesen zu sein, hat dieses Gefühl verstärkt. Ich freue mich darauf, die Menschen kennenzulernen, die Arbeit aufzunehmen und gemeinsam die Zukunft des Frauenfußballs beim VfL Wolfsburg zu gestalten. Es kribbelt schon – und ich kann es kaum erwarten, dass es losgeht.